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Neue Papst-Enzyklika : Ein Warnschrei für die Schöpfung

  • -Aktualisiert am

Den eigenen Körper schätzen

Schließlich wendet sich der Papst der Humanökologie zu. Gemeinsam mit Benedikt XVI. schreibt er, dass der Mensch auch sich selber achten soll: „Die Akzeptanz des eigenen Körpers als Gabe Gottes ist notwendig, um die ganze Welt als Geschenk des himmlischen Vaters im gemeinsamen Haus zu empfangen“. Damit wendet sich Franziskus gegen „eine Logik der Herrschaft über den eigenen Körper“; denn mit ihr würde sich der Mensch anmaßen, die eigene Schöpfung auszuhebeln. Es sei dagegen „notwendig, den eigenen Körper in seiner Weiblich- oder Männlichkeit zu schätzen“, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen. Nur dann sei es möglich, freudig die besondere Gabe des anderen oder der anderen als Werk Gottes anzunehmen und sich gegenseitig zu bereichern. „Deswegen ist die Einstellung dessen nicht gesund, der den Unterschied zwischen den Geschlechtern auslöschen will.“

Bei seinen zusammenfassenden Leitlinien für den Dialog und ein gemeinsames Handeln aller Religionen und aller „Menschen guten Willens“, um aus der „Spirale der Selbstzerstörung herauszukommen, in der wir untergehen“, warnt der Papst vor ideologischen und oberflächlichen Lösungsvorschlägen. Auch könne die Kirche nicht den Anspruch erheben, wissenschaftliche Fragen zu klären oder die Politik zu ersetzen. Andererseits hätten die Umwelt-Gipfeltreffen der letzten Jahre keineswegs die Erwartungen der Menschen erfüllt. Noch verharre die Welt des 21. Jahrhunderts in nationalstaatlichen Strukturen. Aber nicht nur die Wirtschaft arbeite transnational; alle Umweltprobleme zu Wasser und zu Lande nähmen keine Rücksicht auf Staatsgrenzen. So „wird es unerlässlich, stärkere und wirkkräftig organisierte internationale Institutionen zu entwickeln, die Befugnisse haben, die durch Vereinbarung unter den nationalen Regierungen gerecht bestimmt werden und mit der Macht ausgestattet sind, Sanktionen verhängen“.

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Franziskus liebäugelt so mit einer schon von früheren Päpsten vorgeschlagenen „politischen Weltautorität“ mit „ehrlichen und transparenten Entscheidungsprozessen“, um unterscheiden zu können, welche Politik eine „wirklich ganzheitliche Entwicklung“ möglich macht. Der Wandel beginne freilich beim Einzelnen, bei seiner Bildung in Familie, Schule und Kirche für ein „ökologisches Bürgertum“. Die Änderung der Lebensstile könnte dazu führen, „heilsamen Druck auf die auszuüben, die politische, wirtschaftliche und soziale Macht besitzen“, schreibt der Papst. Eine Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt werde, wirke sich befreiend aus.

„Das Glück erfordert, dass wir verstehen, Bedürfnisse einzuschränken, die uns betäuben, um so ansprechbar zu bleiben für die vielen Möglichkeiten, die das Leben bietet.“ Wer etwas von Gottes Liebe für seine Schöpfung an den Herrn zurückgeben wolle, sollte in „universeller Geschwisterlichkeit“ der Gesellschaft dienen und sich in einer „Kultur der Achtsamkeit“ für das Gemeinwohl und die Natur einsetzen, meint der Papst. „Wenn jemand den Ruf Gottes erkennt, gemeinsam mit den anderen in diese gesellschaftlichen Dynamiken einzugreifen, sollte sich daran erinnern, dass dies Teil seiner Spiritualität ist, Ausübung der Nächstenliebe, und dass er auf diese Weise reift und sich heiligt.“

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