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Ukrainekrieg : Franziskus will Putin in Moskau treffen

Franziskus Ende April mit polnischen Pilgern in Rom Bild: dpa

Um sich für ein Ende der Eskalation einzusetzen, will der Papst den russischen Präsidenten treffen – und erst danach in die Ukraine reisen. Bisher habe der Kreml aber noch kein „Zeitfenster geöffnet“.

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          Papst Franziskus ist zu einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau bereit, um sich für ein Ende des Krieges in der Ukraine einzusetzen. Ein entsprechendes Angebot habe der Heilige Stuhl Moskau schon vor Wochen unterbreitet, aber bisher noch keine Antwort erhalten, sagte der Papst in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch mit der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“. Unmittelbar nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vom 24. Februar habe er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Mit Putin habe es seither kein persönliches Gespräch gegeben, sagte der Papst.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Angebot zu einem Treffen in Moskau habe Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin dem Kreml schon Mitte März unterbreitet, sagte Franziskus. Bisher habe Moskau noch kein Zeitfenster für ein solches Treffen geöffnet, sagte der Papst und fügte hinzu: „Ich fürchte, Putin ist derzeit nicht zu einer solchen Begegnung bereit.“ Franziskus bekräftigte außerdem, dass er entgegen mehrfacher Einladungen der politischen Führung in Kiew und auch der katholischen Kirche in der Ukraine nicht in die ukrainische Hauptstadt reisen werde. „Nach Kiew reise ich vorerst nicht. Zuerst muss ich nach Moskau gehen, zuerst muss ich Putin treffen.“ Als Priester müsse er sich fragen, was er tun könne, um den Krieg zu beenden: „Ich tue, was immer ich tun kann. Wenn nur Putin die Tür öffnen würde …“

          Von dem Gespräch mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill in Moskau vom 16. März über eine Videoschaltung berichtete Franziskus, Kirill hab ihm zunächst von einem vorbereiteten Papier 20 Minuten lang die Begründung für den russischen Einmarsch verlesen. „Ich habe ihm zugehört und ihm gesagt: Ich habe nichts davon verstanden. Mein Bruder, wird sind nicht die Geistlichen des Staates. Wir dürfen nicht die Sprache der Politik sprechen, sondern die Sprache Jesu. Wir sind beide Hirten des gleichen Gottesvolkes. Deshalb müssen wir nach Wegen zum Frieden suchen, einen Waffenstillstand anstreben.“

          Mit Kirill sei seit längerem ein zweites Treffen – nach der historischen ersten Begegnung auf dem Flughafen von Havanna vom Februar 2016 – fest für den 14. Juni in Jerusalem vereinbart gewesen. Dieses Treffen habe nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun haben sollen. „Aber jetzt ist auch Kirill einverstanden: Wir haben das Treffen abgesagt“, weil es „ein widersprüchliches Signal“ hätte aussenden können, sagte Franziskus.

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