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Papst Franziskus in Irland : Die Skandale reisen mit

Papst Franziskus nach einem Besuch bei Premierminister Leo Varadkar Bild: dpa

Die katholische Kirche in Irland ist gespalten. Konservative beklagen eine „schleichende Akzeptanz“ von Homosexualität – und sehen in ihr gar eine Ursache der Missbrauchsfälle. Kirchenkritiker boykottieren den Papst-Besuch.

          Volles Haus bei James Martin. Bis auf den letzten Platz ist der Saal gefüllt. Der prominente Jesuitenpriester aus Manhattan spricht am Freitagabend beim neunten katholischen Weltfamilientreffen in Dublin. Sein Thema: „Wie wir die LGBT-Gemeinschaft und ihre Familien in unseren Gemeinden willkommen heißen“. Am Ende gibt es stehende Ovationen. Mit seinem kritischen Vortrag über die faktische Ächtung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender durch die katholische Kirche hätte Martin, ständiger Mitarbeiter und Kommentator der jesuitischen Wochenzeitung „America“, locker den größten Saal in dem altehrwürdigen Gemäuer der „Royal Dublin Society“ füllen können. Doch der ist heute den eher langweiligen Reden von Kardinälen und Bischöfen vorbehalten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Aber nicht alle Katholiken, die am Weltfamilientreffen teilnehmen, sind von Martins Forderung nach Respekt für die LGBT-Gemeinschaft in der katholischen Weltkirche so begeistert wie die Zuhörer in dem überfüllten Saal von Dublin. Konservative Gruppen hatten im Vorfeld protestiert, manche hatten verlangt, Martin auszuladen. Doch Kardinal Kevin Farrell, im Vatikan als Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben zuständig für die Organisation der Weltfamilientreffen, hielt an der Einladung fest.

          „Say Nope to the Pope“

          Rund 37.000 Dauerteilnehmer haben zwischen Dienstag und Sonntag an den zahlreichen Veranstaltungen in Dublin teilgenommen. Zum Abschluss der Weltfamilientreffen, die seit 1997 alle drei Jahre stattfinden, kommt traditionell der Papst, und so ist Franziskus am Samstagmorgen in Irland eingetroffen. Präsident Michael Higgins empfing ihn sogleich in seinem Amtssitz, obwohl es sich bei der Visite von nur 32 Stunden Dauer gar nicht um einen Staatsbesuch handelte. Aber weil Irland, noch immer und trotz allem, ein katholisches Land ist, ist jeder Papstbesuch hier faktisch ein Staatsbesuch. Als erster Papst überhaupt hatte Johannes Paul II. 1979 die Grüne Insel besucht. Zur seiner Freiluftmesse kamen damals 1,3 Millionen Gläubige in den Phoenix Park von Dublin. Jeder zweite Ire sah damals den Papst persönlich – bei Messen, bei Begegnungen mit Jugendlichen, bei der Fahrt mit dem Papamobil. Der damals 59 Jahre alte polnische Papst war voller Energie und Charisma, repräsentierte eine Kirche im Aufbruch.

          Auf der Straße entlädt sich die Wut.

          Knapp vier Jahrzehnte später kommt jetzt zum zweiten Mal ein Papst ins einst „katholischste Land Europas“. Er stammt aus dem fernen Argentinien, ist 81 Jahre alt und scheint schon beim mühsamen Herabsteigen aus seinem Flugzeug die Tonnenlast immer neuer Missbrauchsskandale – zuletzt in Pennsylvania in den Vereinigten Staaten – auf seinen gebeugten Schultern zu tragen. Es steht fest, dass das Kirchenoberhaupt in Irland auch Missbrauchsopfer treffen wird, auch wenn dieser Programmpunkt mit Verweis auf die Privatsphäre der Betroffenen auf dem offiziellen Reiseplan fehlt.

          Am Samstag ist es so weit: Der Papst trifft acht Missbrauchsopfer, darunter das ehemalige Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Marie Collins. Sie war vergangenes Jahr nach eigenen Angaben aus Frustration über mangelnde Kooperation der vatikanischen Behörden aus dem Gremium ausgetreten. Die Begegnung hat laut Vatikan-Sprecher Greg Burke eineinhalb Stunden gedauert. Weitere Details wurden nicht bekannt.

          Als der Papst am Samstagmorgen ankommt, strahlt prächtig die Sonne. Es weht eine kräftige Brise. Bei der Fahrt vom Flughafen durch Dublin zum Präsidentenpalast Áras an Uachtaráin sind die Straßen allerdings nur spärlich von winkenden Menschen gesäumt. Kirchenkritische Organisationen wie „Say Nope to the Pope“ haben zum Boykott des Besuches aufgerufen. Sie werfen Bischöfen, Kardinälen und auch dem Papst selbst vor, sich zwar hin und wieder für die Missbrauchsvorfälle entschuldigt, aber keine personellen Konsequenzen in der Spitze der Kirchenhierarchie gezogen zu haben. Kritiker des Besuchs sollen sich massenhaft kostenlose Tickets für die Messe im Phoenix Park an diesem Sonntag beschafft haben – mit dem Ziel, diese verfallen zu lassen, damit möglichst viele der rund 500.000 Sitze leer bleiben.

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