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Schwangerschaftsabbrüche : Papst: „Abtreibung ist nie die Antwort“

Papst Franziskus im Mai in Vatikan Bild: AFP

Abermals hat Papst Franziskus bei einer Audienz Abtreibung mit Auftragsmord gleichgesetzt. In Bezug auf die Pränataldiagnostik warnte er vor einer „Mentalität der Eugenik“.

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          Papst Franziskus hat den Schwangerschaftsabbruch abermals mit einem Auftragsmord gleichgesetzt. Bei der Audienz für die rund 400 Teilnehmer einer vom Vatikan mitorganisierten wissenschaftlichen Tagung zur Pränataldiagnostik unter dem Titel „Yes to Life!“ sagte der Papst am Samstagabend in Rom: „Abtreibung ist nie die Antwort.“ Franziskus warnte vor dem Missbrauch der Pränataldiagnostik zu „selektiven Zwecken“ und forderte, nach Lösungen zu suchen, „die die Würde eines jeden Menschenlebens respektieren“. Statt einer „Mentalität der Eugenik“ zu folgen, müssten Familien dabei unterstützt werden, ihre Angst vor Krankheit und Einsamkeit zu überwinden, um ein krankes oder behindertes Kind zu begleiten. „Die Lehre der Kirche in diesem Punkt ist klar“, sagte der Papst: „Das menschliche Leben ist heilig und unverletzlich.“ Kein Mensch könne „als mit dem Leben unvereinbar betrachtet werden, weder wegen seines Alters noch wegen seines Gesundheitszustands“, sagte Franziskus.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          In einem offenkundig improvisierten Abschnitt seiner Ansprache sagte Franziskus mit Blick auf die gesellschaftliche Debatte zum Schwangerschaftsabbruch: „Mitunter hören wir: ,Ihr Katholiken akzeptiert die Abtreibung nicht, das ist ein Problem eures Glaubens.‘ Nein: Es ist ein vor-religiöses Problem. Es hat mit dem Glauben nichts zu tun. Es ist ein menschliches Problem. Nur zwei Sätze genügen, um dies zu verstehen, zwei Fragen. Erste Frage: Ist es erlaubt, ein menschliches Leben auszulöschen, um ein Problem zu lösen? Zweite Frage: Ist es erlaubt, einen Killer anzuheuern, um ein Problem zu lösen? Gebt selbst die Antwort. Das ist der Punkt. Es ist nicht erlaubt: Niemals, niemals darf man ein menschliches Leben auslöschen oder einen Auftragskiller anheuern, um ein Problem zu lösen.“

          Schon im vergangenen Oktober hatte der Papst bei einer extemporierten Ansprache im Vatikan den Schwangerschaftsabbruch mit einem Auftragsmord verglichen. Ungeachtet der verbreiteten Empörung über diese als irrig und als für Frauen in einer Notsituation demütigend kritisierten Gleichsetzung hat Franziskus den Vergleich nun abermals bemüht. Der differenzierten wissenschaftlichen und moralethischen Debatte der dreitägigen Tagung zur Prä- und Perinatalmedizin wurde die Äußerung des Papstes nicht gerecht.

          In mehreren Vorträgen wurde die These vertreten, ein Fötus, bei dem eine Krankheit oder eine Behinderung diagnostiziert worden sei, müsse als „kleiner Patient“ betrachtet werden, der mit allen Mitteln der modernen Medizin therapiert werden müsse. Sollte die Krankheit oder Behinderung unheilbar sein, müsse dem Kind die Möglichkeit gewährt werden, sein Leben in Würde in einem Perinatalhospiz zu beenden. Zudem müssten die betroffenen Mütter und Väter intensiv begleitet werden, um sich nicht der Möglichkeit zu begeben, ihr Kind anzunehmen und sich gegebenenfalls von ihm zu verabschieden. Die Fürsorge für ein sterbenskrankes Kind sei für die Eltern „kein nutzloser Einsatz von Ressourcen“, sondern die Erfüllung der Liebe zur Familie, sagte der Papst: „Die Betreuung dieser Kinder hilft den Eltern, ihre Trauer zu verarbeiten und nicht nur den Verlust zu erfahren, sondern darin eine Etappe auf einer Reise zu sehen, die wir gemeinsam unternehmen. Dieses Kind wird für immer in ihrem Leben bleiben. Und sie werden es lieben können.“

          Die vom Vatikan und einer italienischen Stiftung organisierte Tagung befasste sich mit neuesten Diagnose- und Therapietechniken der Pränatalmedizin, mit Fragen der Ethik sowie der psychologischen Begleitung betroffener Mütter und Paare. Neben jüngsten Entwicklungen in der pränatalen Therapie wie jener bei Rhesus-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind ging es vor allem um Erfahrungen in den Vereinigten Staaten und in Italien mit der palliativen Behandlung sterbenskranker Neugeborener in Perinatal-Hospizen sowie mir der Begleitung von deren Müttern und Familien. Solche Modelle müssten auch in anderen Ländern angewendet werden, forderte etwa die italienische Bioethikerin Gabriella Gambino in ihrem Beitrag vom Freitag. Ziel der Tagung war es nach den Worten von Kardinal Kevin Farrell, dem Leiter der Vatikanbehörde für Laien, Leben und Familie, betroffenen Müttern und Familien angesichts wachsender medizinischer Möglichkeiten der „pränatalen Selektion“ mit Rat und Hilfe zur Seite zu stehen und den Schutz allen menschlichen Lebens zu verstärken.

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