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Ostukraine : Separatisten betreiben offenbar Arbeitslager

Ein prorussischer Separatist der „Volksrepublik Lugansk“ in der Nähe der gleichnamigen Stadt (Archivbild) Bild: AFP

In den prorussischen „Volksrepubliken“ rund um die Städte Donezk und Luhansk sollen Tausende Menschen in Arbeitslagern gefangen gehalten werden. Die ukrainische Regierung kann ihnen offenbar nicht helfen.

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          Die prorussischen Regimes im besetzten Osten der Ukraine zwingen offenbar mehrere tausend Gefangene zu Sklavenarbeit. Das berichtete der Deutschlandfunk am Donnerstag. Den Informationen des Senders zufolge schätzt die „Menschenrechtsgruppe Ostukraine“, dass bis zu 10.000 Personen in den sogenannten „Volksrepubliken“ der besetzten Gebiete rund um die Städte Donezk und Luhansk in Arbeitslagern gefangen gehalten werden. Viele von ihnen sind offenbar ehemals reguläre Strafgefangene aus der Zeit vor der russischen Intervention, andere sind Kriegsgefangene, und eine weitere Gruppe wurde von den prorussischen Machthabern von heute ins Gefängnis gesteckt.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die von Moskau eingesetzten „Regierungen“ der besetzten Gebiete haben auf Anfragen des Deutschlandfunks offenbar nicht reagiert, so dass die Informationen des Senders auf die Recherchen ukrainischer Menschenrechtler, auf Treffen mit entlassenen Gefangenen, Telefonate mit noch einsitzenden Opfern und ukrainischen Politikern zurückgehen. Die „Menschenrechtsgruppe Ostukraine“ nennt die Arbeitslager „GULags mit Moskauer Billigung“ und schätzt, dass die verarmten Regimes der Besatzer an der Arbeit ihrer „Sklaven“ etwa eine halbe Million Euro im Monat verdienen.

          Ein Gefangener, mit dem die Korrespondentin des Deutschlandfunks Sabine Adler telefonieren konnte, sagte, wer sich weigere, zu arbeiten, werde mit monatelanger Isolationshaft bestraft. Die „Menschenrechtsgruppe Ostukraine“ berichtet allerdings von zwei Fällen, in denen Häftlinge sich freikaufen konnten, indem sie sich zum Waffendienst für die Besatzer verpflichteten.

          Die Ombudsfrau für Menschenrechte des ukrainischen Parlaments, Valerija Lutkowska, sagte, die Regierung in Kiew könne ihren Bürgern in diesen Straflagern nicht helfen, weil die ukrainischen Gesetze dort nicht mehr gelten würden. Mit Rücksicht auf Verhandlungen mit den Besatzern über die Gefangenen vermied sie das Wort „Zwangsarbeit“, bestätigte jedoch, dass es in den besetzten Gebieten „Strafkolonien“ gebe. „Dort sind jetzt Häftlinge, die vor dem Konflikt von ukrainischen Gerichten, und solche, die von den sogenannten Volksrepubliken verurteilt worden sind. Und es gibt dort auch Kriegsgefangene. Deswegen kann man kaum sagen, wie viele Menschen das betrifft.“

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