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Papst Franziskus wird 80 : In Demut fordernd

  • -Aktualisiert am

Alles Gute! Papst Franziskus wird 80 Jahre alte Bild: dpa

Den Armen so nah wie seinen Mitarbeitern: Franziskus ist ein demütiger Papst, der sich keine Pause gönnt. Über den Eindruck, er sei von Feinden umstellt, kann er nur lachen. Heute wird Jorge Maria Bergoglio 80 Jahre alt.

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          Immerhin, Papst Franziskus lädt an diesem Samstag die Kardinäle in Rom zu einer Messe in die Paulinische Kapelle, die neben der Sixtinischen Kapelle liegt und von Michelangelo ausgestaltet worden ist. Sonst scheint ihm sein 80. Geburtstag aber nur eine Mahnung zu sein, dass das Leben kurz ist und seine Zeit als Bischof von Rom begrenzt: „Noch vier oder fünf Jahre“, sagte jüngst der am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires geborene Jorge Maria Bergoglio. Papst Franziskus gönnt sich daher keine Pause, er meidet Konzert und Gastmahl, als sei dergleichen Zeitvergeudung. So bekomme er genügend Schlaf und so Erholung, sagt er. Wer ihn zuletzt bei einer Privataudienz erlebt hat, traf daher einen frischen, tatkräftigen Papst, der sich mit wachen Augen dem Besucher widmet.

          Zu den Papstkandidaten hatte der Erzbischof von Buenos Aires und das frühere Oberhaupt der argentinischen Provinz des Jesuitenordens bereits beim Konklave von 2005 gehört. Dann wurde aber Josef Ratzinger gewählt. Bis zu dessen Amtsverzicht Anfang 2013 sprach niemand mehr von Bergoglio. Erst im Vorkonklave ließ dieser Erzbischof, der sich den Armenvierteln seiner Heimat auskennt, die anderen Kardinäle wieder aufhorchen. Die Kirche dürfe nicht um sich selbst kreisen, sie müsse stets „auf dem Weg“ zu den Menschen sein, sagte Bergoglio. Das beeindruckte. So wurde der frühere Chemietechniker, der erst über diesen Umweg seine Berufung gefunden und 1969 zum Priester geweiht worden war, zum 266. Bischof von Rom gewählt.

          Die erste Überraschung war der Name, den sich Bergoglio nach der Wahl gab. Noch keiner seiner Vorgänger hatte sich Franziskus genannt. Mittlerweile ist das Glaubensvorbild für den Argentinier erkennbar: der demütig arm lebende „Poverello“ Franz von Assisi und dessen ganzheitliches Verständnis von der Schöpfung, die Mensch und Natur als eins begreift. Als Jesuit orientiert er sein Denken aber am Ordensgründers Ignatius von Loyola. Er ist offen für den synodalen Diskurs, denkt dabei „in Distanz von sich weg“ und entscheidet erst, wenn er das Richtige von dem Falschen „unterschieden“ hat. Zunächst hatte es geheißen, dass dieser Papst wortkarg und medienscheu sei. Heute gibt er aber unentwegt katholischen Medien Interviews. Es heißt, er freue sich jeden Mittwoch auf die Generalaudienz. Denn „er liebt die Menschen“, ohne indes das trockene Aktenstudium zu scheuen.

          Papst Franziskus begrüßt syrische Flüchtlinge, die von der Insel Lesbos in Griechenland nach Italien gebracht worden sind, im Vatikan. Es ist eine Aufgabe, die Franziskus als besonders wichtig empfindet: Den wirklich Armen dieser Welt zu helfen. Bilderstrecke
          Papst Franziskus begrüßt syrische Flüchtlinge, die von der Insel Lesbos in Griechenland nach Italien gebracht worden sind, im Vatikan. Es ist eine Aufgabe, die Franziskus als besonders wichtig empfindet: Den wirklich Armen dieser Welt zu helfen. :

          Kurienreform mit Benedikts Segen

          Sein Vorgänger Benedikt XVI. hatte ihm davon eine ganze Kiste beim ersten Treffen übergeben. Darin fanden sich nicht zuletzt Einzelheiten über Korruption und Vetternwirtschaft an der Kurie. Er studierte sie aufmerksam und folgte Benedikts Rat, die nötige Kurienreform endlich anzupacken. Dazu berief er einen Rat von Kardinälen aus allen Kontinenten; sie räumen heute ein, dass die Arbeit nur schleppend vorangeht. Das Projekt sei wohl „für ein Pontifikat zu groß“, heißt es. Immerhin brachte der Papst in das Finanzwesen der Kirche halbwegs Ordnung, er legte einige Dikasterien zusammen – und entfremdete dabei viele in der Kurie. Bisweilen schafft er bei besonderen Nöten seines Personals zwar direkt von oben Abhilfe. Er gilt aber als ein ruppig fordernder Arbeitgeber.

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