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Benedikt zu Zölibat : Der Geist der Kirchenspaltung ist aus der Flasche

Franziskus und Benedikt im November 2016 im Vatikan. Bild: dpa

Mit seinen Äußerungen über die unauflösliche Verbindung von Priesteramt und der Verpflichtung zu sexueller Enthaltsamkeit fällt Benedikt Papst Franziskus offen in den Rücken. Die Saat der Selbstzerstörung ist nach sieben Jahren aufgegangen.

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          Bis heute gilt der Rücktritt Papst Benedikts XVI. im März 2013 als Meilenstein der Kirchengeschichte. Zum ersten Mal seit unvordenklichen Zeiten entsagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche aus anscheinend freien Stücken einer Macht, die seinen Vorgängern nur der Tod genommen hatte. Benedikt führte damit aller Welt nicht nur die Endlichkeit des letzten mit absolutistischer Machtfülle ausgestatteten Amtes vor Augen. Sein Schritt wurde auch als Entmystifizierung, wenn nicht als Verrat an dem Heiligsten beklagt, was der katholischen Kirche noch geblieben sei. Christus sei auch nicht vom Kreuz herabgestiegen, gab einer der Männer zu Protokoll, die Benedikts todgeweihten und seiner Sinne nicht mehr immer mächtigen Vorgänger Johannes Paul II. in den Fenstern des Apostolischen Palastes hatten sichtbar werden lassen.

          Doch ganz unsichtbar wurde Benedikt XVI. nach seiner Abdankung nicht. Dafür sorgte er schon selbst. Denn mangels einschlägiger Normen im Kirchenrecht sorgte er zusammen mit seiner Entourage in den Wochen zwischen der Ankündigung und dem Vollzug des Amtsverzichts dafür, dass er seinen Lebensabend nicht etwa als emeritierer Bischof von Rom im Rang eines Kardinals verbringen müsste, sondern als „papa emeritus“ eine Art Schattenexistenz führen könne – seinem Nachfolger nicht nur räumlich nahe, sondern durch das Tragen einer weißen, eigentlich nur dem Papst vorbehaltenen Soutane auch symbolisch gleichrangig. Papst Franziskus ließ es geschehen – auch wenn die ersten Konsequenzen schon früh absehbar waren: Zu Lebzeiten Benedikts würde er sich nur um den Preis vom Papstamt zurückziehen können, dass er seinem Vorgänger als zweiter „papa emeritus“ indirekt Gesellschaft leisten müsste. 

          Auskünfte über sein Leben in bewährter Manier

          Eine andere Gefahr schien mit der Abdankung Benedikts jedoch nicht gegeben zu sein: die eines Gegenpapstes. Benedikt gelobte, in seinem Domizil in den Vatikanischen Gärten ein Leben des Gebetes zu führen. Das hinderte ihn aber nicht daran, weiterhin in bewährter Manier Auskünfte über sein Leben zu geben und damit die Deutungshoheit über seine alles andere als bruchlose Biographie zu behaupten. Und je länger sich der Lebensabend dehnte, desto öfter gab er der Versuchung nach, sich pointiert zu aktuellen Fragen zu Wort zu melden – etwa im vergangenen Jahr, als er die Welt wissen ließ, dass die Wurzel allen sexuellen Übels in der Kirche im Jahr 1968 zu suchen sei. Dass damals ein mexikanischer Päderast namens Marcial Maciel Degollado längst seine Kreise zog, die ihn mit seinen „Legionären Christi“ während des Pontifikates von Johannes Paul II. zu einem der höchstgeschätzten Vorkämpfer der Neuevangelisierung avancieren ließen – geschenkt. 

          Denn eine Grenze hatte Benedikt in den vergangenen fast sieben Jahren stets respektiert. So sehr Kräfte, die aus welchen Gründen auch immer Papst Franziskus schaden wollen, ihn gegen seinen Nachfolger in Stellung bringen wollten, so sehr schreckte er vor diesem Schritt zurück. Aus guten Gründen: Denn eine Kirche, in der sich die einen hinter dem einen Papst und die anderen hinter einem anderen, wenngleich emeritierten Papst versammeln könnten, würde nicht nur die Theorie des einen, ungeteilten Papstamtes zerstören, sondern auch praktisch zentrifugale Kräfte entfalten, die auf eine Kirchenspaltung hinauslaufen könnten.  

          Nun aber ist auch diese Grenze durchbrochen. Mit seinen Äußerungen über die unauflösliche Verbindung von Priesteramt und der Verpflichtung zu sexueller Enthaltsamkeit in der lateinischen Kirche fällt Benedikt Franziskus offen in den Rücken. Damit ist der Geist der Kirchenspaltung aus der Flasche. Die Saat der Selbstzerstörung, die in dem Beharren Benedikts auf dem Titel „papa emeritus“ angelegt war, ist nach sieben Jahren aufgegangen.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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