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Papst : Kommunikationsstörungen im Vatikan

In der Kritik: Papst Benedikt XVI. Bild: dpa

Im Vatikan weiß die rechte Hand oft nicht, was die linke tut. „Wir wurden nicht gefragt, wir wurden nicht vorab informiert“, antwortete etwa Erzbischof Zollitsch auf die Frage, ob die Deutschen über das jüngste Dekret Benedikt XVI. vorab informiert worden seien. Doch auch in der Kommunikation innerhalb der Kurie liegt manches im Argen.

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          Am Donnerstag nahm der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz kein Blatt vor den Mund. „Wir wurden nicht gefragt, wir wurden nicht vorab informiert“, gab Erzbischof Zollitsch auf die Frage zur Antwort, ob die Deutsche oder die Französische Bischofskonferenz in das Vorhaben von Papst Benedikt XVI. eingeweiht waren, die Exkommunikation der vier Bischöfe der abtrünnigen „Priesterbruderschaft Pius X.“ aufzuheben.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Doch warum sollte es Zollitsch und seinem französischen Amtsbruder Kardinal Vingt-Trois anders gehen als Kurienkardinälen und selbst dem Direktor von Radio Vatikan und Sprecher des Papstes, dem Jesuitenpater Federico Lombardi? Am Vormittag des vergangenen Samstags, eine Stunde vor der geplanten Veröffentlichung, seien einzelne Kurienkardinäle und auch der Sprecher des Papstes über den Wortlaut des Rehabilitierungsdekretes in Kenntnis gesetzt worden, heißt es in Rom.

          Bevorstehende Entscheidung lange bekannt

          Dabei pfiffen die Spatzen rund um den Vatikan seit Donnerstag von den Dächern, dass die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe unmittelbar bevorstehe. Die italienische Zeitung „Il Giornale“ hatte von dem Vorhaben Wind bekommen, und die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan ließ sich schon am Donnerstagabend prophylaktisch mit einem wohlwollenden Kommentar vernehmen.

          Kritisiert die päpstliche Kommunikationspolitik: Erzbischof Zollitsch

          Auch in Paris machten Mutmaßungen die Runde und kamen während der turnusmäßigen Zusammenkunft der Vorsitzenden der Französischen, der Deutschen und der Schweizer Bischofskonferenz zur Sprache. Doch Genaues wusste auch in diesem Kreis niemand, obwohl die Lefebvre-Bewegung in diesen drei Ländern seit Jahrzehnten am aktivsten ist.

          Doch Konsultationen dieser Art sind ungeachtet aller Sonntagsreden über die Bedeutung des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) und des auch im Recht der katholischen Kirche aus dem Jahr 1983 kodifizierten Kollegialitätsprinzips nicht nur nicht üblich, sondern finden unter Papst Benedikt XVI. so gut wie nie statt.

          Informationen nur über die Medien

          Als der gegenwärtige Papst Mitte der achtziger Jahre als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre im Auftrag von Papst Johannes Paul II. mit der Lefebvre-Bewegung über eine Aussöhnung verhandelte, war das Bemühen um ein Einvernehmen mit den betroffenen Ortskirchen noch unübersehbar. Mehrfach wurden die Vorsitzenden der jeweiligen Bischofskonferenzen auf Wunsch von Johannes Paul II. nach Rom gebeten, heißt es heute rückblickend.

          Jetzt wurden nicht einmal die päpstlichen Botschafter rechtzeitig in Kenntnis gesetzt. Die meisten, so wird berichtet, erfuhren von dem päpstlichen Gnadenerweis aus den Medien.

          Dass nicht nur in der Kommunikation zwischen dem Vatikan und den Bischofskonferenzen, sondern auch in der Kommunikation innerhalb der Kurie manches im Argen liegt, ist mittlerweile für viele Mitglieder und Mitarbeiter der römischen Kurie nicht mehr der Rede wert.

          Eine Reihe von Pannen

          Dass die „Regensburger Rede“ des Papstes im September 2006 nicht einmal von dem dazu ex officio verpflichteten Theologen des Päpstlichen Hauses vorab gegengelesen wurde, mochte angesichts des überragenden Ranges des Papstes als Theologe und Intellektueller noch durchgehen. Doch musste der Papst im September 2006 nicht zum ersten Mal missverständlichen Äußerungen im Nachhinein Interpretationen folgen lassen.

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