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Papst-Äußerung zum Islam : Benedikts Bedauern geht Kritikern nicht weit genug

  • Aktualisiert am

Protestierende Pakistani in Karachi Bild: dpa

Mit einem historischen Zitat über den Islam hat Papst Benedikt XVI. eine Welle der Kritik in der muslimischen Welt ausgelöst. Sein „tiefes Bedauern“ darüber, die Gefühle Andersgläubiger verletzt zu haben, beruhigt bislang nur wenige der erhitzten Gemüter.

          Nach heftigen Protesten in der muslimischen Welt hat Papst Benedikt XVI. bedauert, daß seine Worte zum Thema Islam und Gewalt mißverstanden worden seien. „Der Heilige Vater bedauert sehr, daß einige Passagen seiner Rede für Moslems beleidigend geklungen haben könnten“, teilte der Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in einer Erklärung des Vatikan mit. Der Papst respektiere alle Islamgläubigen und hoffe, sie würden den wahren Sinn seiner Rede verstehen, hieß es in der Stellungnahme des Heiligen Stuhls. Die am Dienstag in Regensburg gehaltene Rede des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche sei als „klare Zurückweisung von religiös motivierter Gewalt, egal woher sie komme, gemeint gewesen“, erklärte Kardinal Bertone.

          Dennoch war die Rede des Papstes in zahlreichen muslimischen Staates auf harsche Kritik gestoßen. Ägyptens Muslim-Bruderschaft hat die bedauernde Äußerung von Papst Benedikt XVI. zurückgewiesen. „Wir wollen eine persönliche Entschuldigung“, sagte der stellvertretende Führer der Gruppe, Mohammed Habib, am Samstag. „Wir glauben, daß er einen gravierenden Fehler gemacht hat, und dieser Fehler kann nur mit einer persönlichen Entschuldigung aus dem Weg geräumt werden.“ Im Westjordanland wurden Brandanschläge auf fünf christliche Kirchen verübt. Zuletzt hatte auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan eine Entschuldigung von Benedikt XVI. gefordert. Was Benedikt über den Propheten Mohammed gesagt habe, sei „häßlich“ und „nicht hinnehmbar“, sagte Erdogan am Samstag nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu. Benedikt habe nicht wie ein Geistlicher gesprochen, sondern wie ein Politiker, kritisierte Erdogan.

          Religiöse Rückendeckung für Amerika

          Benedikt XVI. hatte in seiner Rede einen christlich-byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“

          Auch im pakistanischen Lahore gingen Menschen auf die Straße: „Die Bemerkungen des Papstes sind heuchlerisch”

          Zu den Kritikern Benedikts gehörte auf die jordanische Regierung, die die Äußerungen des Papstes als „äußerst beleidigend“ bezeichnete. Das iranische Außenministerium forderte Benedikt auf, seinen Standpunkt zu Islam und Gewalt schnellstens zu revidieren. „Damit könnte die Solidarität innerhalb der Religionen wieder hergestellt werden“, sagte Außenamtssprecher Mohammed-Ali Hosseini.

          Marokko bestellt Botschafter ein

          Die radikalislamische Palästinenserbewegung Hamas warf dem Papst vor, er wolle „den Vereinigten Staaten in ihrem Krieg in der Region und vielleicht bei neuen Aggressionen und Kriegen religiöse Rückendeckung geben“.

          Der marokkanische König Mohammed hat den Botschafter seines Landes im Vatikan wegen der umstrittenen Äußerungen zu Beratungen nach Rabat bestellt. Das ägyptische Außenministerium bestellte unterdessen den Gesandten des Vatikans ein, um ihm das „tiefe Bedauern“ der Regierung über die Äußerungen des Papstes auszudrücken.

          Aufrufe zur Mäßigung in islamischer Welt

          Nach der ersten massiven Kritik folgten am Samstag auch Aufrufe zur Mäßigung in der islamischen Welt. In der Türkei wurde Kritik an voreiligen Reaktionen laut. Der oberste Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, habe den Wortlaut des Vortrags nicht gekannt, als er den Papst aufforderte, sich zu entschuldigen, berichtete die türkische Zeitung „Hürriyet“ am Samstag. Er habe allein auf Presseberichte reagiert, nach denen der Papst den Islam als eine Religion der Gewalt dargestellt habe. Einen Einfluß auf den für Ende November geplanten offiziellen Papst-Besuch in der Türkei werde die Empörung über die Worte Benedikts in der islamischen Welt nicht haben, zitierte die Zeitung Kreise des türkischen Außenministeriums in Ankara.

          Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad forderte eine Analyse der Äußerungen. „Die Bemerkungen sollten zunächst von Theologen und Islamwissenschaftlern analysiert werden“, zitierte das staatlichen Fernsehen den Regierungschef.

          Der Zentralrat der Muslime ist zufrieden mit der Klarstellung von Papst Benedikt XVI. Der Zentralratsvorsitzende Ayyub Axel Köhler sagte am Samstag, er sei „sehr froh und glücklich“ über das vom Papst geäußerte Bedauern über die Mißverständnisse nach seiner Rede an der Regensburger Universität. „Die Muslime werden sich schnell wieder beruhigen“, betonte Köhler.

          Papstwort am Sonntag erwartet

          Zuvor verlautete in Rom, vermutlich werde sich Benedikt am Sonntag zu dem Thema selbst äußern. Vatikankreise gehen davon aus, daß Benedikt nach dem Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms das Wort ergreift.

          Die Äußerungen des Papstes hatten in der muslimischen Welt Empörung ausgelöst.

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