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Venezuela in Aufruhr : Misslungener Start der „Operation Freiheit“

Juan Guaido ruft seine Unterstützer am Dienstag auf, sich ihm anzuschließen. Bild: AP

Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó ist beim Versuch gescheitert, die Armee auf seine Seite zu ziehen. Doch für ihn gibt es nun keinen Weg mehr zurück.

          Jetzt oder nie. Diese Devise stand am Anfang des gestrigen Dienstags. Oppositionsführer Juan Guaidó hatte sich vor eine Gruppe von Soldaten gestellt und der Bevölkerung per Videobotschaft versichert, dass die Armee nun umschwenke, um Venezuela von seinem Unterdrücker Nicolás Maduro und dessen Regime zu befreien. Demonstranten strömten zum Militärstützpunkt in Caracas, vor dem sich die Gruppe versammelt hatte. Doch es waren wenige, lediglich rund fünfzig Soldaten, und die Welle wollte nicht auf ihre Kameraden in den Kasernen überschwappen. Stattdessen versicherte die Armeespitze Maduro abermals ihrer Treue und erbrachte den Beweis, indem sie ihre Soldaten auf die Straße schickte, um die Demonstrationen aufzulösen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Besonders in Caracas kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den regimetreuen Sicherheitskräften und oppositionellen Demonstranten. Die Gewalt drohte zu eskalieren, als ein Panzerwagen der Polizei willentlich in eine Gruppe von Demonstranten fuhr und mehrere Personen überrollte. Auch die berüchtigten „Colectivos“, die paramilitärischen Stadtmilizen, traten an verschiedenen Orten in Erscheinung. Mindestens 69 Menschen wurden bei den Kämpfen nach Angaben der Opposition verletzt. Meldungen über Tote gibt es nicht. Am späten Abend gab es noch immer einzelne Zusammenstöße.

          Aus Hausarrest befreit

          Der Dienstag war ein Tag solcher Gewalt, aber auch der friedlichen Kundgebungen von Zehntausenden Venezolanern gegen das Regime von Maduro, das sich an der Macht festklammert. Es war ein Tag der anfänglichen Hoffnung, der wieder in Ernüchterung endete.

          Sinnbildlich dafür stand die Befreiung der oppositionellen Galionsfigur Leopoldo López aus dem Hausarrest. López, der die Proteste von 2014 anführte, seither in Haft ist und als politischer Ziehvater von Guaidó gilt, wurde offenbar von Beamten des Geheimdienstes freigelassen – ein Zeichen für die Risse im Sicherheitsapparat Maduros, zumindest im Geheimdienst. Dafür spricht auch, dass der Kommandant des Geheimdienstes sich in einem Schreiben an Maduro wandte, in dem er von einer „Erneuerung des Staates“ sprach. López’ Befreiung war womöglich der größte Erfolg für die Opposition an diesem Tag. 

          Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó (l.) am Dienstag an der Seite von Leopoldo López, kurz nachdem dieser aus dem Hausarrest befreit wurde.

          López sprach vom letzten und entscheidenden Kampf, um die Freiheit zu erreichen. Doch sein Tag endete zunächst in der chilenischen Botschaft, die ihm und seiner Familie Zuflucht gewährte, als sich abzeichnete, dass es an diesem Tag nicht zum erhofften Umsturz kommen würde. Am Abend hieß es dann, er sei in die spanische Botschaft weitergezogen. López muss damit rechnen, festgenommen und in Isolationshaft gesteckt zu werden. Ebenso wie Guaidó, der Maduros Regime mit seiner Aktion den letzten Grund für eine Verhaftung geliefert hat. Denn was Guaidó als die „Operation Freiheit“ bezeichnet, deren finale Phase nun eingeläutet ist, wertete das Regime als einen „Putschversuch“ der Opposition und einer „kleinen Gruppe von Verrätern“ in den Reihen der Armee. Mehrere beteiligte Soldaten sollen zudem um brasilianisches Asyl gebeten haben. 

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