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Spaniens Bürgerkriegsopfer : Ein würdiges Begräbnis nach 85 Jahren

Das Heilige Kreuz im Tal der Gefallenen in der Nähe von Madrid. Es wurde 1940 auf Geheiß des Diktators Francisco Franco von 20.000 Zwangsarbeitern errichtet. Bild: Frank Röth

Vor 85 Jahren ermordeten Francos Schergen seinen Vater und seinen Onkel – und bestatteten sie im „Tal der Gefallenen“. Kurz vor seinem eigenen Tod will Manuel Lapeña die beiden endlich würdig zur letzten Ruhe betten.

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          Die Zeit wird knapp. Manuel Lapeña ist 97 Jahre alt, und sein Gedächtnis schwindet. Zwölf Jahre lang dauert der Kampf seiner Familie schon: Der alte Mann aus Aragón will vor dem eigenen Tod seinen Vater und dessen Bruder zur letzten Ruhe betten – 85 Jahre nachdem sie ermordet und ihre Leichname geraubt worden waren: Zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs hatten Anhänger des späteren Diktators Francisco Franco die beiden Brüder 1936 in der Provinz Zaragoza erschossen. Wie viele Tausende ihrer Gegner, verscharrten sie die beiden Republikaner in einem Massengrab. Im Jahr 1959 brachte man ihre Überreste dann ins „Valle de los Caídos“, ohne ihre Angehörigen zu fragen. Vor eineinhalb Jahren wurde der Leichnam des Diktators Francisco Franco umgebettet, der unter der Kuppel des monumentalen „Tals der Gefallenen“ ruhte. Doch die Toten von Bürgerkrieg und Diktatur lassen Spanien weiterhin nicht zur Ruhe kommen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der riesigen Nekropole nordwestlich von Madrid ruhen in sieben unterirdischen Krypten und Kapellen neben den Lapeña-Brüdern 33.813 Tote; von mehr als 12.000 kennt man den Namen nicht. Sie mussten für die Versöhnung herhalten, welche die Diktatur den Spaniern in den fünfziger Jahren verordnet hatte. Für viele Hinterbliebene war es Hohn und Horror zugleich, dass ihre Brüder, Väter und Söhne jahrzehntelang an der Seite des Diktators ruhen mussten. Bald sollen auch sie ein neues Grab erhalten. Doch Manuel Lapeña kann sich darüber kaum noch freuen; eine beginnende Demenz macht ihm zu schaffen. Anderen Angehörigen setzte die Pandemie zu.

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