https://www.faz.net/-gpf-71zr3

Pakistan : Imran Khans Drohnenkrieg

Peshawar: Imran Khan im Kreise seiner Anhänger Bild: AFP

Der frühere pakistanische Cricketstar hat auch im Wahlkampf gute Chancen. Imran Khan setzt auf einen populistisch-religiösen Kurs.

          2 Min.

          Imran Khan, Sportheld und politischer Populist, ist ein schillernder Mann, dem die Sympathien der politikverdrossenen städtischen Mittelschichten zufliegen, obwohl - vielleicht auch weil - er einen religiösen Kurs steuert. Entsprechend erstaunt reagierte die pakistanische Öffentlichkeit, als verbreitet wurde, dass ihn ausgerechnet die Islamisten als „Ungläubigen“ bezeichnet und mit dem Tod bedroht haben.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Am Donnerstag nahmen die pakistanischen Taliban ihre Drohung dann teilweise wieder zurück, bestätigten aber wesentliche Passagen eines Interviews, das die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press in den südwasirischen Stammesgebieten geführt hatte.

          Gegenstand des Gesprächs mit dem Sprecher der „Tehrik-e-Taliban Pakistan“ (TTP), Ahsanullah Ahsan, war unter anderem Khans Vorhaben, demnächst einen Protestzug in die Unruheregion anzuführen, um dort gegen die amerikanischen Drohnenangriffe zu demonstrieren. Ahsan kommentierte dies laut AP als Hilfe von der falschen Seite: „Wenn er kommt, werden wir einen unserer Selbstmordattentäter auf ihn ansetzen.“ Ahsan dementierte dies später und sagte, dass erst eine Schura über Khans Aktion befinden müsse. Indirekt bekräftigte er jedoch die Todesdrohung, weil er jede Partei zum Angriffsziel erklärte, die an den kommenden Parlamentswahlen teilnehme. Wahlen, sagte er, seien Bestandteil eines säkularen Systems und hätten im Islam nichts zu suchen. Weder Khan noch seine Partei „Pakistan Tehreek-e-Insaf“ (PTI) kommentierten dies zunächst.

          Anhängerschaft auf Punjab begrenzt

          Khan will mit seiner spektakulären Aktion in den Stammesgebieten von der antiamerikanischen Stimmung im Land profitieren. Der Auslandsgeheimdienst CIA verfolgt mit seinen Drohnenangriffen mutmaßliche Terroristen und hat so in den vergangenen Jahren Hunderte Kämpfer, aber auch zahlreiche Zivilisten getötet. Im Land findet sich niemand, der die Angriffe gutheißt. Das Parlament in Islamabad hat einstimmig ein Ende der Angriffe verlangt. Die Regierung protestiert in regelmäßigen Abständen, auch wenn Gerüchte nicht verstummen wollen, dass der pakistanische Geheimdienst dem CIA immer wieder Zielinformationen zukommen lässt. Zumindest Teile des pakistanischen Sicherheitsapparates betrachten die pakistanischen Taliban als Staatsfeinde.

          Der frühere Kapitän der Cricket-Nationalmannschaft hatte nicht immer den Beinamen „Taliban-Khan“. In seiner Jugend, die er zu Teilen in Großbritannien verbrachte, war Khan eher als Pub- und Nachtclubgänger bekannt. Die pakistanische Presse berichtete zudem über mehrere Affären, bis er nach seiner aktiven Zeit 1995 die britische Journalistin Jemima Marcelle Goldsmith heiratete. In diese Zeit fiel auch die Gründung seiner Partei, die später den Putsch von General Musharraf unterstützte. Spätestens nach seiner Scheidung vor acht Jahren wandte sich Khan dann stärker dem Islam zu. In den vergangenen Monaten hat er sich immer wieder als Kritiker der Vereinigten Staaten und Gralshüter islamischer Werte präsentiert. Im Frühjahr sagte er die Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung in Delhi ab, weil dort auch der Schriftsteller Salman Rushdie reden sollte. Er inszenierte dies als Solidaritätskundgebung für die durch Rushdies Bücher „tief verletzten Muslime.“

          Seine jüngeren Stadien-Auftritte zogen Zehntausende Interessierte an und wurden zum Teil wie Volksfeste gefeiert. Aber Khans Anhängerschaft ist bislang weitgehend auf den Punjab begrenzt, wo traditionell die Muslimliga verwurzelt ist. Beobachter erwarten, dass sich die beiden Parteien in Pakistans größter Provinz gegenseitig Stimmen abjagen werden, während sich die regierende PPP auf den Rest des Landes konzentrieren kann. Khans geplanter Protestzug in die Stammesgebiete dient insofern auch dem Zweck, seine Wählerbasis zu verbreitern.

          Weitere Themen

          Ziemlich bissige Kandidaten

          Dreyer und Baldauf im TV-Duell : Ziemlich bissige Kandidaten

          In rund einer Woche wählt Rheinland-Pfalz. Im Fernsehduell bringt Ministerpräsidentin Dreyer den CDU-Spitzenkandidaten Baldauf kurz in Erklärungsnot. Die Bilanz ihrer Regierung ist allerdings auch nicht perfekt.

          Topmeldungen

          Fernsehduell vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (links), SWR-Chef Fritz Frey und CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf

          Dreyer und Baldauf im TV-Duell : Ziemlich bissige Kandidaten

          In rund einer Woche wählt Rheinland-Pfalz. Im Fernsehduell bringt Ministerpräsidentin Dreyer den CDU-Spitzenkandidaten Baldauf kurz in Erklärungsnot. Die Bilanz ihrer Regierung ist allerdings auch nicht perfekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.