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Nach Entdeckung neuer Variante : Wissenschaftler in Südafrika erhalten anonyme Drohbriefe

Schlange vor einer PCR-Teststation am 30. November in Johannesburg Bild: AFP

Den Fachleuten wird mit Konsequenzen gedroht, wie man sie „in China“ erwarten würde, weil sie ihre Forschungsergebnisse zur Omikron-Variante frühzeitig bekanntgegeben hätten. Es gibt aber auch positive Reaktionen.

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          Eine Woche ist es her, dass Wissenschaftler in Südafrika die Identi­fizierung einer neuen und außer­gewöhnlichen Coronavirus-Variante bekannt gegeben haben. Seitdem haben in einer panikartigen Aktion nicht nur zahlreiche Länder wegen der Omikron-Variante Reisebeschränkungen eingeführt oder ihre Grenzen für Reisende aus Südafrika geschlossen. Nach Informationen der F.A.Z. haben Regierungsvertreter und Wissenschaftler auch anonyme Drohbriefe erhalten. Darin wird den Fachleuten wegen der frühzeitigen öffentlichen Bekanntgabe mit Konsequenzen gedroht, wie man sie „in China“ erwarten würde. Die mit der Variantenerforschung befassten Institute haben die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Mitarbeiter, die sich gefährdet fühlen, können Personenschutz anfordern.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Überwiegend wurden die Wissenschaftler in Südafrika jedoch für ihre Leistungen gepriesen. Auch in den sozialen Medien brachten Nutzer ihren Stolz und ihre Dankbarkeit zum Ausdruck. Gleichzeitig reißen die Empörung und das Unverständnis über die Reaktionen im Ausland nicht ab. Präsident Cyril Ramaphosa sagte in einer Rede an die Nation am Sonntagabend, das Reiseverbot für Südafrikaner sei eine „klare und völlig ungerechtfertigte Abweichung“ von den Verpflichtungen, die mehrere Länder auf dem G-20-Treffen in Rom im vergangenen Monat eingegangen seien. Die Res­triktionen beruhten nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und seien nicht effektiv, um die Verbreitung der Variante einzudämmen.

          Guterres zeigt sich „sehr besorgt“

          Ähnlich hatten sich zuvor die Außenministerin und Vertreter der Afrikanischen Union (AU) geäußert. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sagte, er sei „sehr besorgt über die Isolation der Länder im südlichen Afrika wegen der Reisebeschränkungen“. Hinweise auf die neue Variante hatte es schon vorher in anderen Ländern gegeben.

          Deutschland hat Südafrika und sieben weitere afrikanische Länder nach der Bekanntgabe abermals auf die Liste der Variantengebiete gesetzt. Nur deutsche Staatsbürger und Menschen mit einem Wohnsitz in Deutschland dürfen einreisen, müssen sich aber in eine 14 Tage lange Quarantäne begeben, das gilt auch für Geimpfte. Obwohl Omikron auch in vielen anderen Ländern mittlerweile nachgewiesen wurde, befinden sich nur die afrikanischen Länder auf der Variantenliste.

          Auch nach der Entdeckung der Beta-Variante zu Beginn dieses Jahres waren Südafrika und weitere afrikanische Länder als Virusvariantengebiete eingestuft worden. Erst nach Protesten aus der Wirtschaft wurden sie Ende Juli herabgestuft, die Quarantänepflicht entfiel. Damals hatte die Delta-Variante schon seit geraumer Zeit die Beta-Variante verdrängt.

          Derweil steigt auch in Südafrika die Besorgnis über die Verbreitung der Omikron-Variante. Sie wird für den zuletzt deutlichen Anstieg der Infektionszahlen verantwortlich gemacht, wenn auch von niedrigem Niveau aus. Von weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens sieht die Regierung derzeit ab. Auch das von einigen befürchtete abermalige Verkaufsverbot für Alkohol trat nicht in Kraft.

          Jüngst wurden knapp 3000 Neuinfektionen am Tag gezählt, Anfang November waren es noch 300 gewesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat sich auf 57 erhöht. Die Situation in Südafrikas Krankenhäusern ist bisher weitgehend entspannt, obwohl einige Kliniken in der Provinz Gauteng bald einen Bettenmangel für Covid-Patienten befürchten. Es besteht kein Zweifel mehr, dass in Südafrika und anderen afrikanischen Ländern eine vierte Infektionswelle begonnen hat. Rama­phosa brachte in der Rede daher eine allgemeine Impfpflicht ins Gespräch. Eine Arbeitsgruppe solle sich damit befassen. Erst etwa ein Viertel der Bevölkerung ist vollständig geimpft, obwohl mehr Impfstoff vorhanden ist. Auch in Südafrika versuchen Wissenschaftler jetzt herauszufinden, welchen Schutz die vorhandenen Impfstoffe gegen die Omikron-Variante bieten.

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