https://www.faz.net/-gpf-6m1lt

Pakistan : China soll amerikanische Tarnkappentechnik inspiziert haben

  • Aktualisiert am

Zurückgelassener Tarnkappen-Hubschrauber in Abbottabad Bild: REUTERS

Chinesische Militärtechniker durften in Pakistan angeblich einen zurückgelassenen Hubschrauber der amerikanischen Armee untersuchen. Dabei sollen sie Proben der „Tarnkappenhaut“ genommen haben. Pakistan dementiert die Berichte.

          2 Min.

          Pakistan soll China erlaubt haben, geheime amerikanische Militärtechnik zu inspizieren. Demnach durften chinesische Militärtechniker in Pakistan angeblich einen bei der Tötung von Al-Qaida-Chef Usama Bin Ladin beschädigt zurückgelassenen Hubschrauber der amerikanischen Armee untersuchen.

          Wie die Zeitung „New York Times“ am Sonntagabend unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Behördenmitarbeiter berichtete, war der Hubschrauber mit einer speziellen Geheimtechnik ausgerüstet, um nicht vom Radar erfasst werden zu können. Auf Einladung pakistanischer Geheimdienstvertreter hätten Experten aus Peking Fotos von dem abgetrennten Heck des Hubschraubers vom Typ Black Hawk machen dürfen.

          Amerikanische Vertreter sagten der Zeitung, es gebe keine „endgültigen Beweise“ für den Besuch der Chinesen in Abbottabad. Die Vorwürfe stützen sich auf abgehörte Gespräche, in denen Pakistaner darüber sprechen, die Chinesen auf die Absturzstelle einzuladen. Geheimdienstmitarbeiter seien sich aber „sicher“, dass die Chinesen den Hubschrauber fotografieren und sogar Teile des Wracks mitnehmen duften.

          Proben der speziellen „Tarnkappenhaut“ genommen?

          Die Financial Times berichtet hingegen auf ihrer Internetseite: „Den Vereinigten Staaten liegen die Information vor, dass Pakistan - speziell der militärische Nachrichtendienst ISI - dem chinesischen Militär Zugang zu dem abgestürzten Hubschrauber in Abbottabad gewährt hat“. Das soll ein Geheimdienstler der Zeitung gesagt haben. Demnach hätten die chinesischen Experten das Wrack untersuchen, es fotografieren und Proben der speziellen „Tarnkappenhaut“ nehmen dürfen, die den Hubschrauber unsichtbar für Radar machen.

          Weiter heißt es: Unter Berufung auf einen hochrangigen amerikanischen Regierungsvertreter, es sei „schwierig zu sagen“, wie nützlich die Informationen für die Chinesen sein könnten. Der Hubschrauber sei bei der Operation größtenteils zerstört worden.

          Pakistan: „Kampagne gegen unsere Streitkräfte“

          Pakistan hat die Berichte zurückgewiesen. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte Armeesprecher Athar Abbas der Nachrichtenagentur dpa am Montag. Abbas sagte weiter, die Berichte seien Teil einer „Kampagne“ gegen die pakistanischen Streitkräfte. Ein Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, er habe „große Zweifel“ an der Geschichte. „So etwas würde nie passen“, sagte er. Außenamtssprecher Jiang Yu hatte Berichte über eine angebliche Bitte aus Peking, das Wrack sehen zu dürfen, schon im Mai als „lächerlich“ bezeichnet.

          Bin Ladin war Anfang Mai von einer amerikanischen Spezialeinheit in Abbottabad getötet worden. Berichten zufolge mussten die Soldaten der Navy Seals einen der Hubschrauber, mit denen sie auf dem Anwesen gelandet waren, wegen technischer Probleme zurücklassen. Sie hätten zwar noch versucht, den beschädigten Hubschrauber zu zerstören, das Heck sei aber weitgehend intakt geblieben.

          Nicht nur Luftwaffenexperten staunten damals über die Existenz eines Tarnkappen-Hubschrauber - einer umgerüsteten Version der „Black Hawk“-Hubschrauber der Amerikaner. Außerhalb des amerikanischen Militärs hatte zuvor niemand ein Exemplar des streng geheimen Tarnkappen-Hubschrauber zu Gesicht bekommen.

          Die Beziehungen zwischen Pakistan und den Vereinigten Staaten hatten sich nach der Kommandoaktion deutlich verschlechtert. Der Einsatz gegen den Al-Qaida-Chef hatte aufgedeckt, dass Bin Laden schon lange unbehelligt in Pakistan lebte. Die Regierung in Islamabad zeigte sich wiederum verärgert, dass die Vereinigten Staaten ihre Behörden nicht vorab über die Aktion informiert hatten.

          Weitere Themen

          Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen - und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.

          Topmeldungen

          EU-Unterhändler Michel Barnier

          Europäische Union : Hoffnung auf Gipfel-Deal zum Brexit

          Die EU und Großbritannien sind deutlich vorangekommen - und trotzdem ist ein neuer Brexit-Vertrag beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel noch keine ausgemachte Sache. Es steht ein schwieriger Gipfel bevor.

          Proteste in Hongkong : China setzt auf Konfrontation

          Der Hass auf Peking hat eine radikale Eigendynamik entwickelt. In Hongkongs Jugend wächst die Sehnsucht nach einer eigenen Nation. Für alle Seiten droht ein bitteres Ende.
          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.