https://www.faz.net/-gpf-9jhm3

Papst-Reise in die Emirate : Gemeinsam gegen Terrorismus und Extremismus

  • -Aktualisiert am

Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan (r.), Kronprinz von Abu Dhabi und stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate,empfängt Papst Franziskus am Flughafen Bild: dpa

Der Besuch von Papst Franziskus in der Golfregion ist ein Meilenstein, dessen Bedeutung man kaum überschätzen kann. Er ist eine Erinnerung daran, dass Christentum und Islam sich besser kennenlernen müssen. Ein Gastbeitrag.

          Der Besuch von Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein Meilenstein auf dem Weg zum engeren interreligiösen Dialog und zur Verständigung. Diese Reise, die erste eines Papstes zur Arabischen Halbinsel, Geburtsort des Islam, erinnert uns daran, wie notwendig es ist, die gemeinsamen Werte der Koexistenz, Mäßigung, Toleranz und Verständigung zu fördern. Die Reise ist auch von besonderer Bedeutung für die knapp eine Millionen Einwohner katholischen Glaubens in den Emiraten, Zentrum des Apostolischen Vikariats Südliches Arabien. Die Zahl von 135.000 Gläubigen bei der Abschlussmesse spricht Bände.

          Ich erinnere mich gut, wie ich als Junge mit Faszination das erste Mal ein katholisches Kreuz sah. Es hing stolz im Esszimmer eines Klassenkameraden. Stundenlang fragten wir ihn über den katholischen Glauben und seine Ähnlichkeiten mit dem Islam aus. Dieser Klassenkamerad ist bis heute einer meiner engsten Freunde.

          Kanzlerin Angela Merkel, selbst Tochter eines evangelischen Pfarrers, sagte kürzlich, Toleranz sei die Seele Europas. Dem stimme ich voll zu. Toleranz ist auch Rückgrat der emiratischen Gesellschaft und das wichtigste Bollwerk gegen religiösen Extremismus.

          Es ist kein Zufall, dass die Vereinigten Arabischen Emirate 2019 zum Jahr der Toleranz erklärt haben. Seit ihrer Gründung haben sich die Emirate in die vorderste Front im Kampf um größeren interreligiösen Dialog gestellt. Vor kurzem haben wir das Forum zur Förderung des Friedens in Muslimischen Gesellschaften gegründet und einen Toleranzminister ernannt – die erste derartige Ernennung weltweit. Unser Ziel ist klar: Wir wollen sicherstellen, dass die nächsten Generationen die notwendigen Werkzeuge haben, eine tolerante und inklusive Gesellschaft zu leiten.

          Wir sollten uns hierbei an die Worte des Papstes während seines Besuchs in Ägypten im Jahr 2017 erinnern: „Wir sind immer gemeinsam berufen, zusammen zu gehen, fest in der Überzeugung, dass die Zukunft aller auch auf das Zusammenkommen verschiedener Religionen und Kulturen beruht.“ Fast 200 verschiedene Nationalitäten sind inzwischen in unserem Land vertreten.

          Passend ist auch, dass in dieses Jahr das 800-Jahr-Jubiläum des Treffens zwischen Franz von Assisi und dem Sultan von Ägypten fällt. Damals sollen sie über interreligiösen Konflikt, Krieg und den Weg zum Frieden diskutiert haben. Das sind Themen, mit denen wir uns bis heute beschäftigen.

          Die katholische Geschichte in der Arabischen Halbinsel geht sogar noch weiter zurück als dieses Treffen – archäologische Ausgrabungen in den Arabischen Emiraten haben Kirchen offengelegt, die bis zum 7. Jahrhundert nach Christus zurückführen. Heute zählt die katholische Gemeinde in den Emiraten acht Pfarreien, mit einer Kathedrale in Abu Dhabi, die allein 100.000 Gemeindemitglieder zählt. Diese sind dabei nur Teil einer Gesellschaft von 76 landesweiten Glaubensgemeinschaften. Sie üben ihre Religionsfreiheit in vollem Maße aus, im Sinne einer langjährigen Tradition, auf die wir besonders stolz sind.

          Wichtiger interreligiöser Dialog

          Papst Franziskus ist mehr als nur Oberhaupt der katholischen Kirche. Er ist weltweit respektiert und anerkannt als Symbol der Toleranz, Brüderlichkeit und Solidarität. Die Bedeutung seines Besuchs in der Golfregion geht daher weit über dessen Grenzen hinaus. Er ist auch eine Erinnerung daran, dass wir uns gegenseitig besser kennenlernen müssen – die Wichtigkeit des interreligiösen und interkulturellen Dialogs kann kaum übertrieben werden.

          Vor knapp zwei Jahren besuchte ich zusammen mit meiner Frau und unseren Kindern den wunderschönen Weihnachtsmarkt neben der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Wir waren gerade erst nach Berlin gezogen, und meine Frau war voller Faszination von der festlichen Atmosphäre und den Dekorationen, viele Fotos wurden nach Hause und an Freunde geschickt. Kaum 24 Stunden später fuhr ein Extremist einen Lkw in eine Menschenmenge, genau an der Stelle, wo wir unsere Fotos gemacht hatten.

          Terrorismus und Extremismus sind Phänomene, die wir gemeinsam angehen müssen. Heute mehr als je zuvor sind gesellschaftliche und geistliche Führer gefragt, wie wir alle, die Werte des Zusammenlebens und der Integration zu lehren und zu verkörpern. Es wird kein leichter Weg sein, aber die Vorteile für das Land und die Welt machen ihn unentbehrlich.

          Ali Al Ahmed ist Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Deutschland

          Weitere Themen

          „Ja, es ist bedauerlich“ Video-Seite öffnen

          Scheuer über abgelehnte Maut : „Ja, es ist bedauerlich“

          Das Prinzip der Finanzierung der Straßen durch die Nutzer sei dennoch gerecht und richtig, sagte der CSU-Politiker in München. Deswegen werde sich Scheuer vom Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht entmutigen lassen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.