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Ostukraine : Droht ein neues Tschernobyl?

Bergungsmannschaften 1986 bei Aufräumarbeiten nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl Bild: dpa

In der Ostukraine läuft eine Grube voll Wasser, in der 1979 eine Atombombe gezündet wurde. Ende 2019 könnte die Grube überlaufen – mit unvorhersehbaren Folgen.

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          Die Grube Junij Komunar läuft voll. Das allein wäre noch keine Nachricht. Im östlichen Teil des ukrainischen Kohle- und Stahlreviers Donbass laufen viele Gruben voll, seit 2014 russische Truppen dort einmarschiert sind. Es herrscht Krieg, und zur Normalität des Krieges gehört, dass in Gruben manchmal die Wasserpumpen ausfallen. Aber bei Junij Komunar ist nichts normal. Dieses Bergwerk ist anders als andere: Es ist radioaktiv. 1979, als die Ukraine noch zur Sowjetunion gehörte, ist hier in 903 Metern Tiefe eine Atombombe gezündet worden. Oben gab es ein kleines Erdbeben, dann aber schien zwischen den Fördertürmen des Reviers alles wieder zu sein wie immer.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Unten aber liegt seither ein Ding, das es in sich hat: Fachleute beschreiben es als eine bis zu 25 Meter dicke, radioaktive Blase aus schmutzig verglaster Gesteinschmelze, durchsetzt von allem, was Atomexplosionen so zurücklassen. Da liegt das Bombenmaterial Plutonium-239, aber da liegen auch die radioaktiven Isotope Strontium-90, Cäsium-137 und Americium-241, die bei Atomexplosionen entstehen. All diese Atomgifte sollten eigentlich bis ans Ende der Tage im Schoß der ostukrainischen Erde ruhen. Jetzt aber herrscht Krieg, und die Strukturen des ukrainischen Staats sind in dieser Region zusammengebrochen. In der Stadt Jenakijewe, unter deren Schloten und Hochöfen sich die Grube Junij Komunar ausdehnt, liegt ohnehin die „Donezker Volksrepublik“ – ein Regime russischer und einheimischer Clans, deren Führer sich unablässig gegenseitig ermorden, alle zusammen aber die Ukraine mit Krieg überziehen.

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