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Trotz Protest in Algerien : Bouteflika reicht Kandidatur für Präsidentenwahl ein

  • Aktualisiert am

„Keine fünfte Amtszeit“, skandieren die Demonstranten im ganzen Land. 70 Prozent der algerischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. Bild: Reuters

Der Präsident des größten afrikanischen Landes will nicht aufgeben. Derzeit wird Bouteflika medizinisch in der Schweiz behandelt – und lässt sich für die Wahlen trotzdem aufstellen. Er will aber nicht die ganze Amtszeit bleiben.

          Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika bewirbt sich trotz massiver Proteste für eine fünfte Amtszeit.Angesichts der Massenproteste bietet er seinen Rückzug jedoch binnen eines Jahres an. Er reichte seine Kandidatur für die Präsidentenwahl am 18. April formell ein, wie der Fernsehsender Ennahar am Sonntag berichtete. Der 82 Jahre alte Politiker ist seit 1999 Staatsoberhaupt des Landes. Seit eineinhalb Wochen protestieren immer wieder Tausende Menschen gegen seine abermalige Kandidatur. Auch am Sonntag gingen in der Hauptstadt Algier und weiteren Städten zahlreiche Menschen auf die Straße. Allein in Algier waren es nach Schätzung von Diplomaten rund 70.000. „Keine fünfte Amtszeit“, skandierten die Demonstranten und forderten ein „freies und demokratisches Algerien“. „Wir werden nicht aufhören, bis wir dieses
          System losgeworden sind“, sagte Aicha, eine 23-jähriger Studentin. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre.

          Mehrere Oppositionspolitiker haben einen Boykott der anstehenden Präsidentschaftswahl angekündigt und zu weiteren Protesten aufgerufen. So habe die größte moderat islamistische Partei Algeriens, HMS, entschieden, nicht bei der Abstimmung anzutreten, hieß es am Sonntag aus Parteikreisen. Mehrere Oppositionspolitiker hatten bereits ihren Rückzug verkündet.

          Hauptrivale zieht Kandidatur zurück

          Der Hauptrivale von Bouteflika, Ali Benflis, zieht offenbar seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl zurück. Dies verlautete am Sonntag aus Kreisen seiner Partei in der Hauptstadt Algier. Der ehemalige Regierungschef und Generalsekretär von Bouteflikas Partei Nationale Befreiungsfront (FLN) war bereits 2004 und 2014 erfolglos gegen Bouteflika angetreten.

          Die Frist zur Einreichung der Kandidatenunterlagen sollte am Sonntag um Mitternacht enden. Amtsinhaber Bouteflika ist gesundheitlich schwer angeschlagen und tritt nur noch selten öffentlich auf. 2013 erlitt er einen Schlaganfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Kritiker halten den gebrechlichen Präsidenten, der derzeit medizinisch in der Schweiz behandelt wird, daher für eine Marionette seines Umfeldes.

          Auch zahlreiche junge Leute gingen am Sonntag gegen die Führung des Landes auf die Straße. In der Hauptstadt Algier versammelten sich im Zentrum rund hundert Studenten zu einer Demonstration, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Studenten versammelten sich in der Nähe der Universität im Zentrum von Algier. Sie skandierten: „Bouteflika hau' ab!“ Die Polizei riegelte die Demonstration ab, wie AFP-Journalisten berichteten. Ähnliche Proteste wurden von Studenten und Medien aus anderen Universitätsstädten des Landes gemeldet.

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