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Schmerzmittel-Sucht : Die Familie, die durch Amerikas Opioid-Krise reich wurde

„Schande über die Sacklers“: Die Fotografin Nan Goldin (vorne links) führt die Proteste gegen die Milliardärsfamilie vor dem Guggenheim-Museum in New York an. Bild: Picture Press/Yana Paskova

Mit Schmerzmitteln machte die Familie Sackler weltweit Milliarden – und wurde damit auch mitverantwortlich für Amerikas Opioid-Epidemie. Das holt die vermeintlichen Wohltäter jetzt vor Gericht ein.

          10 Min.

          Die körperlichen Entzugserscheinungen waren eigentlich schon schlimm genug. Die Schweißausbrüche, die ständige Übelkeit, die Bauchschmerzen, das unkontrollierbare Gähnen. Aber mit noch viel größerem Schrecken denkt Nan Goldin an ihre damalige psychische Verfassung: „Es war wie eine totale Seelenfinsternis, die jede Zelle im Körper erfasst.“ Ein Gefühl der tiefsten Verzweiflung, das nicht einmal etwas mit dem Drang zu tun hatte, wieder Drogen zu nehmen. Diese „Folter“, wie Goldin es nennt, liegt nun zwei Jahre zurück. Der Jahrestag war erst vor wenigen Wochen, Goldin ging in ihre Selbsthilfegruppe, hinterher gab es Kuchen, „wie am Geburtstag“. Heute ist sie sauber, aber der Kampf geht weiter. Goldin sagt: „Wenn dich die Drogen einmal im Griff haben, vergisst du sie nie.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nan Goldin ist eine erfolgreiche Fotografin. Aber in jüngster Zeit hat sie sich vor allem als Widersacherin der Unternehmerfamilie Sackler einen Namen gemacht mit einer Art Rachefeldzug, den sie für sich selbst und Menschen mit ähnlichen Suchterfahrungen führt. Denn die 65 Jahre alte New Yorkerin meint, die Sackler-Familie sei maßgeblich für die gegenwärtige Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten verantwortlich. Die Familie kontrolliert den Arzneimittelhersteller Purdue Pharma, zu dessen Produkten das Schmerzmittel Oxycontin gehört – ein Opioid, also eine Substanz derselben Wirkstoffklasse wie das Rauschgift Heroin. Die Opioide sind ein wesentlicher Grund, warum die Zahl der Drogentoten in Amerika in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen ist, im Jahr 2017 lag sie bei mehr als 70.000. Heute sterben mehr Menschen an den Folgen von Opioiden als bei Autounfällen.

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