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Anschlag von Oslo : Schuldfragen in Norwegen

  • -Aktualisiert am

Bunte Farben, düstere Gedanken: Am Tatort in Oslo legten viele Bürger am Sonntag Blumen für die Opfer nieder. Bild: AP

Die Sicherheitsbehörden wussten offenbar, dass der Täter von Oslo islamistisch radikalisiert und auch gewaltbereit war. Hätten sie den Angriff verhindern können?

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          Wenn es nach einem tödlichen Anschlag wie dem Angriff auf eine Schwulen- und Lesbenbar in Oslo heißt, es werde geprüft, ob der mutmaßlich islamistisch radikalisierte Täter psychisch krank sei, so mutet das immer etwas zynisch an: Ist es nicht aus sich heraus geisteskrank, an einen Ort zu gehen, an dem fremde Menschen fröhlich feiern, um möglichst viele von ihnen zu erschießen?

          Doch natürlich muss die Schuldfähigkeit des Täters geprüft werden. Das gehört zur offenen, rechtsstaatlichen Gesellschaft wie die Gay-Pride-Parade in Oslo, die nach der Bluttat am Samstag zunächst wegen Sicherheitsbedenken abgesagt wurde.

          Die Grenzen der Gefährder-Überwachung

          Schuldfragen ganz anderer Art müssen sich nun auch die norwegischen Sicherheitsbehörden stellen. Sie kennen den eingebürgerten Iraner seit Langem, wussten von seiner Vernetzung mit Islamisten ebenso wie offenbar von einer gewissen Gewaltneigung – und erkannten in ihm dennoch keine akute Gefahr, als sie ihn noch vor wenigen Wochen befragten.

          Über ihre Abwägung ist im Einzelnen zunächst nichts bekannt geworden. Doch werden sich auch Geheimdienstler, Polizisten und Politiker in anderen westlichen Ländern bereits jetzt in einer bitteren Erkenntnis bestätigt fühlen: Radikalisierungen festzustellen ist zwar oft schwer, aber nie genug. Die Überwachung möglicher Gefährder jedoch stößt schnell an Grenzen der Machbarkeit – und des Rechtsstaats in der offenen Gesellschaft.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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