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Pakistan : Minister für Minderheitsfragen ermordet

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Der wegen seiner Kritik an den Blasphemiegesetzen ins Visier islamischer Extremisten geratene christliche Minister Shabhaz Bhatti ist in Islamabad erschossen worden. Bhatti war der einzige christliche Minister im Kabinett.

          Islamisten haben den einzigen Christen im pakistanischen Kabinett ermordet. Nach Angaben der Polizei wurde der christliche Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, von mindestens zehn Kugeln getroffen, als er am Mittwoch sein Haus verließ. Er hatte Änderungen am umstrittenen Blasphemie-Gesetz seines Landes gefordert. Islamisten hatten ihn deswegen mit dem Tode bedroht. Erst im vergangenen Monat hatte der Minister Änderungen am Blasphemie-Gesetz gefordert, um den weit verbreiteten Missbrauch zu stoppen. Er hatte kritisiert, das Gesetz werde von muslimischen Extremisten als Werkzeug genutzt, „um ihre persönlichen Rechnungen zu begleichen“. Minderheiten würden unter dem Gesetz leiden.

          Bhatti hatte gesagt, wegen seiner Kritik erhalte er Todesdrohungen. Er sei aber bereit, für seine Haltung zu sterben. Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen hinterließen die Attentäter ein Flugblatt am Tatort, bevor sie die Flucht ergriffen. Darauf habe sich eine Taliban-Gruppe aus der ostpakistanischen Provinz Punjab der Tat bezichtigt, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Weiter habe es auf dem Flugblatt gestanden, all jene, die Änderungen am Blasphemiegesetz forderten, würden getötet werden. Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Mord.

          Der 42 Jahre alte Bhatti hatte sich auch für die Christin Asia Bibi eingesetzt, die wegen Blasphemie von einem Gericht im Punjab zu Tode verurteilt wurde. Der Fall ist nun vor dem Obersten Gericht in der Provinzhauptstadt Lahore anhängig. Wegen Kritik am Blasphemie-Gesetz war zu Jahresbeginn der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter erschossen worden. Auch er hatte sich für Asia Bibi eingesetzt. Der Attentäter Mumtaz Hussain Qadri wird von weiten Teilen der Bevölkerung als Held gefeiert.

          Der ermordete pakistanische Minister für Minderheitsangelegenheiten Shahbaz Bhatti (auf einer Aufnahme vom Februar 2010)

          Schwerste Strafen bei Schändung des Koran

          Ein Augenzeuge sagte am Mittwoch dem Sender Dunya TV, ein weißes Auto habe vor dem Wagen Bhattis angehalten. Zwei Männer seien herausgesprungen und hätten das Feuer von vorne und von der Seite eröffnet. „Dann schauten sie nach, um sicherzugehen, dass er nicht überleben wird, und flohen in ihrem Auto.“ Bhattis Fahrer habe den Kugelhagel überlebt und den Minister zum Krankenhaus gefahren. Doch die Ärzte konnten nichts mehr für den Minister tun. Pakistans Blasphemie-Gesetzt verbietet generell die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt.

          Die schwersten Strafen können bei der Schändung des Koran und des Namens des Propheten Mohammed verhängt werden. Islamisten laufen Sturm gegen Änderungen an dem Gesetz. Die PPP-Abgeordnete Sherry Rehman war Anfang Februar damit gescheitert, Änderungen des Gesetzes ins Parlament einzubringen. Unter dem Druck islamistischer Massenproteste hatte Premierminister Syed Yousuf Raza Gilani angekündigt, Rehman werde ihre Änderungsvorschläge zurückziehen. Auch sie erhielt Todesdrohungen. Bhatti hatte betont, die religiösen Minderheiten forderten weder die völlige Abschaffung des Gesetzes noch Straffreiheit für Gotteslästerung. Dennoch hätten muslimische Extremisten die Massen aufgestachelt. „Und ich glaube fest daran, dass Elemente bei den Protesten den Taliban angehörten.“ Sie wollten durch die Aufwiegelei die Aufmerksamkeit der Regierung vom Krieg gegen den Terrorismus ablenken und die Atommacht Pakistan destabilisieren.

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