https://www.faz.net/-gpf-9dqp8

Papst zu Missbrauchsfällen : „Wenn jemand etwas sieht oder hört, muss er sofort etwas sagen“

  • Aktualisiert am

Papst Franziskus nahm am Sonntag an der Abschlussmesse des Weltfamilientreffens in Dublin teil. Bild: dpa

Nach seinem „Brief an das Volk Gottes“ meldet sich Papst Franziskus wieder zu Wort. Er fordert alle Gläubigen auf, sich bei einem Missbrauchs-Verdacht an Behörden oder Bischöfe zu wenden.

          Im Einsatz gegen Missbrauch hat Papst Franziskus die Gläubigen abermals aufgefordert, ihren Teil zur Bekämpfung beizutragen. „Wenn jemand etwas sieht oder hört, muss er sofort etwas sagen“, sagte der Papst auf dem Rückflug von seinem zweitägigen Irland-Besuch am späten Sonntagabend. Derjenige solle sich aber an jemanden wenden, der kompetent sei, entsprechende Untersuchungen anzustellen, also an staatliche Behörden oder kirchlicherseits an einen Bischof. Bei seiner Abschlussmesse seiner Reise nach Irland am Sonntag hatte der Papst um Vergebung für sexuellen Missbrauch, Misshandlungen und Ausbeutung durch die katholische Kirche gebeten.

          „Das ist es, was das Volk Gottes tun kann“, so Franziskus. Gefragt worden war er nach einer Bemerkung in seinem „Brief an das Volk Gottes“ vom vergangenen Montag. Darin hatte er nicht nur Kleriker, sondern alle Katholiken weltweit gegen Missbrauch in die Pflicht genommen.

          Daraufhin hatte ein französischer Priester eine Online-Petition für einen Rücktritt des Lyoner Kardinals Philippe Barbarin gestartet. Die Initiative ist von einem an Barbarin gerichteten Schreiben begleitet und hatte innerhalb weniger Tage einige Zehntausend Unterzeichner gefunden. Barbarin wird vorgeworfen, sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche nicht angezeigt zu haben. Er wurde 2017 vor Gericht angehört; die Hauptverhandlung wurde mehrfach verschoben und ist nun für Oktober anberaumt.

          Der Papst sagte indes, solche Maßnahmen müssten stets von dem Grundsatz getragen sein, dass ein Verdächtiger solange als unschuldig zu gelten hat, bis eine etwaige Schuld erwiesen ist. Im spanischen Granada, so der Papst, seien verdächtigte Geistliche in einem Fall durch Berichterstattung vorverurteilt worden und hätten erhebliche Anfeindungen erlitten. Das staatliche Gericht habe nach langen Verhandlungen aber geurteilt, dass die Priester unschuldig seien; stattdessen sei ein Mann als Denunziant verurteilt worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kämpfer von General Haftar beim Angriff auf Tripolis: Mit seiner Unterstützung für den Rebellenführer gefährdet Donald Trump den UN-Friedensplan für Libyen.

          Krieg in Libyen : Trump telefoniert mit General Haftar

          In dem Gespräch betont Trump die wichtige Rolle des Generals im Kampf gegen Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölvorkommen. Durch seinen Zuspruch wird eine ausländische Intervention in dem Bürgerkriegsland wahrscheinlicher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.