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Papst Benedikt in Mexiko : Eine Reise, auf der ein Schatten liegt

Papst Benedikt XVI. genießt Auslandsreisen nicht wie sein Vorgänger Johannes Paul II. Bild: dpa

An diesem Freitag besucht Papst Benedikt XVI. zum ersten Mal Mexiko, wo die Kirche mehr Vertrauen genießt als jede andere Institution. Dennoch verbindet den Papst mit der atlantisch-iberischen Welt im Gegensatz zu seinem Vorgänger wenig.

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          Mexiko hatte es Papst Johannes Paul II. so sehr angetan wie kaum ein anderes Land. Was nicht nur daran lag, dass in keinem Land der Welt mehr Katholiken spanischer Zunge leben. Wie die Katholiken im heimatlichen Polen hatten auch die Glaubensbrüder in Mexiko unter Verfolgung und Repressionen durch einen der Kirche feindlich gesonnenen Staat gelitten - und sich behauptet. So waren bei seinem ersten Besuch in Januar 1979 noch alle jene Bestimmungen der Verfassung von 1917 in Kraft, die kirchlichen Einrichtungen jede Rechtspersönlichkeit verweigerten und Priestern sowie Ordensleuten elementare Bürgerrechte wie das aktive Wahlrecht vorenthielten. Zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Mexiko bestanden nicht einmal diplomatische Beziehungen. Doch schon die offizielle Einladung, mit der sich Präsident José López Portillo 1979 den Wunsch des Papstes nach einer Mexiko-Reise zu eigen machte, sprach dafür, dass die Zeit gekommen war, das Nicht-Verhältnis von Staat und Kirche zu normalisieren.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Große Teile der kirchlichen Hierarchie hatten längst mit der jahrzehntelangen Herrschaft der einst militant-antikirchlichen „Partei der institutionalisierten Revolution“ (PRI) ihren Frieden gemacht. An den politischen und sozialen Verhältnissen, die von endemischer Korruption und massiver Armut gezeichnet waren, hätten die meisten Bischöfe auch dann nichts auszusetzen gehabt, wenn sie sich zu Themen wie diesen hätten äußern dürfen. Große Teile der mexikanischen Eliten wiederum konnte der Quietismus der Kirche nur recht sein. Aus dieser Richtung brauchten sie keine Reformforderungen zu gewärtigen, zumal die zahlreichen katholischen Schulen und Universitäten zur Stabilisierung des gesellschaftlichen status quo einen wichtigen Beitrag leisteten.

          Wann immer Johannes Paul II. in seinem mehr als ein Vierteljahrhundert umfassenden Pontifikats Mexiko besuchte, stets konnte er neben Verbesserungen im Verhältnis von Staat von Kirche auch einen Katholizismus besichtigen, der mit seiner tiefverwurzelten Marienfrömmigkeit und anderen farbenfrohen Formen des Volksglaubens ganz nach seinem Herzen war. Mehr noch: Während fast überall in Lateinamerika protestantische und pfingstkirchliche Gruppen wie Pilze aus dem Boden schossen, schienen die Mexikaner gegenüber diesen Strömungen lange weitgehend unempfindlich zu sein. Auch die Theologie der Befreiung, die in den siebziger und achtziger Jahren vor allem in Peru und Brasilien von sich reden gemacht hatte, fiel nicht auf fruchtbaren Boden.

          Die Reise Johannes Pauls II. nach Mexiko im Januar 1979 galt vor allem dem Ziel, die nach Puebla einberufenen Vollversammlung des Rates der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen persönlich auf römischen Kurs zu bringen. Wo in Mexiko ein Bischof dennoch über die Stränge schlug und sich wie der Dominikaner Samuel Rúiz im Süden an der Seite der Indígenas für die Menschenrechte einsetzte, sorgte Rom für einen Nachfolger, der den Kurs seines Vorgängers korrigieren sollte. Diese Operation ging jedoch gründlich schief.

          Ruíz designierter Nachfolger Raúl Vera López wurde bald selbst zu einem so verwegenen Menschenrechtsaktivisten, dass Papst Johannes Paul II. ihn auf Drängen einflussreicher mexikanischer Kardinäle und Politiker im Jahr 2000 von dem Süden des Landes an die Nordgrenze versetzte. Freilich gab Bischof Vera auch dort keine Ruhe. Mit seinem Einsatz für die Rechte der Indigenen und Migranten, aber auch seiner Kritik an Korruption, Gewalt und Straffreiheit, die seine mitunter einstündigen Predigten für alle zu einer Bußübung machen, ist der heute 66 Jahre alte Bischof von Saltillo innerhalb der mexikanischen Bischofskonferenz auch heute noch weitgehend isoliert.

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