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Verbleibende Ortskräfte : Ausharren in Kabul

Frauen in Burkas warten vor einer Kabuler Bäckerei auf kostenloses Brot. Bild: AFP

Mehr als 5000 Menschen hat Deutschland seit der Machtübernahme der Taliban aus Afghanistan ausgeflogen. Doch Tausende warten noch auf Hilfe.

          3 Min.

          Nach und nach gewinnt die Bundesregierung einen Überblick darüber, wie viele Ortskräfte bereits nach Deutschland gekommen sind und wer weiter auf Aufnahme hofft. Das Bundesinnenministerium teilte am Freitag mit, dass seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August 259 Ortskräfte mit ihren Familien eingereist seien, zusammen sind es 1204 Menschen. Insgesamt sind in der Zeit zwischen Anfang 2013 und dem 13. September dieses Jahres 1435 Ortskräfte eingereist.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Die Zahl der Familienangehörigen, die mitgekommen sind, war am Freitag nicht in Erfahrung zu bringen, im Schnitt sind es vier Familienangehörige, so dass die Gesamtzahl der eingereisten Ortskräfte mit Familien bei rund 7000 Personen liegen dürfte. Seit Beginn der Evakuierungsmission kamen 5404 Menschen nach Deutschland. Unter ihnen sind demnach 4559 Afghanen und 522 Deutsche. Die meisten von ihnen, nämlich 4587 Menschen, waren bis zum Ende der Luftbrücke aus Kabul mit Evakuierungsflügen der Bundeswehr aus dem Land gekommen.

          Hausdurchsuchungen bei Ortskräften

          Doch noch immer halten sich Tausende mit ihren Familien in Afghanistan versteckt und warten auf eine Möglichkeit, das Land zu verlassen, unter ihnen viele frühere Ortskräfte von Bundeswehr, Bundespolizei und deutscher Entwicklungshilfe. Nach Schätzungen der Bundesregierung beläuft sich die Gesamtzahl der Schutzberechtigten inklusive ihrer Familien auf rund 50.000. Das Bundesinnenministerium hatte in dieser Woche für 2600 besonders gefährdete Personen, die sich mehrheitlich in Afghanistan, Pakistan, Doha aufhalten, eine Aufenthaltszusage erteilt. Darunter sind Menschenrechtler, Künstler, Wissenschaftler und Journalisten.

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          Die Sprecherin des Auswärtigen Amts versicherte, es sei das Ziel der Bundesregierung, deutschen Staatsangehörigen, den Ortskräften und den Schutzsuchenden, die eine Aufnahmezusage erhalten hätten, bei der Ausreise aus Afghanistan zu helfen. Dazu stehe man in engem Kontakt mit Pakistan und Qatar, die bereits zivile Flüge organisiert hätten. Doch bei vielen derer, die sich noch in Afghanistan versteckt halten, schwindet die Hoffnung. Frühere Ortskräfte berichten aus Kabul, dass der Verfolgungsdruck von Seiten der herrschenden Taliban wachse. Immer häufiger komme es zu Hausdurchsuchungen.

          Welchen Kurs das Regime dort insgesamt nehmen wird und was das für die Menschen im Land bedeutet, ist derweil weiterhin unklar. Die Versorgungslage ist äußerst angespannt. Am Donnerstag hatte die UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Deborah Lyons, den neuen Innenminister Sirajuddin Haqqani getroffen und mit ihm über die humanitäre Krise gesprochen. Haqqani habe zugesichert, dass die Arbeit des UN-Personals nicht behindert werde, teilten die Taliban später mit. Der Innenminister gilt als einer der mächtigsten Taliban-Führer und ist Chef des berüchtigten Haqqani-Netzwerks, das für zahlreiche blutige Selbstmordanschläge auch auf UN-Einrichtungen verantwortlich gemacht wird.

          Freundlich, aber ohne Zusagen

          Die Familie Haqqani stand auch im Mittelpunkt der Gerüchte um den stellvertretenden Regierungschef Mullah Abdul Ghani Baradar, über den Tage lang gemutmaßt worden war, er sei nach einer Auseinandersetzung mit Anhängern der Haqqanis verletzt oder gar getötet worden. Am Mittwochabend trat Baradar zwar in einem Fernsehinterview auf und verkündete, es gehe ihm gut. Doch war die Filmsequenz nicht unbedingt geeignet, die Zweifel daran zu zerstreuen, dass Baradar zumindest kaltgestellt wurde. Er saß starr auf einem Sofa und las meist vorgefertigte Sätze von einem Papier ab.

          Den Gerüchten zufolge sei Baradar nach der Vorstellung des neuen Kabinetts wütend darüber gewesen, dass er nicht wie allseits erwartet zum Regierungschef ernannt worden war. Baradar soll Haqqani dafür verantwortlich gemacht haben. Zu den Gründen gibt es verschiedene Theorien. Entweder liegt es daran, dass Baradar als Kritiker Pakistans gilt und die Haqqanis enge Verbindungen ins Nachbarland pflegen, oder aber, weil sich schlicht die militärischen Führer, wie Haqqani selbst einer ist, gegen die diplomatische Fraktion aus Doha durchgesetzt hatte. Baradar hatte als Leiter des politischen Büros in Doha bis zur Machtübernahme als das diplomatische Gesicht der Taliban gegolten.

          Präsent war in den vergangenen Tagen hingegen der Außenminister der Übergangsregierung, Amir Khan Muttaqi. Der hatte ebenfalls dem Verhandlungsteam in Doha angehört und konnte das Feld in Baradars Abwesenheit frei bespielen. Am Dienstag stellte er sich in einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten. Er hielt sich streng an die Strategie der Taliban, dem Westen möglichst freundlich gegenüberzutreten, ohne aber irgendwelche konkreten Zugeständnisse zu machen.

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