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Omans neuer Sultan : Ein Mann des Ausgleichs

In Muskat vereidigt: Der neue Sultan von Oman Haitham bin Tariq Al Said hat die Macht übernommen. Bild: AP

Nach dem Tod seines Cousins ist Haitham bin Tariq Al Said nun Sultan von Oman. Die Staatengemeinschaft kann sicher sein, dass er die Vermittlerrolle seines Landes fortsetzen wird – und um dessen Bedeutung als Wächter der Straße von Hormuz weiß.

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          Als Qabus bin Said 1970 seinen Vater stürzte und damit eine der wenigen arabischen Erfolgsgeschichten begann, war sein Vetter Haitham bin Tariq Al Said noch keine 16 Jahre alt. Der konnte als Mitglied der königlichen Familie mal aus der Ferne, während des Studiums in England, meist als direkt Beteiligter die sogenannte Wiedergeburt Omans und den Weg dieses Landes im Südosten der Arabischen Halbinsel in die Moderne verfolgen. Jetzt, fast fünfzig Jahre später, wird er nach den Regeln des omanischen Grundgesetzes für die Thronfolge Nachfolger seines verstorbenen Vetters. Der Fortbestand der Herrschaft der Al Said bleibt gewahrt.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Haithams Name war immer wieder genannt worden, wenn die Rede auf mögliche Nachfolger des kinderlosen Qabus kam. Der 1954 geborene Haitham war fast zwanzig Jahre einer der leitenden Beamten im Außenministerium in Maskat, zunächst als Unterstaatssekretär, dann als Generalsekretär. In diesen Funktionen lernten ihn auch europäische Diplomaten kennen, etwa bei gemeinsamen Sitzungen der EU und des Golfkooperationsrats.

          Seit 2002 war er Minister für das Kulturerbe Omans, ein Amt, das dem Anschein nach zweitrangig ist, aber in der Wertschätzung Qabus’ einen hohen Stellenwert hatte. Denn der wollte einen Entwicklungspfad beschreiten, der die omanische Stammesgesellschaft behutsam in die vernetzte Welt des 20. und des 21. Jahrhunderts führte. Auch Haitham hat immer wieder von Versöhnung von Tradition und modernem Leben gesprochen.

          Ausländische Besucher haben Haitham als besonnen, klug und etwas zurückhaltend erlebt. Im fehlt womöglich das Charisma seines Vorgängers, der sich weder den nahöstlichen Realitäten verschloss noch die großen Debatten scheute: Die These vom „Zusammenstoß der Kulturen“ fand sein intellektuelles Interesse, ihn zu vermeiden war ein Motiv seiner Außenpolitik. In einer von Rivalitäten geprägten Region suchte er den Ausgleich.

          Haitham ist ebenso ein Mann des Ausgleichs. Auch in Oman, das eher zu den kleinen Produzenten von Öl und Gas gehört, wird gebaut, was das Zeug hält. Doch der Gigantismus, der in der Nachbarschaft buchstäblich in den Himmel wächst, ist ihm fremd. Haitham hat im Gespräch oft gesagt, dass das Land offen für den Tourismus sein solle. Aber immer schwang dabei die Sorge mit, es nicht zu übertreiben wie die Nachbarn.

          Zu Deutschland hat Haitham eine indirekte Beziehung. Sein Vater Tariq, der Bruder des von Qabus gestürzten Sultans, lebte lange Zeit in Hamburg und Umgebung. Die Bundesregierung und die Staatengemeinschaft können sicher sein, dass der neue Sultan die Vermittlerrolle Omans fortsetzen wird und um dessen Bedeutung als einer der Wächter der Straße von Hormuz weiß.

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