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Angriffswelle in Syrien : „Die Raketen fallen wie Regen“

  • Aktualisiert am

Von Weißhelmen veröffentlichtes Foto zeigt Mitglieder des Zivilschutzes, die nach einem Luftangriff in Ost-Ghuta den Überlebenden zu Hilfe eilen. Bild: dpa

Der Dauerbeschuss nimmt kein Ende, trifft Kliniken und Wohnhäuser. Rund 400.000 Menschen sind in dem Inferno gefangen. Rufe nach einer Feuerpause verhallen bisher.

          Im Syrien-Konflikt werden die Rufe nach einer Waffenruhe für das umkämpfte Gebiet Ost-Ghuta immer lauter. Die Bundesregierung appellierte am Mittwoch eindringlich an den syrischen Machthaber Baschar al-Assad und seine Verbündeten Russland und Iran, die Angriffe in Ost-Ghuta zu beenden. Assad führe einen Feldzug gegen die eigene Bevölkerung, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Lage der etwa 400.000 Menschen in Ost-Ghuta sei katastrophal. Die Region zählt zu den letzten größeren Rebellengebieten in Syrien.

          Auch UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich höchst alarmiert und forderte erneut eine Feuerpause. Die Lage für die Zivilisten in Ost-Ghuta nahe Damaskus sei verheerend, betonte er in einer in New York verbreiteten Erklärung. Mehr als 700 Kranke und Verletzte müssten dringend aus der Kampfzone in Sicherheit gebracht werden. Alle Kriegsparteien, auch die Rebellen, müssten die Grundsätze des humanitären Völkerrechts achten und Zivilisten schonen.

          Die Bundesregierung erinnerte an die Belagerung Aleppos 2016 und kritisierte vor allem die syrische Armee. „Das Regime enthält den leidenden Menschen dort systematisch Nahrungsmittel vor, Medikamente, medizinische Ausrüstung“, sagte Seibert. Ziel sei, „die Rebellen, die dieses Gebiet kontrollieren, zur Aufgabe zu zwingen oder sie zu vernichten“. Man müsse fragen, wo Russland und Iran seien, die in der Vergangenheit erklärt hätten, für eine Waffenruhe auch in Ost-Ghuta zu garantieren.

          Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurden in dem Gebiet durch Luftangriffe in drei Tagen fast 300 Menschen getötet. 1.400 seien verletzt worden. „Die Raketen fallen wie Regen“, sagte ein Bewohner Ost-Ghutas der syrischen Zivilschutzorganisation „Weißhelme“. Die SOS-Kinderdörfer berichteten, dass auch ihre Mitarbeiter unter Beschuss geraten seien. „Alle sind angewiesen, sich in den Kellern zu verbarrikadieren“, berichtet eine Helferin, die nur knapp eine Bombenexplosion überlebte.

          Auch der Internationale Flüchtlingsdienst der Jesuiten muss seine Arbeit in Damaskus zwischenzeitlich immer wieder einstellen, wie das Hilfswerk Misereor berichtete. „Männer, Frauen und Kinder stehen massiv unter Schock, weil sie erneut Opfer und Zeugen blutiger Angriffe auf Zivilisten geworden sind“, erklärte Pater Nawras Sammour vom Flüchtlingsdienst.

          Die syrische Armee zielt im Rebellengebiet Ost-Ghuta nach Einschätzung der Hilfsorganisation „Adopt a Revolution“ auf größtmögliche Zerstörung. „Es geht darum, das Leben dort unerträglich zu machen, ein Inferno zu schaffen“, sagte Geschäftsführer Elias Parabo dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Momentan kann keiner fliehen“, sagte Parabo. „Das ist ein Gefängnis.“ Dazu komme „eine unglaubliche Angst vor dem Regime“ in der Bevölkerung, so dass auch mögliche Evakuierungsangebote auf Skepsis stießen.

          Binnen 24 Stunden seien bis Mittwochnachmittag allein zwölf Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen getroffen worden. „Der Tod kommt aus der Luft“, betonte der Syrien-Experte, dessen Organisation mit Sitz in Leipzig sich für die Stärkung der syrischen Zivilgesellschaft einsetzt und Projekte in Ost-Ghuta unterstützt, darunter Schulen und Frauenzentren.

          In Syrien kämpfen das Regime von Machthaber Assad, Rebellen und Terrormilizen um die Macht. Neben Russland stehen iranische und andere Milizen auf der Seite Assads. Ferner geht die Türkei gegen kurdische Verbände in Afrin in Nordsyrien vor. Seit 2011 wurden Hunderttausende Menschen getötet, Millionen sind auf der Flucht.

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