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Papst Franziskus in Abu Dhabi : Selbst der Regen kommt gelegen

Im Zeichen der Brüderlichkeit: Der Al-Azhar-Großscheich Ahmad al Tayyeb und Papst Franziskus am Montag. Bild: Imago

Zum ersten Mal besucht ein Papst die Arabische Halbinsel. Franziskus und seine Gastgeber zelebrieren den interreligiösen Dialog – in pompösem Rahmen.

          Am Tag, als zum ersten Mal ein Papst seinen Fuß auf den Boden der Arabischen Halbinsel setzte, hat es geregnet. Es war nicht bloß ein Schauer mit ein paar Tropfen. Es war ein veritabler Regentag, mit Gewitter am Morgen und fortgesetztem Niederschlag bis zum Abend. Die Meteorologen ermittelten zudem einen Temperatursturz um sechs Grad.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wenn es in der Wüste fast einen ganzen Tag lang regnet, ist das für sich genommen schon ein Ereignis – auch wenn so etwas im Februar schon einmal vorkommt. Dass der seltene Regentag in Abu Dhabi aber auch noch mit der Ankunft von Papst Franziskus zusammenfiel, hat sozusagen alle Symbolschleusen geöffnet. Gastgeber und Gast versäumten es nicht, den Wert des nassen Himmelsgeschenks zu beschwören: als Zeichen des Segens, der Reinigung, des Neubeginns. Im Flugzeug sagte der Papst kurz nach dem Start in Rom, wo es ebenfalls geregnet hatte, zu den mitreisenden Journalisten: „Heute Morgen habe ich erfahren, dass es in Abu Dhabi regnet und dass man das dort als segensreiches Zeichen betrachtet. Wollen wir hoffen, dass alles in diesem Sinne verläuft.“ Zum Abschlussgottesdienst unter freiem Himmel an diesem Dienstag soll die Sonne dann wieder von einem wolkenlosen Himmel scheinen, und man darf sicher sein, dass auch das Aufklaren als symbolisch gelesen wird.

          Am historischen Charakter des ersten Besuchs eines Papstes auf dem arabischen Mutterboden der heiligsten Stätten des Islams gibt es nichts zu rütteln. Anlass der Visite ist die Teilnahme von Franziskus an der „Globalen Konferenz der menschlichen Brüderlichkeit“, ausgerichtet von dem in Abu Dhabi ansässigen Muslimischen Ältestenrat. Dem 2014 gegründeten Rat gehören gemäßigte sunnitische Imame aus allen erdenklichen islamischen Staaten und muslimisch geprägten Ländern an. Vorsitzender des Ältestenrats ist der Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Muhammad al Tayyeb. Mit Tayyeb ist Franziskus schon mehrfach zusammengekommen. Im Mai 2016 hatte der Papst ihn im Vatikan empfangen, Ende April 2017 stattete er dem Großscheich bei seiner Ägypten-Reise den Gegenbesuch ab. An das Thema des Gesprächs des Papstes mit dem Großscheich in Kairo – der Kampf gegen Fanatismus, Extremismus und Gewalt im Namen Gottes – schlossen sich die Redebeiträge und Debatten der zweitägigen Konferenz in Abu Dhabi zur „menschlichen Brüderlichkeit“ nahtlos an. Franziskus und Tayyeb waren gemeinsam Schirmherren und Hauptredner der Konferenz. Zu den 700 Teilnehmern gehörten neben ungezählten Imamen, Scheichs und Muftis aus dem Nahen und Fernen Osten, aus Europa, Afrika und Amerika auch Repräsentanten der anderen Weltreligionen: Pastoren und Bischöfe aller erdenklichen christlichen Konfessionen und Denominationen, dazu der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Olav Fykse Tveit, außerdem Buddhisten und Hindus, schließlich ein halbes Dutzend Rabbiner, unter ihnen Julian Haim Susan aus Frankfurt.

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