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Explosion der Infektionszahlen : Omikron-Welle überrollt Spanien und Portugal

Menschen in Barcelona stehen im Dezember für einen Corona-Test an. Bild: EPA

Die Reaktion auf den Anstieg der Corona-Fälle fällt auf der Iberischen Halbinsel unterschiedlich aus. Während Spanien vor einem neuen Lockdown zurückschreckt, fährt Portugal das öffentliche Leben herunter.

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          Noch vor kurzer Zeit galten Portugal und Spanien wegen ihrer hohen Impfquoten als weltweite Vorbilder. Jetzt überrollt die Omikron-Welle aber auch die Iberische Halbinsel. In Portugal führen die Gesundheitsbehörden mehr als 61 Prozent der Neuinfektionen schon auf die neue Virusvariante zurück. Am Freitag waren es mit fast 13. 000 neuen Fällen so viele wie am 29. Januar 2021 während der bisher schlimmsten Corona-Welle. In Spanien lag die Sieben-Tage-Inzidenz an Heiligabend national bei 563, in der Hauptstadt Madrid bei fast tausend und in der Rioja-Region darüber. Das Robert-Koch-Institut hat beide Länder deshalb seit dem 25. Dezember als Hochrisikogebiete eingestuft. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich frühestens nach fünf Tagen „freitesten“.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Regierungen in Lissabon und Madrid reagieren auf die jüngste Explosion der Infektionszahlen auf sehr unterschiedliche Weise. In Portugal, wo man damit rechnet, dass Omikron bis zum Jahresende einen Anteil von 90 Prozent an allen Corona-Infektionen haben wird, zog die Regierung die „Woche der Eindämmung“ vor, die eigentlich erst nach Neujahr beginnen sollte: Die Portugiesen sollen ab sofort im Homeoffice arbeiten. Bars und Diskotheken müssen schließen. Der Besuch von Geschäften wird strenger reglementiert, und bei Sport- oder Kulturveranstaltungen muss ein negativer Test vorgelegt werden. Das gilt auch für Restaurantbesuche zu Weihnachten oder Silvester. Der Unterrichtsbeginn wurde auf den 10. Januar verschoben. Schon seit Anfang Dezember gilt wieder der nationale Notstand. Alle Einreisenden – auch wenn sie geimpft und getestet sind – müssen einen negativen Test vorlegen.

          In Spanien konnten sich die Zentralregierung und die Mehrheit der Regionalregierungen bisher nur dazu durchringen, die Maskenpflicht im Freien wieder einzuführen; die Quarantänevorschriften wurden gleichzeitig gelockert. Nur einzelne Regionen haben strengere Maßnahmen verhängt, wie Zugangsbeschränkungen und Kontrollen in der Gastronomie. In Katalonien gilt eine nächtliche Ausgangssperre in Orten mit hoher Inzidenz, zu denen auch Barcelona zählt.

          Nach einer Übersicht der Universität Oxford gehört Spanien zu den Schlusslichtern mit deutlich weniger Restriktionen als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien, obwohl kurz vor Heiligabend mit fast 73. 000 Neuinfektionen ein neuer Tagesrekord seit dem Ausbruch der Pandemie verzeichnet wurde. In Madrid, wo Ende November der erste Omikron-Fall nachgewiesen wurde, macht die neue Variante nach Angaben der lokalen Gesundheitsbehörden neun von zehn Neuinfektionen aus. Doch die Regionalregierung unter der Führung der konservativen Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso lehnt wieder strengere Einschränkungen ab. Für die Urlaubsländer Spanien und Portugal bedeutet die Omikron-Welle einen weiteren wirtschaftlichen Rückschlag. So beträgt die Inzidenz auf den Kanaren 610.

          Auf der Iberischen Halbinsel steigt jedoch die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen nur langsam an. Das gilt auch für die Todesfälle. In spanischen Krankenhäusern liegt im Vergleich zur verheerenden Covid-Welle zu Jahresbeginn nur rund ein Drittel der Corona-Patienten von damals. In Portugal bezeichnen die Behörden die Zahl der Todesfälle und der Einweisungen auf Intensivstationen weiterhin als „stabil“. Als ein Grund dafür wird die hohe Impfquote genannt, die in Spanien bei rund 80 Prozent und in Portugal bei 89 Prozent liegt.

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