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Konflikt um Zölibat : Benedikt widerspricht Franziskus

Treffen zweier Päpste: Franziskus und der emeritierte Benedikt XVI. bei ihrer Begegnung Ende Dezember 2018 im Kloster „Mater Ecclesiae“ in Rom Bild: dpa

In einem Buch wendet sich der emeritierte Papst Benedikt deutlich gegen jegliche Aufweichung des Zölibats für katholische Priester. Damit eröffnet sich für Papst Franziskus, der schon genug Probleme hat, eine neue Front.

          3 Min.

          Sein sich selbst auferlegtes „Schweigegelübde“ hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. seit seinem Rücktritt vor knapp sieben Jahren immer wieder gebrochen. Er hat eigene Schriften veröffentlicht, Vorworte zu Büchern anderer Autoren verfasst, Interviews gegeben beziehungsweise Journalisten die Befugnis zum Zitieren aus Gesprächen erteilt. Jüngst war ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks – gewissermaßen der Heimatsender von Joseph Ratzinger aus Marktl am Inn – zu Besuch im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan und durfte den körperlich schwachen, aber geistig wachen emeritierten Papst im Beisein von dessen treuem Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein einen Tag lang begleiten. Das wichtigste Zitat Benedikts XVI., der nur noch im Flüsterton sprechen kann, aus der erstmals am Dreikönigstag ausgestrahlten Dokumentation: „Früher hatt‘ ich ein großes Mundwerk; jetzt funktioniert es nimmer.“ Im Übrigen, so Benedikt, sei er ein „ein alter Mann am Ende meines Lebens“, der sich sehr nach der bayerischen Heimat sehne.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch offenbar ist die Stimme Benedikts immer noch stark genug, um sich in seinem Refugium im Vatikan ausführlich mit Kardinal Robert Sarah unterhalten zu können. Aus den Gesprächen, womöglich auch unter Verwendung von Aufzeichnungen Ratzingers, hat Sarah nun ein Buch gemacht. Es umfasst 175 Seiten und erscheint am Mittwoch im französischen Original unter dem Titel „Des profondeurs de nos coeurs“ (Aus der Tiefe unserer Herzen) beim Verlag Fayard. Die englischsprachige Ausgabe „From the Depths of Our Hearts“ wird vom 20. Februar an vom Ignatius-Verlag in Kalifornien ausgeliefert. Die konservative französische Tageszeitung „Le Figaro“ hat am Montag vorab Auszüge aus dem Gemeinschaftswerk von Ratzinger und Sarah veröffentlicht.

          Was Franziskus zur Sache denkt, ist unklar

          Sarah, 1945 in Ourous in Guinea geboren, wurde 1979 von Papst Johannes Paul II. im Alter von nur 34 Jahren zum Erzbischof von Conakry ernannt. Seit 2010 ist Sarah Kurienkardinal im Vatikan, 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Sarah ist nicht nur die wohl wichtigste Stimme aus Schwarzafrika in der Weltkirche, er ist auch einer der informellen Wortführer der konservativen Opposition gegen den Reformkurs von Papst Franziskus. Man wird Sarah als den eigentlichen Autor des Buches begreifen können, auch wenn auf dem Umschlag Namen und Konterfei der beiden in gleicher Größe zu sehen sind.

          Archivbild von Kardinal Robert Sarah aus dem Jahr 2011
          Archivbild von Kardinal Robert Sarah aus dem Jahr 2011 : Bild: Getty

          Im gemeinsam verfassten Vorwort bekennen die Autoren, dramatisch den lateinischen Kirchenvater Augustinus von Hippo zitierend: „Silere non possum“ (Ich kann nicht schweigen). Sie wenden sich ausdrücklich gegen die angeblich verzerrte Berichterstattung über die von Franziskus einberufene Amazonas-Synode vom Oktober im Vatikan: Es habe eine „sonderbare Mediensynode“ gegeben, die die „wirkliche Synode“ überlagert habe, heißt es im Vorwort. Aus gemeinsamen Gesprächen und Gebeten nach dem Abschluss der Synode sei ein Austausch von Briefen entstanden – und daraus dann das Buch.

          Dessen grundlegende These lautet: Das katholische Priestertum ist ohne den Zölibat nicht denkbar, das geweihte Amt dürfe nicht durch eine Art Zweiklassensystem von Priestern entwertet werden. Damit nehmen Benedikt und Sarah unmissverständlich Stellung in der zumal nach der Amazonas-Synode – auch und gerade in Deutschland – geführten Debatte über die zunächst ausnahmsweise (und später möglicherweise generelle) Zulassung verheirateter Männer (und später möglicherweise von Frauen) zum Priesteramt. Der Reformgedanke, in den entlegenen Gemeinden Amazoniens auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen, wird im Schlussdokument der Bischofssynode vom Oktober ausdrücklich unterstützt. Was Franziskus zu der Sache denkt, ist unklar, denn er hat das nachsynodale Schreiben zu der außerordentlichen Bischofsversammlung, die nur beratenden Charakter hatte, noch nicht veröffentlicht. Im Vatikan heißt es, das Dokument des Papstes sei im Wesentlichen fertiggestellt und solle bald veröffentlicht werden.

          „Diabolische Lügen und im Modetrend liegende Irrtümer“

          Benedikt und Sarah beklagen, dass durch die fortgesetzte Infragestellung des Zölibats Priester „verunsichert“ würden. Sie beklagen, dass in der öffentlichen Debatte „abwegige Einlassungen, Theatralik, diabolische Lügen und im Modetrend liegende Irrtümer“ überwögen, die „den priesterlichen Zölibat entwerten“. In einem ausdrücklich Benedikt zugeschrieben Absatz heißt es, die Ehe verlange von einem Mann, dass er sich ganz seiner Familie widme. Doch mindestens so sehr verlange das Priesteramt die totale Hingabe des ganzes Mannes, auch den „Verzicht auf materielle Güter“, sodass es nicht möglich erscheine „beiden Berufungen gleichzeitig nachzugehen“. Benedikt weiter: „Ich glaube, dass der Zölibat eine große Bedeutung hat, da er den Verzicht auf einen möglichen irdischen Besitz und ein Leben im Kreis der Familie bedeutet.“

          Damit sind im künftigen Streit in dieser zentralen Streitfrage für die Weltkirche die Standpunkte zwischen emeritiertem und amtierendem Papst klar sichtbar. Denn ohne das Wohlwollen, womöglich die stille Unterstützung von Franziskus hätte die Amazonas-Synode die Reformdebatte kaum so weit vorantreiben können. Für Franziskus, der mit der Bewältigung des globalen Missbrauchsskandals in der Kirche und des anhaltenden Finanzskandals im Vatikan genug zu tun hat, öffnet sich damit eine weitere Front.

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