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Pakistan : Wer löst den Mordfall Benazir Bhutto?

Gedenkveranstaltung für Benazir Bhutto am Neujahrstag Bild: AP

Einige Tage nach dem Mord an der Oppositionsführerin Bhutto sind Ursache und Umstände ihres Todes längst nicht geklärt. Die Regierung setzt nach eigenen Angaben „hochqualifizierte Ermittler“ ein - doch viele Pakistaner misstrauen der Staatsführung.

          Dem Kopf mit der markanten Nase fehlt der Rumpf. Zehn Millionen Rupien sind der Regierung der pakistanischen Provinz Punjab Hinweise darauf wert, wer der Mann ist, den ein zweites Foto lebend zeigt. Auf Filmaufnahmen war zu sehen, wie er am Donnerstag in Rawalpindi drei Schüsse auf Benazir Bhutto abfeuert. Kurz darauf zündete neben dem Wagen der pakistanischen Oppositionsführerin ein Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz; der Kopf des Schützen wurde durch die Explosion abgetrennt und viele Meter weit weg geschleudert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das ist die offizielle Version. Sardar Shaukat Hayat Khan glaubt nichts davon. „Das ist alles inszeniert. Sie haben viele Köpfe zur Verfügung“, erregt sich der Mann im schwarzen Anzug und macht aus seinem Misstrauen gegenüber der Regierung keinen Hehl. Der Anwalt kandidiert bei den Parlamentswahlen in der Garnisonsstadt Rawalpindi und hatte während der letzten Wahlkampfveranstaltung der Vorsitzenden der Pakistanischen Volkspartei (PPP) neben ihr auf der Tribüne gesessen.

          Am Dienstag hat er sich wie für eine Beerdigung gekleidet und nimmt in dem kleinen Park im Zentrum von Rawalpindi die Beileidsbekundungen der Menschen entgegen, die in kleinen Gruppen zu dem Ort pilgern, an dem die Frau umgekommen ist, für die viele bei den bevorstehenden Wahlen stimmen wollten.

          „Märtyrerin”: Trauer um Bhutto am Anschlagsort in Rawalpindi

          „Musharraf hat sie getötet“

          Umgeben von flackernden Öllampen haben einige ihrer Anhänger vor einem großen Plakat mit der lächelnden Politikerin einen kleinen Altar errichtet. Sie haben rote und gelbe Rosenblätter ausgestreut und Räucherkerzen angezündet. Manche bleiben stehen und beten mit nach oben geöffneten Händen. Benazir Bhutto ist für viele zu einer Märtyrerin geworden.

          Ursache und Umstände ihres Todes sind auch einige Tage danach noch längst nicht geklärt. Es waren besonders die ersten Stellungnahmen der Regierung, die nicht nur in der Volkspartei wütende Reaktionen hervorriefen und die weit verbreitete Skepsis gegenüber der Regierung noch zunehmen ließen: Alles, was man bisher wisse, spreche dafür, dass die Wucht des Aufpralls ihres Kopfes auf einen Metallhebel im Autodach ihr die tödlichen Verletzungen beigefügt hätte und nicht Kugeln oder Metallsplitter aus dem Sprengsatz, hatte ein Ministeriumssprecher mitgeteilt.

          Also letztlich nur ein tragischer Unfall, fragten sich manche und sahen dahinter eher das Bemühen, Verantwortung zu verschleiern und unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen. Denn bis zuletzt hatten Benazir Bhutto und ihre Partei darüber geklagt, dass sie von den staatlichen Sicherheitskräften nicht ausreichend geschützt werde. Aufgebrachte Demonstranten gingen nach dem Attentat noch weiter und riefen „Präsident Musharraf hat sie getötet.“

          Warum sprach Bhuttos Vertraute von zwei blutenden Wunden?

          Sardar Shaukat Hayat Khan hat auch Zweifel an der Darstellung der Regierung. Das gilt besonders für deren Behauptung, Al Qaida stecke dahinter, weil auch ein Selbstmordattentäter beteiligt gewesen sei. „Das Innenministerium lügt. Die Explosion nach den Schüssen war kein Selbstmordanschlag, sondern diente nur zur Ablenkung“, ist sich der Anwalt sicher. Schließlich habe er den Anschlag aus der Nähe miterlebt. Nach den drei Schüssen sei eine Granate explodiert oder ein ähnlicher Sprengsatz aus der Ferne gezündet worden, vermutet er und zeigt in die Richtung der Straßenkreuzung vor dem Backsteintor des Parks. Dort hatte Benazir Bhutto noch einmal ihren Anhängern vom Sonnendach ihres gepanzerten Fahrzeugs zugewinkt, bevor die ersten Schüsse fielen.

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