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Pakistan und Iran : Gemischte Gefühle bei den Taliban-Helfern

Warteschlange an der pakistanisch-afghanischen Grenze am Montag von der pakistanischen Seite aus Bild: EPA

Pakistan ist der wichtigste Unterstützer der Taliban in Afghanistan. Doch nun wächst dort die Sorge vor einem Wiedererstarken der Islamisten im eigenen Land. Und Iran fürchtet einen Flüchtlingsstrom aus dem Nachbarland.

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          Als der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan vor gut zwei Wochen in einem Fernsehinterview den amerikanischen Abzug aus Afghanistan kommentierte, empörte er sich, er sei schon als „Taliban Khan“ bezeichnet worden. Dabei habe er nur erklärt, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt gebe, sagte er dem amerikanischen Sender PBS. Khan bestritt, dass es in seinem Land sichere Rückzugsorte für die afghanischen Islamisten gebe, die er als „normale Zivilisten“ bezeichnete. In seinem Land lebten nur vier Millionen afghanische Flüchtlinge. Jetzt haben diese „normalen Zivilisten“ einen militärischen Sieg errungen, der nach Einschätzung von Militärs und Sicherheitsfachleuten ohne die langjährige pakistanische Unterstützung nicht möglich gewesen wäre. Den Unschuldsbeteuerungen aus Islamabad schenkt man im Ausland keinen Glauben.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Dass die afghanischen Taliban von der pakistanischen Militärführung, dem wahren Herrscher über das Land, unterstützt werden, ist ein offenes Geheimnis. Der Militärgeheimdienst ISI war ein wichtiger Geburtshelfer ihrer Bewegung in den neunziger Jahren, und förderte die radikalen Islamisten mit Geld, Waffen und eben einem sicheren Rückzugsgebiet, während von pakistanischem Boden amerikanische Drohnen im Antiterrorkampf aufstiegen. Dass die afghanischen Taliban jetzt die Hauptstadt Kabul kontrollieren und den in Islamabad verhassten Präsidenten Ashraf Ghani vertrieben haben, mag den pakistanischen Generälen ein Stück weit nutzen. Ohne Risiko ist deren militärischer Sieg auch für ihre pakistanischen Förderer nicht. In Freude darüber, dass die neue Führung dankbar und leichter beeinflussbar sein sollte, dürfte sich auch Sorge über die Neuauflage eines Emirats im Nachbarland mischen.

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