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Pakistan und die „Causa Usama“ : Islamabad wehrt sich gegen Vorwürfe Amerikas

Der pakistanische Armeechef General Ashfaq Pervez Kayani (M.): Ratlosigkeit in Rawalpindi? Bild: dpa

Die pakistanische Regierung hat die amerikanische Militäroperation gegen Usama Bin Ladin kritisiert und indirekt mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollten ausländische Soldaten abermals Operationen auf ihrem Territorium ausführen.

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          Unmittelbar nach der Tötung Bin Ladins hatte der pakistanische Premierminister Gilani von einem „großen Sieg“ gesprochen. Doch seit Islamabad und Washington verbreiten, dass die amerikanische Militäroperation gegen Usama Bin Ladin ohne Wissen Pakistans durchgeführt wurde, stehen Gilani und Präsident Zardari unter Beschuss der Opposition und der einheimischen Presse, die vor allem die Souveränitätsrechte des Landes verletzt sehen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Nun hat die pakistanische Regierung das Vorgehen der Amerikaner kritisiert und indirekt mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollten ausländische Soldaten abermals Operationen auf ihrem Territorium ausführen. Der Staatssekretär im pakistanischen Außenministerium, Salman Bashir, wollte sich am Donnerstag in Islamabad zwar nicht zu der Frage äußern, ob der amerikanische Einsatz in Abbottabad illegal war, pochte aber auf die Souveränität und Würde seines Landes. „Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße“, sagte er und erinnerte an die „internationalen Verpflichtungen“ aller Länder, die im Kampf gegen den Terrorismus stehen.Zusätzlichen Unmut hatte eine Äußerung des indischen Armeechefs hervorgerufen, der am Mittwoch seinen Streitkräften die Fähigkeit zu vergleichbaren Militäraktionen attestierte.

          Bashir sagte, derartige „Angebereien“ und Fehlkalkulationen könnten in Katastrophen münden. Nach Angaben der pakistanischen Zeitung „Dawn“ fügte er an: „Es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass Pakistan über adäquate Kapazitäten verfügt, um seine Verteidigung zu gewährleisten.“

          „Brillante Bilanz“ des Geheimdienstes

          Bashir verwahrte sich auch gegen Vorwürfe aus den Vereinigten Staaten, dass sich Bin Ladin nur mit pakistanischer Hilfe in dem Garnisonsstädtchen Abbottabad habe verstecken können. „Es ist einfach zu sagen, dass der pakistanische Geheimdienst oder Elemente in der Regierung mit der Al Qaida unter einer Decke stecken“, sagte Bashir. Dies sei jedoch ein „unberechtigter Vorwurf“, der der „brillanten Bilanz“ des ISI zuwiderlaufe. So sei die Handynummer des Kuriers, der schließlich auf die Spur zu Bin Ladin geführt habe, vom ISI an die CIA weitergegeben worden. Wenn Bin Ladin nicht früher entdeckt worden sei, dann sei dies kein pakistanisches, sondern ein „globales Geheimdienstversagen“ gewesen.

          Laut Bashir erfuhr die pakistanische Armee von der Operation durch den Absturz einer der amerikanischen Hubschrauber. Eine Viertelstunde später seien Soldaten am Gelände in Abbottabad eingetroffen. Offiziell sei Pakistan später telefonisch vom amerikanischen Admiral Mullen ins Bild gesetzt worden. Kurz darauf habe Präsident Obama dann Zardari angerufen. Laut „New York Times“ sagte Bashir, dass Bin Ladin nicht von amerikanischen Soldaten getötet worden sei, sondern von dessen eigenen Familienmitgliedern.

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