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Pakistan und Indien : Glückwünsche und Nadelstiche

Pakistan zeigt, was es hat: Militärparade zum Nationalfeiertag Bild: AFP

An seinem Nationalfeiertag lässt Pakistan mit einer Militärparade die Muskeln spielen. Dennoch sind Islamabad und Neu Delhi auch um Entspannungssignale bemüht.

          Pakistans Hauptstadt ist direkt unterhalb der malerischen Margalla-Hügelkette gelegen, die den westlichen Ausläufer des Himalayas bildet. Von dort steigen regelmäßig Dutzende Milane und Falken herab, die man allerorten über der Stadt kreisen sieht. Am Samstag hatten sich die Raubvögel allerdings zu verziehen, denn der Himmel über Islamabad wurde für gewichtigere Flugkünste benötigt: Eine akrobatische Show bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum „Pakistan-Tag“. Der Nationalfeiertag erinnert an die Lahore-Resolution, die am 23. März 1940 verabschiedet wurde und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gründung der Islamischen Republik 1947 darstellte.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Dass die Hauptstadt und das ganze Land sich schon Tage zuvor praktisch im Ausnahmezustand befanden, hing aber auch damit zusammen, dass die Feierlichkeiten in diesem Jahr unmittelbar auf die ernsteste Konfrontation mit Indien seit vielen Jahren folgten. Nachdem am 14. Februar ein Selbstmordattentäter im indisch besetzten Teil Kaschmirs 40 Sicherheitskräfte mit sich in den Tod gerissen hatte, kam es zu einer Abfolge von Militärschlägen: Indien bombardierte am 26. Februar ein angebliches Ausbildungslager für Terroristen in Pakistan, ein Luftkampf entlang der Demarkationslinie in Kaschmir endete mit der Gefangennahme eines indischen Kampfpiloten.

          Seither sind beide Seiten bemüht, eine weitere Eskalation zwischen den Atomwaffenmächten zu verhindern, ohne Schwäche zu zeigen. So erschallen die nationalistischen Töne in beiden Ländern derzeit noch lauter als ohnehin üblich – in Indien vor allem auch im Zusammenhang mit den bevorstehenden Parlamentswahlen.

          Pakistan wirbt für friedliche Lösung

          In Pakistan nutzte die Staatsführung die Militärparade am Samstag dazu, die Wehrhaftigkeit des Landes und die Fähigkeiten seines Militärs zu rühmen. Die Vorführungen der Teilstreitkräfte auf dem weiträumig abgesperrten Paradegelände im Süden der Hauptstadt waren begleitet von martialischen Slogans wie „Nicht Pakistan ist der Gnade seiner Feinde ausgeliefert, es sind die Feinde, die Pakistans Gnade ausgeliefert sind“. Wenngleich die „Feinde“ nicht weiter spezifiziert wurden, machten die im Fernsehen gezeigten Bilder des im Februar abgeschossenen indischen Kampfflugzeugs deutlich, wer gemeint war.

          Zugleich warb Pakistan dafür, eine friedliche Lösung zu suchen. Staatspräsident Arif Alvi sagte in seiner Ansprache, man glaube an Koexistenz und strebe nicht nach Krieg. „Aber unser Verlangen nach Frieden sollte nicht als unsere Schwäche missverstanden werden.“ Alvi warf Indien vor, Pakistan ohne Beweise für den Anschlag im Februar verantwortlich gemacht zu haben, und sagte, die Reaktion der Streitkräfte auf die indischen Luftangriffe sei „unser Recht und unsere Pflicht“ gewesen.

          Schon am Freitag hatte Indiens Ministerpräsident Narendra Modi zum Anlass des Pakistan-Tags Glückwünsche übermittelt. Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan veröffentlichte die an ihn gerichtete Mitteilung auf Twitter, die demnach lautete: „Es ist Zeit, dass die Völker des Subkontinents für eine demokratische, friedliche, fortschrittliche und gedeihende Region zusammenarbeiten, in einer Atmosphäre, die frei ist von Terror und Gewalt.“

          In Kaschmir keine Entspannung in Sicht

          Unabhängig davon gehen die gegenseitigen Nadelstiche weiter. Pakistanische Medien berichteten am Wochenende ausführlich darüber, dass Indien den traditionellen Empfang des diplomatischen Vertreters Pakistans in Delhi zum Nationalfeiertag boykottiert und sogar versucht habe, indische Gäste vom Besuch der Veranstaltung am Freitagabend abzuhalten. Einen Tag zuvor hatte Pakistan den Konflikt auf der sportpolitschen Ebene eskaliert: Die Regierung verkündete ein Übertragungsverbot für die kommende Saison der „Indian Premier League“ in Pakistan, eines der wichtigsten Sport-Tournaments der Welt. Sie begründete das damit, dass nach dem Selbstmordanschlag auch die Spiele der pakistanischen Kricket-Liga nicht mehr in Indien gezeigt würden.

          Insbesondere Pakistans Ministerpräsident Imran Khan, der seit dem vergangenen August amtiert, gibt sich bestrebt, den Dialog mit Indien zu suchen. Tatsächlich hat seine Regierung seit der jüngsten Auseinandersetzung offenbar zahlreiche Mitglieder in Kaschmir operierender Terrororganisationen festgenommen. Khan begrüßte Modis Glückwunschnachricht und äußerte, man müsse über alle offenen Fragen sprechen, auch über Kaschmir.

          Gerade in der von beiden Staaten beanspruchten Himalaya-Region zeichnet sich jedoch keine Entspannung ab. Am Freitag verkündete Indien ein Verbot der Jammu and Kashmir Liberation Front (JKLF) wegen sezessionistischer Bestrebungen. Die Organisation setzt sich seit Jahrzehnten für ein unabhängiges Kaschmir ein, anfangs mit gewaltsamen, seit 1994 mit politischen Mitteln.

          Erst Ende Februar wurde der Anführer der JKLF, Yasin Malik, im indisch kontrollierten Teil Kaschmirs inhaftiert. Seine Frau Mishal Malik, die seit Jahren öffentlich für die Belange Kaschmirs eintritt, kritisierte Indiens Vorgehen dieser Zeitung gegenüber. Eine Lösung für den Konflikt könne nur gefunden werden, wenn man auch die Vertreter der kaschmirischen Unabhängigkeitsbewegung einbinde. „Pure militärische Macht – ist das der Weg nach vorne?“, sagte sie. Wenn den Bewohnern Kaschmirs alle politischen Optionen genommen würden, bliebe ihnen als letzer Ausweg nur die Gewalt.

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