https://www.faz.net/-gpf-8hhhb

Pakistan : Wie Taliban-Anführer Mansur den Amerikanern in die Falle tappte

  • Aktualisiert am

Anwohner versammeln sich um das Auto, in dem Taliban-Anführer Mansur getötet wurde. Bild: AFP

Über Monate hat die CIA den Taliban-Chef überwacht. Als er aus Iran ausreiste, ergab sich die Gelegenheit: Der amerikanische Geheimdienst stellte ihm eine Falle. Jetzt werden die Details des Drohnenangriffs bekannt.

          Lange überwachten sie seine Kommunikation, seine Bewegungen, seine Reisen. So weit das bei einem der meist gesuchten Männer möglich ist. Als der amerikanische Geheimdienst aus dem Umfeld des Taliban-Führers Mullah Mansur erfuhr, dass dieser seine Familie im Iran besuchte, musste eine Entscheidung gefällt werden: Falls sich bei der Rückreise nach Pakistan die Gelegenheit ergeben würde – sollte man schießen? Der amerikanische Präsident Barack Obama ordnete die Tötung an.

          Das „Wall Street Journal“ schildert nun erstmals die Details des Angriffs und beruft sich dabei auf  Aussagen hochrangiger Mitarbeiter des Militärs und der Regierung, die mit dem Fall vertraut sind. Laut dem Bericht habe man gewartet, bis Mansur die Grenze von Iran nach Pakistan überschritt und in einen weißen Toyota einstieg. Geheimdienst und Militär gingen davon aus, dass Mansur eine Landstraße parallel zur afghanischen Grenze nehmen würde – eine Route, die er in der Vergangenheit schon häufig gewählt hatte – und lagen richtig.

          Mansur sollte, so geht es aus den umfangreichen Schilderungen im „WSJ" hervor, auf dieser Strecke getötet werden, um zivile Opfer in der nächstgelegenen Stadt Quetta zu vermeiden. Dort angekommen ist Mansur nie, eine aus Afghanistan entsandte Drohne traf den Toyota, in dem er saß.

          Obama wollte Verhandlungen, aber änderte seinen Kurs

          Eigentlich wollte die amerikanische Regierung anders vorgehen. Obama hatte angestrebt, Mansur an den Verhandlungstisch zu bringen. Der Anschlag der Taliban auf den afghanischen Geheimdienst in Kabul vom 19. April, bei dem mehr als 60 Menschen starben, interpretierte man in Washington als klares „Nein“ von Seiten Mansurs. Die amerikanische Regierung änderte ihren Kurs – trotz der Kritik der pakistanischen Regierung, auf deren Terrain Mansur umgebracht wurde.

          Was ebenso ungewöhnlich an dem Anschlag auf Mansur war: Nach den von Pakistan gesetzten Regeln sind Drohnenangriffe nur in den von Stämmen kontrollierten Gebieten erlaubt. Die Landstraße, auf der der Anschlag erfolgte, zählt nicht dazu. Im Wissen, dass die Amerikaner nicht angreifen dürfen, könnte sich das Umfeld um Mansur besonders sicher gefühlt haben, wird von Mitarbeitern der CIA spekuliert.

          Der pakistanische Innenminister verurteilte den Anschlag auf pakistanischem Gebiet nach der Bekanntgabe von Mansurs Tod scharf. Er hätte „ernsthafte Auswirkungen“ auf die Beziehungen mit den Amerikanern und sei „komplett gegen die Charta der Vereinigten Nationen und internationale Gesetze.“ Obama dagegen nannte die Tötung von Mansur einen „wichtigen Meilenstein“.

          Weitere Themen

          Scholz lässt seine Pläne offen Video-Seite öffnen

          Bewerbung auf SPD-Vorsitz : Scholz lässt seine Pläne offen

          „Ganz klar ist, wir müssen in Deutschland vorankommen mit unserem Land. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zusammenhalt besser wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für die SPD-Spitze.

          Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.
          Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, warnt die Parteien davor, eine Koalition mit der AfD einzugehen.

          Zentralrat der Juden : „AfD schürt Klima auch gegen Juden“

          Zentralratspräsident Josef Schuster warnt: Die AfD sei enger mit dem Rechtsextremismus verwoben, als sie es nach außen darstellt. Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen und Brandenburg hält Schuster einen dringlichen Appell an alle Parteien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.