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Pakistan : Terrorangriff auf Sri Lankas Kricket-Team

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei einem Terrorangriff auf das srilankische Kricket-Team in der ostpakistanischen Stadt Lahore sind acht Menschen getötet worden. Sechs Spieler und ein britischer Trainer wurden verletzt. Islamabad und Indien vermuten die Urheber des Attentats jeweils im Nachbarland.

          Bei einem Anschlag auf die srilankische Kricket-Nationalmannschaft sind in der ostpakistanischen Millionenstadt Lahore nach Regierungsangaben acht Menschen getötet worden. Sechs der Kricketspieler und der britische Trainer Paul Fabrace wurden verletzt.

          Rund ein Dutzend schwer bewaffneter Angreifer hatte am Dienstag das Feuer auf den Bus der Mannschaft eröffnet, der sich auf dem Weg zu einem Spiel in Gaddafi-Sportstadion befand. Die Angreifer konnten entkommen. Zunächst bezichtigte sich niemand der Tat, die in Art und Ablauf an die Anschläge auf Hotels und andere Ziele im indischen Bombay im November 2008 erinnerte, bei denen rund 170 Menschen ums Leben kamen.

          Schnellfeuergewehre, Raketenwerfer und Granaten

          Einem Augenzeugen zufolge schossen die unbekannten Angreifer zunächst auf die Polizei-Eskorte. Danach hätten sie den Mannschaftsbus ins Visier genommen. „Wir warfen uns alle auf den Boden, um Deckung zu suchen“, sagte Mannschaftskapitän Mahela Jayawardene.

          In diesem Wagen kamen Polizisten, die die Kricket-Spieler beschützen sollten, ums Leben

          Die Attentäter benutzten Schnellfeuergewehre, Raketenwerfer und Granaten. Dem Fahrer des Mannschaftsbusses war es aber gelungen, davonzufahren und ins Stadion zu gelangen. Von dort aus wurden die Spieler mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht. Die getöteten Pakistaner seien Polizisten und der Fahrer eines nachfolgenden Busses, der australische Schiedsrichter transportierte. Auf Fernsehbildern war außerdem zu sehen, wie einer der Bewaffneten auf einen verletzten Verkehrspolizisten zuging und ihn erschoss.

          „Wir wissen nicht, wo sie sind“

          Die Angreifer flüchteten nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Punjab, Salman Taseer, in ein nahe gelegenes Gewerbeviertel. Polizisten durchsuchten dort die Gebäude, hätten aber die Spur der Attentäter verloren, sagte der Polizeichef von Lahore. „Wir wissen nicht, wo sie sind.“ Einem Medienbericht zufolge wurden vier Verdächtige in der ostpakistanischen Stadt festgenommen. Offiziell bestätigt wurde eine entsprechende Meldung des Nachrichtensenders „Dawn News“ allerdings nicht.

          Pakistans Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Anschlag. Aus der Regierung verlautete, es gebe Hinweise darauf, dass die Täter aus Indien gekommen seien: „Das war eine Verschwörung, um dem internationalen Ruf Pakistans zu schaden.“ Gouverneur Taseer sagte dagegen, die Art des Angriffs deute auf dieselben Urheber wie bei den Bombay-Anschlägen, für die Indien die im pakistanischen Punjab beheimatete Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba als Drahtzieher beschuldigt.

          Die Terrorserie hatte die Beziehungen zwischen den benachbarten Atommächten schwer belastet. Delhi hatte eine Tour der indischen Kricket- Nationalmannschaft durch Pakistan nach der Terrorserie abgesagt. Die Mannschaft Sri Lankas war für das indische Team eingesprungen.

          „Feiger Angriff“

          Während seines Besuchs in Nepal verurteilte der srilankische Präsident Mahinda Rajapakse den „feigen Terrorangriff“ auf die Nationalmannschaft seines Landes. Die Spieler seien als „Botschafter des guten Willens“ nach Pakistan gereist. Der Sprecher der srilankischen Armee, Udaya Nanayakkara, betonte in Colombo, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Tamilen-Rebellen der LTTE in den Angriff in Lahore verwickelt seien.

          Die indische Regierung forderte Islamabad unterdessen eindringlich zum verstärkten Kampf gegen den Terrorismus auf. Auch die internationale Gemeinschaft müsse sich des Problems annehmen, sagte der indische Außenminister Pranab Mukherjee.

          Der Angriff in Lahore zeige abermals, dass der von Pakistan ausgehende Terror „eine ernste Bedrohung für die ganze Welt“ sei. Die Terrorgruppen hätten abermals bewiesen, dass sie fähig seien, jederzeit zuzuschlagen. Nötig sei der „Abbau terroristischer Strukturen“ im Nachbarland.

          Attentat wenige hundert Meter entfernt vom Stadion

          Zu dem Angriff kam es in einem wohlhabenden Stadtviertel Lahores, wenige hundert Meter vom Gaddafi-Stadion entfernt. In dem Stadion sollten die Mannschaften Sri Lankas und Pakistans am Dienstag den dritten Tag eines fünftägigen Matches bestreiten. Das Spiel wurde abgesagt. Die srilankische Nationalmannschaft kehrte in ihre Heimat zurück.

          Die Regierung in Colombo verteidigte sich gegen Kritik der Opposition, wonach die Nationalmannschaft nicht nach Pakistan hätte geschickt werden dürfen. Sportminister Lokuge sagte, Pakistan habe dem Team Sicherheitsvorkehrungen zugesagt wie sie für Staats- oder Regierungschefs gelten würden. Wegen Sicherheitsbedenken hatten in den vergangenen Monaten auch die Kricket-Nationalmannschaften Südafrikas und Australiens die Spiele in Pakistan abgesagt.

          Kricket ist in den Ländern des früheren britischen Empire ein äußerst populärer Mannschaftssport. In Lahore, der Hauptstadt der Provinz Punjab, haben radikalislamische Aufständische in der Vergangenheit mehrere Anschläge verübt, die Stadt ist aber sicherer als Orte etwa im Grenzgebiet zu Afghanistan.

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