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Blair und die Pandora-Papiere : Londons verlockende Schlupflöcher

Blick auf die Skyline des Londoner Finanzdistrikts Bild: Reuters

Die „Pandora Papers“ haben Londons als internationalen Umschlagplatz wieder ins Blickfeld gerückt. Auch der frühere Premierminister Tony Blair taucht namentlich auf – mit einer legalen, aber fragwürdigen Aktion.

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          In Großbritannien haben die sogenannten Pandora Papers die Rolle Londons als internationalen Umschlagplatz und Investitionsstandort ein weiteres Mal ins Blickfeld gerückt. Ein internationales Recherchenetzwerk, dem auch WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung angehören, hatte Millionen Dokumente von Anbietern von Offshore-Finanzdienstleistungen ausgewertet, die mehr als 330 Politiker und Amtsträger auf der ganzen Welt belasten. Viele der namentlich Genannten haben ihr Geld in der britischen Hauptstadt angelegt, oft in teuren Immobilien, und sich von Londoner Anwälten und Finanzspezialisten beraten lassen, wie sich über Offshore-Unternehmen Steuern sparen lassen.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Seit der Labour-Ära in den Jahren um die Jahrtausendwende versprechen britische Regierungen, das System fairer zu gestalten. Tatsächlich haben sich die Schlupflöcher über die Jahre verkleinert, aber sie sind noch immer groß genug, um selbst jene zu verlocken, die vorgaben, für eine bessere Welt zu kämpfen. Der frühere Premierminister Tony Blair spannte vor vier Jahren für einen Immobilienerwerb im Londoner Zentrum eine Offshore-Firma ein und sparte so etwa 350.000 Euro Grunderwerbsteuern. In einer Stellungnahme hoben die Blairs hervor, dass das Bürohaus nun unter britischer Jurisdiktion stehe und damit hohe Steuern bei einem Verkauf anfallen würden. Die Transaktion war legal, aber Kritiker bemängelten am Montag, dass sie ein „Geschmäckle“ habe. Dass in den Papers keine Politiker der Konservativen Partei auftauchen, macht den Fall des früheren Labour-Vorsitzenden umso peinlicher.

          Aber auch die Tories kommen nicht ganz ungeschoren davon. Einer ihrer wichtigsten Spender, der Wirtschaftsanwalt Mohamed Amersi, soll in einen großen Korruptionsskandal verwickelt sein. Schatzkanzler Rishi Sunak reagierte darauf am Montag mit der Aussage, dass man sich beim Eintreiben von Parteispenden streng an die Regeln halte, die von der letzten Labour-Regierung eingeführt wurden. Zu internen Untersuchungen haben die „Pandora Papers“ beim „Crown Estate“ geführt, einer britischen Immobiliengruppe, die mit dem Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II. in Verbindung steht, dieser aber nicht persönlich gehört. Die Gruppe soll eine etwa 80 Millionen Euro teure Immobilie in London von der Familie des aserbaidschanischen Herrschers Ilham Alijew erworben haben. Dieser wiederum hat in den vergangenen 15 Jahren im Londoner Immobilienmarkt an die 500 Millionen Euro hin und her geschoben.

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