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Katholischer Weltjugendtag : Panama erwartet 150.000 Pilger

Pilger aus aller Welt kommen zum katholischen Weltjugendtag nach Panama. Bild: EPA

Am Dienstag beginnt das sechstägige Großereignis rund um den katholischen Weltjugendtag in Panama. Das Schwellenland will sich angesichts der weltweiten Aufmerksamkeit in Bestform präsentieren.

          3 Min.

          Seit Wochen schon läuft der Countdown. Panamas Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungen zählen die Tage bis zum Beginn des katholischen Weltjugendtags. An diesem Dienstag ist es soweit: Das sechstägige Treffen in Panama-Stadt beginnt, und von Donnerstag bis Sonntag wird auch Papst Franziskus dabei sein. Das kleine Panama – es ist kaum größer als Bayern – mit seinen rund vier Millionen Einwohnern will sich in Bestform präsentieren. Den mindestens 150 000 Pilgern, die man erwartet, und der ganzen Welt, die, zumal während des Papstbesuches, auf das Land schauen wird, will der modernste und wohlhabendste Staat Mittelamerikas beweisen, dass man ein solches Großereignis schultern kann.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dazu haben Kirche und Staat alle Hebel in Bewegung gesetzt. Seit Wochen sind rund 37 000 Freiwillige im Einsatz. Sie empfangen und versorgen Pilgergruppen, richten Kirchen und Gemeindesäle für Gottesdienste und Veranstaltungen her, erteilen Auskünfte und verteilen Wimpel. Für die Sicherheit „aller Bürger, Touristen und Pilger“ würden 44 000 Sicherheitskräfte aus allen zuständigen Behörden und Institutionen sorgen, versprach Präsident Juan Carlos Varela persönlich.

          Kleine Ausrutscher bringen niemanden aus der Ruhe

          Allenthalben flattern die Fahnen mit dem schwungvollen Logo des ersten Weltjugendtages in Mittelamerika im Wind. Die Stadtautobahnen sind mit den Flaggen Panamas und des Vatikans geschmückt. Von Plakaten lächelt Franziskus. Rechtzeitig zum Weltjugendtag wurden wichtige Streckenabschnitte und Bahnhöfe der Linie 2 der Metro fertiggestellt. Die Benutzung der Metro und auch der meisten Linienbusse ist während des Weltjugendtages kostenlos. Selbst von einem Ausrutscher wie dem vom Sonntag wollte sich in Panama-Stadt niemand aus der Ruhe bringen lassen. In der Hauptstadt und in vielen Teilen des Landes war kurz vor elf Uhr vormittags der Strom ausgefallen. Von dem Blackout waren auch Costa Rica, Guatemala, Nicaragua und San Salvador betroffen. In Panama-Stadt mussten liegen gebliebene Waggons der Metro evakuiert werden, und Ampeln fielen aus. Präsident Varela sagte am Nachmittag vor der Presse, der Zwischenfall habe nichts mit den Vorbereitungen zum Weltjugendtag zu tun gehabt, die Notfallversorgung habe überall funktioniert. Nach gut sechs Stunden war die Stromversorgung wieder vollständig hergestellt.

          Während der Countdown zum Weltjugendtag in der Nacht zum Dienstag auf null sprang, lief ein anderer Countdown weiter. Den hatte freilich nur ein Nachrichtensender geführt: In 103 Tagen finden in Panama Präsidenten- und Parlamentswahlen statt. Für Präsident Varela von der konservativen Panameñista-Partei, der sich gemäß Verfassung am 5. Mai nicht um eine zweite konsekutive Amtszeit bewerben darf, sind der Weltjugendtag und der Papstbesuch wichtige Gelegenheiten, sein Vermächtnis weiter aufzupolieren. An den Wachstumsquoten gibt es kaum etwas zu bemäkeln: Seit Varelas Amtsantritt 2014 ist die panamaische Wirtschaft jährlich um jeweils gut fünf Prozent gewachsen. Der 2016 aufgebrochene Skandal um die „Panama Papers“ hat den Ruf des Landes als Finanzplatz zwar beschädigt. Doch mit strengeren Gesetzen nach internationalen Standards und mit Gerichtsverfahren gegen die größten Betrüger hat Panama inzwischen das Vertrauen von ehrlichen Investoren wiedergewonnen. Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die Klienten aus aller Welt besonders eifrig dabei unterstützt hatte, Geld vor dem heimischen Fiskus in Panama zu verstecken, hat im März 2018 ihre Tätigkeit eingestellt.

          Vermächtnis für Panamas Präsidenten Varela

          Auch die milliardenschwere Erweiterung der Schleusen des Panamakanals wurde während Varelas Amtszeit fertiggestellt. Seit Ende Juni 2016 können Schiffe der Post-Panamax-Klasse mit bis zu 13 000 Containern den Kanal passieren. Die Transitgebühren des Kanals spülen in diesem Jahr gut 1,7 Milliarden Dollar in die Staatskasse. Im Juni 2017 vollzog Varela die Abkehr von Taiwan und nahm diplomatische Beziehungen mit China auf. Das brachte ihm zwar den Missmut der Regierung in Washington ein, die mit Sorge den eigenen Einfluss im mittelamerikanischen „Hinterhof“ schwinden sieht. Aber für Panama, die Brückennation zwischen Atlantik und Pazifik par excellence, ist die Verbindung zur größten Wirtschaftsmacht Asiens essentiell. Schon im Dezember 2018 kam Xi Jinping als erster chinesischer Präsident auf Staatsbesuch nach Panama, brachte gleich Milliardeninvestitionen für die Infrastruktur mit und unterstrich damit Pekings Ambitionen in Washingtons Nachbarschaft.

          Bei den drängendsten Problemen Panamas, der extrem ungleichen Verteilung des Wohlstands sowie der Diskriminierung von Schwarzen und Indigenen, hat es auch unter Varela keine nennenswerten Fortschritte gegeben. Gut ein Fünftel der Einwohner Panamas lebt noch immer unter der Armutsgrenze. Von den Bankentürmen und Golfplätzen von Panama-Stadt zu den Innenstadtslums von Colón an der nördlichen Einfahrt zum Panamakanal sind es anderthalb Stunden Fahrt. In Colón leben die Nachfahren von schwarzen Familien aus der Karibik, die vor mehr als hundert Jahren zum Kanalbau nach Panama gelockt worden waren. Über das unvermindert schwere Los der Armen von Colón und der Indigenen an der Karibikküste wird sich Varela manche Predigt von Franziskus anhören müssen. Eine Reise an die Nordküste hat der Papst bei seinem viertägigen Besuch jedoch nicht eingeplant.

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