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Palästina-Abstimmung : Alle unter derselben Flagge

Feierstimmung: Ein Restaurant in Ramallah hat eine Pizza in den palästinensischen Farben belegt Bild: REUTERS

Im Westjordanland wurde der Abstimmung der Vereinten Nationen entgegengefiebert - obwohl die Palästinenser sich vom Ergebnis nicht viel versprechen.

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          Selbst am Telefon gibt es kein Entkommen. Statt des üblichen Freizeichens lässt ein palästinensisches Mobilfunkunternehmen am Donnerstag ein patriotisches Lied erklingen. Die Kinder haben schulfrei, die Angestellten der Autonomiebehörde durften früher ihre Arbeit verlassen. In Ramallah feiern viele Menschen schon mittags auf dem Arafat-Platz, obwohl ihr Präsident Mahmud Abbas erst spät am Abend in New York den Antrag stellen wird. Doch sie sind sich sicher, dass die Vollversammlung der Vereinten Nationen Palästina über Nacht zu einem Beobachterstaat aufwerten wird.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Stunden vor der Abstimmung in der Vollversammlung erinnerten an die Punkteverteilung beim „Eurovision Song Contest“: Mit Staunen und wachsender Begeisterung verfolgten die Palästinenser, wie immer mehr Staaten ihr „Ja“ für ihren Antrag ankündigten. Nur dass sich Deutschland zwischenzeitlich für eine Ablehnung zu entscheiden schien, stieß auf Unverständnis. „Die Deutschen würden enttäuscht sein. Wir wissen, dass die Bevölkerung ganz auf unserer Seite ist. Sie würden alle zustimmen“, sagt Nour Odeh. Vom Rand des Arafat-Platzes in Ramallah verfolgt die palästinensische Regierungssprecherin die Feier.

          In Windeseile machen dann die neuesten Nachrichten aus Berlin die Runde: Die Bundesrepublik werde sich nur enthalten, aber nicht mehr gegen den Antrag stimmen, heißt es per Text-Nachricht oder über Mobiltelefon. „Die deutsche Enthaltung ist noch wichtiger als die Zustimmung Frankreichs“, schwärmt ein Mitarbeiter des Verhandlungsteams der PLO. Man dürfe nicht vergessen, wie eng Deutschland bisher mit Israel zusammengearbeitet habe. Niemand sollte sich vom Applaus in der UN-Vollversammlung beeindrucken lassen, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trotzig. „Die UN-Entscheidung wird vor Ort gar nichts ändern“, spielte er die bevorstehende Abstimmung herunter. In israelischen Regierungskreisen war am Donnerstag dagegen von einer „schmerzenden Niederlage“ die Rede. Manche sprechen sogar von einem „diplomatischen Kollaps“, weil es nicht gelungen sei, die wichtigsten westlichen Partner dazu zu bewegen, sich wenigstens der Stimme zu enthalten.

          Arabische Staaten springen ein

          In den Palästinensergebieten können sich die Menschen für solche diplomatischen Erfolge begeistern, auch wenn sie am Ende meist folgenlos bleiben. Im September 2011 feierten sie Präsident Mahmud Abbas wie einen Volkshelden, nachdem er beim UN-Sicherheitsrat beantragt hatte, Palästina als Vollmitglied aufzunehmen. Amerika fand sich isoliert und drohte mit seinem Veto, obwohl die Regierung eigentlich für die Gründung eines Palästinenserstaats eintritt. Über die Konsequenzen des zweiten Antrags machen sich viele auf dem Arafat-Platz keine großen Illusionen. „Nach der UN-Abstimmung wird sich erst einmal gar nichts ändern. Das braucht Zeit, aber es ist ein wichtiger Schritt“, sagt die Studentin Hanin Khoury, die auf dem Arafat-Platz ihre Augen mit einer großen Sonnenbrille vor der Spätherbstsonne schützt.

          Palästinenser und orthodoxe Juden versammeln sich zur Unterstützung von Präsident Mahmud Abbas
          Palästinenser und orthodoxe Juden versammeln sich zur Unterstützung von Präsident Mahmud Abbas : Bild: AFP

          Der Mann neben ihr ist noch weniger zuversichtlich. „Das bringt nicht viel. Morgen wird wie heute sein“, vermutet er. Selbst die Strafmaßnahmen, die Israel nach einem erfolgreichen UN-Antrag angedroht hat, verderben niemandem die gute Laune an dem freien Tag. „Das sind wir längst gewohnt. Unsere Löhne erhalten wir sowieso oft erst mit wochenlanger Verspätung“, sagt ein Mann, der als Fahrer bei der Autonomiebehörde arbeitet. Dieses Mal haben arabische Staaten angekündigt einzuspringen, sollte die israelische Regierung wieder die für die Palästinenser erhobenen Steuern und Zölle nicht überweisen.

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