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„Bedrohung totaler Vernichtung“ : Papst fordert Abschaffung der Atomwaffen

Papst Franziskus am Sonntag in Nagasaki. Bild: Reuters

In der Atombombenstadt Nagasaki erinnert Papst Franziskus an die Schrecken der atomaren Zerstörung und kritisiert die Aufrüstung. Vor dem Denkmal der 26 Märtyrer fordert er Religionsfreiheit überall auf der Welt.

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          Das Wetter meint es nicht gut mit den Päpsten in Nagasaki. Vor 38 Jahren, als Papst Johannes Paul II. die Atombombenstadt in Westjapan besuchte, fiel Schnee. Am Sonntag, als Papst Franziskus der Einladung der katholischen Bischofskonferenz Japans folgte, regnete es am Morgen in Strömen und es gewitterte. Im Atombomben-Hypocenter-Park in Nagasaki forderte Franziskus die Abschaffung der Atomwaffen. Eine Welt ohne Atomwaffen sei möglich und notwendig, mahnte der Papst.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Park markiert die „Ground Zero“ genannte Stelle, an der am 9. August 1945 die Amerikaner eine zweite Atombombe auf eine japanische Stadt abwarfen, die sofort etwa 27.000 Menschen tötete. Drei Tage zuvor waren in Hiroshima beim ersten Atombombenangriff auf eine Stadt direkt fast 80.000 Menschen umgebracht worden. In 500 Metern Entfernung der Explosionsstelle in Nagasaki wurde damals die katholische Urakami-Kathedrale zerstört. Neben dem Papst stand während seines Appells ein Foto von einem japanischen Jungen, der nach dem Atombombenabwurf seinen toten kleinen Bruder auf dem Rücken zum Krematorium bringt und das Franziskus zu einem Symbol gegen die Unmenschlichkeit des Krieges gemacht hat.

          Klima des Misstrauens

          Franziskus kritisierte eine perverse Dichotomie, die Stabilität und Frieden durch eine Mentalität von Angst und Misstrauen zu erreichen suche. „Frieden und internationale Stabilität sind nicht kompatibel mit Versuchen, die auf der Angst der gegenseitigen Zerstörung oder der Bedrohung der totalen Vernichtung aufbauen“, sagte der Papst. Ein Klima des Misstrauens bedrohe das internationale Abrüstungs-Rahmenwerk, warnte Franziskus. Er unterstrich die Bedeutung des Vertrags für ein Verbot von Atomwaffen, der 2017 von 122 Staaten inklusive des Vatikans unterzeichnet worden war. Die großen Atomwaffenmächte und auch Japan unter dem Schutz des amerikanischen Atomwaffenschirms lehnen den Vertrag ab.

          Franziskus zog ein ökonomisches Argument gegen Atomwaffen und die Aufrüstung und kritisierte die damit verbundene Verschwendung. „In einer Welt, in der Millionen Kinder und Familien unter inhumanen Bedingungen leben, ist das Geld und sind die Vermögen, die durch die Produktion, die Aufrüstung, den Erhalt und den Verkauf von immer zerstörerischen Waffen verprasst und gemacht werden, ein Affront, der zum Himmel schreit“, sagte der Papst.

          Intimer Moment vor 1000 Gläubigen

          Nagasaki ist in Japan die Stadt, die neben dem Schrecken der Atombombe für die jahrhundertelange Verfolgung des Christentums durch das Shogunat steht und für die Geschichte der versteckten Christen, die ihren Glauben trotz der Verfolgung beibehielten.

          In einem eher intimen Moment vor etwa 1000 Gläubigen gedachte der Papst am Denkmal der 26 Märtyrer auf dem Nishizaka-Hügel der Opfer der Verfolgung, untermalt von fernem Donnergrollen. Für den Papst, der als junger Geistlicher von einer Missionstätigkeit in Japan geträumt hatte, war das ein ganz besonderer Augenblick. „Mögen wir das heroische Opfer der frühen Missionare und Märyrer in Japan nie vergessen“, erklärte der Papst in einer an die katholische Kirche gerichteten Botschaft. Das Schicksal der Märtyrer solle lebendige Erinnerung sein und Inspiration für eine neue Evangelisierung in Japan. Doch auch dieser Botschaft verlieh der Papst einen politischen Anspruch und forderte die Garantie der Religionsfreiheit für jeden in allen Teilen der Welt.

          Am Nachmittag feierte der Papst im Baseballstadium der Stadt mit mehr als 20.000 Gläubigen eine Heilige Messe. Mit lautem Jubel und Glücksrufen begrüßten die Messbesucher den Papst, als er durch das Stadium fuhr. Die Sonne schien und versöhnte mit dem düsteren Wetter am Morgen. Doch die düstere Geschichte Nagasakis blieb präsent. Am Altar stand als Erinnerung an die Atombombe der verbrannte Kopf einer hölzernen Marienstatue aus der Urakami-Kathedrale, der mit schwarzen Augenhöhlen von den Schrecken des Kriegs zeugt. Am Abend wurde Franziskus in Hiroshima zu einem Friedensgebet erwartet.

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