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Nach Tod von Student  : Das heikle Geschäft mit Nordkorea-Reisen

Freundlicher Empfang oder martialische Szene? Nordkoreaner bei einer Militärparade im April in Pjöngjang. Zu der Zeit saß der mittlerweile verstorbene Student Otto Warmbier noch in Haft im Land. Bild: dpa

Irgendwie wird schon alles gutgehen – so lautete bislang die Devise bei Nordkorea-Reisen. Doch der Tod des amerikanischen Studenten Otto Warmbier nach langer Haft wirft Fragen auf.

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          Der am Montag nach langer Haft in Nordkorea verstorbene Amerikaner Otto Warmbier war mit der Reiseagentur „Young Pioneer Tours“ mit Sitz im chinesischen Xi'an unterwegs. Dessen Geschäftsführer und Gründer, Gareth Johnson, zeigte sich in den vergangenen Monaten wenig kommunikativ im Umgang mit Journalisten. Ein knappes halbes Jahr nach Warmbiers Inhaftierung Anfang 2016 wollte er sich zu dem Fall gar nicht äußern, zumindest nicht zitierfähig. Er wollte die diplomatischen Bemühungen, Warmbier freizubekommen, nicht durch irgendwelche unbedachten Äußerungen gefährden. Noch in der vergangenen Woche, als der 22 Jahre alte Student im Koma lag und zurück in seine Heimat geflogen wurde, hielt sich Johnson bedeckt – dieses Mal im Interesse von Warmbiers Familie und ihres Anspruches auf Privatsphäre, wie er durchblicken ließ. Warmbier war aus angeblich „humanitären Gründen“ freigelassen worden. Am Montag starb er. Nach Angaben der Ärzte hatte Warmbier während der Haft schwere Hirnverletzungen erlitten.

          Neben diesen Gründen der Vorsicht und Pietät dürfte ein weiterer Grund Johnson zum Schweigen animiert haben: Seine Agentur, die der britische Auswanderer 2008 in China gegründet hatte, bietet vornehmlich jungen, abenteuerlustigen Touristen Nordkorea-Reisen an. Als einer der wenigen Anbieter organisiert sie Tauch- und auch Radtouren in Nordkorea, wirbt damit, einen dorthin zu bringen, wo noch nie zuvor westliche Reisende gewesen seien, zum Beispiel im von Pjöngjang fernen und weitaus schlechter zugänglichen Nordosten des Landes nahe der chinesischen und russischen Grenze.

          Am Ende wurde aus dem Fall Otto Warmbier eine Tragödie: Der Student bei seinem Schauprozess in Pjöngjang im März 2016

          „Young Pioneer Tours“ spricht sehr direkt und gekonnt junge Leute an. Die Agentur offeriert, Touristen an Orte zu bringen, „von denen deine Mutter dich fernhalten will“. Das Ganze für einen Budget-Preis von knapp 1000 Euro für vier Tage und drei Nächte. Eines ist klar: Johnson bangte von Beginn an nicht nur um das Leben Warmbiers, sondern auch um die Geschäftsgrundlage seines Unternehmens.

          In E-Mails wandte er sich gegen alles und jeden, der Nordkorea zum unsicheren Reiseland erklären wollte. Selbst nach dem Tod Warmbiers bewirbt die Agentur das abgeschottete kommunistische Land  noch immer als „einen der sichersten Orte der Welt“. Die Antwort auf die Frage: „Wie sicher ist Nordkorea?“ wurde auf der Homepage allerdings verändert: Noch am Montag begann sie mit den Worten „Extremely safe!“ Jetzt klingt das so: „Auch wenn Sie anderes gehört haben, ist Nordkorea für Menschen aus den meisten Ländern wahrscheinlich einer der sichersten Orte der Welt, wenn Sie sich an die Regeln halten, die wir Ihnen erklären.“

          „Wie sicher ist Nordkorea? Extrem sicher!“ Screenshot von der Young Pioneer Tours-Homepage vom Montag.

          Zum Beispiel an die Regel, möglichst keine politischen Debatten mit den lokalen Reiseführern vom Zaun zu brechen oder bestimmte Orte zu fotografieren. Oder Propagandaplakate mitzunehmen. Eine Regel, an die sich Warmbier möglicherweise nicht gehalten hatte, folgt man den Vorwürfen des nordkoreanischen Regimes, das dem Studenten den Diebstahl eines Propagandaplakates im Pjöngjanger Touristen-Hotel „Yanggakdo“, das vornehmlich von Pauschalgruppen aus dem Westen und China frequentiert wird, vorhielt. Auf dem als „Beweis“ vorgelegten verwackelten Video lässt sich Warmbier jedoch nicht identifizieren. Und selbst wenn: Nach den bisherigen Erfahrungen hatten solche Dumme-Jungen-Streiche zumindest für Nordkorea-Reisende ohne koreanischen Migrationshintergrund meist „nur“ eine Ausweisung aus dem Land zur Folge. Warmbier aber wurde zu jahrelangem Arbeitslager verurteilt. Wurde ihm womöglich seine amerikanische Staatsbürgerschaft zum Verhängnis?

          Johnson sieht das offenbar so, denn nur rund anderthalb Stunden, nachdem die Nachricht von Warmbiers Tod am Montagabend die Runde machte, nahm seine Reiseagentur Nordkorea-Besuche für amerikanische Touristen aus dem Programm. Das Risiko sei „zu groß gewesen“, teilte das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite mit. „Wir werden für US-Bürger keine Reisen mehr nach Nordkorea organisieren.“ Schon bislang gab es Restriktionen für Amerikaner, die beispielsweise lange Zeit den Zug von Peking nach Pjöngjang nicht nehmen, sondern nur mit dem Flugzeug einreisen durften. Aber gerade solche Einschränkungen verstärkten für abenteuerlustige Amerikaner den Impuls, in das Land zu reisen, das der ehemalige Präsident George W. Bush einst zur „axis of evil“, zur Achse des Bösen, zählte. Wer war schon in Nordkorea?

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