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Pakete aus dem Jemen : Die Spur verliert sich im Sand

Jemens Hauptstadt Sanaa: Dort wurden die Pakete abgeschickt, die Sprengstoff enthielten Bild: REUTERS

Nach der Entdeckung der explosiven Luftfracht konzentrieren sich die Ermittler auf zwei Personen. Doch Al Qaidas wirklich gefährliche Führer kennt man nicht. Diese operieren vom Jemen aus, handeln entschlossen und kreativ.

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          Die Gefahr aus dem Jemen hat in der vergangenen Woche zwei Gesichter bekommen, die einander ergänzen: Ibrahim al Assiri, der Saudi, der die Paketbomben für Chicago gebaut haben soll, und Anwar Aulaqi, der jemenitische Prediger, der in den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist und heute der Kopf von Al Qaida im Jemen sein soll. Der eine blickt voller Hass dem Betrachter entgegen, der andere predigt nachdenklich und strahlt Ruhe aus. Nach ihnen wird nun gefahndet, auch wenn andere Köpfe für die Gefahr, die vom Jemen ausgeht, bedeutender sind.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind zwei Pakete abgeschickt worden, die Druckerpatronen enthalten haben. In ihnen war der Sprengstoff PETN versteckt, bei dem kein Detektor anschlägt. Dann aber verläuft die Spur im Sand. Denn offenbar hat die Studentin, die zunächst verhaftet wurde, die Pakete nicht abgeschickt.

          Der „Unterhosenbomber“ wartete auf Detroit

          Unklar bleibt ferner, von wem der Hinweis kam, dass die Pakete unterwegs sind. Es hieß, ein saudischer Doppelagent namens Dschabir al Faifi habe den saudischen Geheimdienst auf die Fährte gebracht. Faifi aber hatte sich bereits am 4. September dem Geheimdienst offenbart. Und der würde niemals den Namen eines Agenten publik machen. Auf der anderen Seite hätte Al Qaida gewiss nicht an einem Plan festgehalten, wäre sie der Überzeugung gewesen, dass ein Überläufer diesen verraten hätte.

          So aber führte sie den Plan aus, und die beiden Paketbomben zeigten der Welt, dass Al Qaida im Jemen zu handeln entschlossen und kreativ ist. Solange Al Qaida nur im Jemen Anschläge verübt hat, hat sich die Welt lediglich am Rande dafür interessiert. Das änderte sich schlagartig im vergangenen Jahr, als sie erst mit einem Anschlag auf den stellvertretenden saudischen Innenminister Muhammad Bin Nayef Al Saud einen regionalen Auftrag beanspruchte und wenig später mit dem versuchten Anschlag auf ein Flugzeug, das Detroit anflog, auch einen internationalen Auftrag.

          Al Qaidas Ziel ist es, die Vereinigten Staaten auf amerikanischem Boden zu treffen. Sonst hätte der „Unterhosenbomber“ Abdulmutallab seinen Sprengsatz ja schon in Amsterdam zünden können. Er wartete aber auf Detroit. Und diesmal waren die Adressaten Synagogen in Chicago.

          Da kommt der Prediger Aulaqi ins Spiel, der 1971 in New Mexico geboren wurde und amerikanischer Staatsbürger ist. Er wird oft als das Gehirn von Al Qaida im Jemen bezeichnet, was seine Bedeutung aber überschätzt. Aulaqi sei weder der Stratege von Al Qaida noch für das operative Geschäft eine Schlüsselfigur, sagt Nicole Stracke, Terrorexpertin im „Gulf Research Center“ in Dubai. Eine Rolle spiele er wohl bei der Rekrutierung, und das auch international. Denn er spricht Englisch und er versteht das westliche Denken. Er weiß also, wo er anzusetzen hat. So weist der amerikanische „Council on Foreign Relations“ darauf hin, dass mehrere Dutzend amerikanische Kriminelle, blond und blauäugig, in amerikanischen Gefängnissen zum Islam konvertierten, sich in den Jemen absetzten und dort von den Radarschirmen der westlichen Geheimdienste verschwanden. Ihr Imam ist mutmaßlich Aulaqi.

          Von 240 geplanten Anschlägen kamen 10 zur Ausführung

          Die Vereinigten Staaten fordern seine Auslieferung. Würde die jemenitische Regierung das wagen, würde sie einen Krieg mit dem mächtigen Stamm der Aulaq heraufbeschwören, dem er angehört. Um dem vorzubeugen, hat ein jemenitisches Gericht Aulaqi in der vergangenen Woche zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Die muss er im Jemen verbüßen.

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