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Papst kritisiert Türkei : Ein Völkermord

Papst Franziskus hat mit seinen Worten zum Völkermord an den Armeniern recht. Auch die Heroisierung Stalins in Russland und seiner monströsen Verbrechen sind bis heute ein Quell der Spannungen in Osteuropa.

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          Wo es keine Erinnerung gebe, da halte „das Böse die Wunden offen“, hat Papst Franziskus über den Völkermord an den Armeniern gesagt. Die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei zeigen, wie recht das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche damit hat: Das größte Hindernis für deren Normalisierung hundert Jahre nach den Verbrechen an den Armeniern im Frühjahr und Sommer 1915, lange nach dem Tod der letzten Zeitzeugen, ist die Weigerung der Türkei, sie uneingeschränkt als das anzuerkennen, was sie sind: Völkermord.

          Die für Außenstehende manchmal obsessiv wirkende Forderung der Armenier nach dessen „Anerkennung“ hat ihre Ursache in solch beschämenden Reaktionen wie jener der türkischen Regierung auf die Rede des Papstes.

          Ähnliches gilt für eine weitere der drei großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die der Papst am Sonntag erwähnt hat: den Stalinismus.

          Die in Russland stattfindende Heroisierung Stalins als Führer im Zweiten Weltkrieg und die damit einhergehende Relativierung seiner monströsen Verbrechen durch die russische Führung sind ein Quell der Spannungen in Osteuropa. Bedrückend daran ist, dass sich Russland mit einem Verbrecher identifiziert und ihm neue Denkmäler bauen will, der auch Millionen Russen auf dem Gewissen hat.

          Wunden und Aussöhnung

          Dass Erinnerung der Weg zur Aussöhnung sein kann, zeigt das Verhältnis Deutschlands zu Israel sowie zu seinen Nachbarländern, die während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Besatzung Unglaubliches erlitten haben.

          Der Weg dorthin war nicht einfach, er war voller Rückschläge und Missverständnisse. Angesichts des Ausmaßes der nationalsozialistischen Verbrechen können viele Wunden nicht heilen, solange noch Opfer oder ihre unmittelbaren Nachfahren leben. Auch ist nicht klar, ob sich Deutschland seiner Geschichte ohne Druck aus dem Ausland so gestellt hätte, wie das in den vergangenen Jahrzehnten geschehen ist.

          Aber von den drei großen Menschheitsverbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts, von denen der Papst gesprochen hat, ist der Nationalsozialismus ohne Zweifel dasjenige, das den geringsten Unfrieden in die Gegenwart trägt.

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