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Papstbesuch in Japan : Römisch-katholisch und versteckt christlich

Takaharu Matsukawa vor dem Karematsu-Schrein in Sotome, dem Grab von San Juan. Bild: Patrick Welter

Franziskus besucht an diesem Samstag Japan – dabei wird es nicht nur um Atomwaffen gehen, sondern auch um die Jahrhunderte andauernde Unterdrückung der katholischen Kirche im Land und ihre „versteckten Christen“.

          7 Min.

          Behende steigt der alte Mann den steilen Abhang herauf. Mit seinen 79 Jahren hat Takaharu Matsukawa einen Wanderstock ergriffen, doch sein Tritt ist fest und sicher. Zwischen den Bäumen scheint die Abendsonne auf einen Schrein, der gewöhnlicher nicht aussehen könnte. Zwei Steinlaternen vor dem Eingang, eine Schiebetüre, Blumen, Räucherstäbchen und die in Nagasaki allgegenwärtigen bunten Papierkraniche als Symbol des Friedens. Ungewöhnlich ist der steinerne Gedenkstein in dem Gebäude.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Es sieht aus wie ein Schrein, aber tatsächlich ist es ein christliches Grab“, sagt Matsukawa. Begraben liegt hier San Juan oder japanisiert San Jiwan, ein portugiesischer Missionar. Wenig ist über ihn bekannt. Nachdem das Christentum verboten wurde, lebte San Juan versteckt auf dem Berg und kümmerte sich bis zu seinem Tod um die Christen der Region, die am Glauben festhielten. Der Karematsu-Schrein in den Bergen über Sotome, einem Bezirk in Nagasaki, verbindet in harmonischer Weise das traditionelle Japan mit der christlichen Lehre. Als erster christlicher Missionar hatte 1549 der spanische Jesuit Franz Xaver japanischen Boden betreten.

          250 Jahre brutal unterdrückt

          Die Mission erzielte rasche Erfolge. Die Zahl der Christen wird für das frühe 17. Jahrhundert auf 300.000 geschätzt oder auf etwa drei Prozent der Bevölkerung, die Region um Nagasaki war eine der Hochburgen. Das Erblühen des Christentums war Ergebnis einer klugen Mission, aber auch der Machtkämpfe lokaler Potentaten. Bekehrten die Feudalherren und damit zwangsweise auch ihre Untertanen sich zum Christentum, bedeutete das Handel mit dem westlichen Ausland und besseren Zugang zu Waffen. 60 bis 80 der Feudalherren bekannten sich in der Hochzeit zum Christentum. Doch was die Verbreitung des Glaubens förderte, führte bald zur brutalen Verfolgung. Die christlichen Feudalherren erschienen dem Shogun in Tokio, damals Edo, zunehmend als Gefahr. 1614 wurde das Christentum in ganz Japan verboten. Die Christen konvertierten unter Zwang zum Buddhismus oder hielten ihren Glauben unter Lebensgefahr verborgen.

          Kentaro Miyazaki, Professor an der Junshin Catholic University in Nagasaki, stichelt gegen die versteckten Christen.

          Zweieinhalb Jahrhunderte lang galt das Christentum in Japan so als ausgestorben. Doch nach der Meiji-Restauration und der abermaligen Öffnung des Landes für Ausländer offenbarte sich 1865 eine Handvoll japanischer Christen in Nagasaki dem französischen Priester Bernard Petitjean. Japaner sprechen vom Wunder der Oura-Kirche, die Petitjean in Nagasaki im Ausländerviertel hatte bauen dürfen. 1873 wurde der christliche Glaube wieder erlaubt.

          Doch bei weitem nicht alle der sogenannten „versteckten Christen“, die abgeschnitten von der offiziellen Lehre die Bräuche früherer Jahrhunderte beibehalten hatten, kehrten in den Schoß der katholischen Kirche zurück. Ein Teil von ihnen hielt am Glauben der Vorfahren fest. Anfangs waren es wohl einige zehntausend. Doch in der alternden Gesellschaft sei die Zahl bis heute auf 200 bis 300 geschrumpft, sagt Kentaro Miyazaki, ein Professor an der Junshin Catholic University in Nagasaki. Im vergangenen Jahr wurden zwölf Kirchen und historische Stätten rund um die „versteckten Christen“ von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt.

          Das Denkmal der 26 Märtyrer am Nishizaka-Hügel in Nagasaki.

          Wenn Papst Franziskus an diesem Wochenende nach Japan kommt, dürfte in Nagasaki und Hiroshima seine Botschaft einer atomwaffenfreien Welt die Medien dominieren. Doch erwartet wird auch, dass er über die versteckten Christen sprechen wird. Von Franziskus ist bekannt, dass er in seinen jungen Jahren gerne Missionar in Japan geworden wäre. Am Sonntag wird er ein Mahnmal am Nishizaka-Hügel in Nagasaki besuchen, auf dem 26 Christen im Jahr 1597 hingerichtet wurden. In der Geschichte der Christen, die ihren Glauben trotz brutaler Unterdrückung für zweieinhalb Jahrhunderte beibehalten hatten, sieht er eine Lehre für die Gegenwart.

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