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Olympische Winterspiele : Modell Sotschi

Sotschi brennt: Hoffentlich bleibt es bei olympischem Feuer Bild: dpa

In Sotschi kann man besichtigen, wie Putins Macht zugleich Russlands Schwäche ist. Die Folgen sind Korruption, Umweltzerstörung und Willkür.

          Wladimir Putin will mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi der Welt „sein“ Russland präsentieren. Schon jetzt kann man sagen: Das ist gelungen. Wie von einem Brennglas gebündelt, findet man in diesem Projekt alles, was typisch ist für das von ihm geschaffene politische System. In Sotschi kann man besichtigen, wie Putins Macht zugleich Russlands Schwäche ist. Wenn er will, dass ein subtropischer Badeort in nicht ganz sieben Jahren zum Wintersportgebiet entwickelt wird, kann er das durchsetzen. Über Sinn und Kosten des Vorhabens wurde nicht gestritten, weil Putin es für bedeutend erklärt hatte.

          Die Folgen sind Korruption, Umweltzerstörung und Willkür gegen alle, die sich doch zu widersetzen versuchten. Gesetze galten in Sotschi in den vergangenen Jahren nur noch, wenn sie Olympia nicht im Wege standen – olympische Bauten wurden, weil die Zeit drängte, ohne Baugenehmigung begonnen, Müllkippen wurden illegal auf Nationalparkgebiet eingerichtet, Eigentumsrechte einfacher Bürger übergangen. Unter der Berufung auf olympische Notwendigkeiten konnten riesige Mittel mobilisiert werden – Staatsdiener, die Bedenken vorbrachten, mussten schon sehr wichtig sein, wenn ihnen das nicht schaden sollte.

          Positive Auswirkungen? Unwahrscheinlich

          Was davon alles tatsächlich der Vorbereitung von Olympia diente, und wo die Vorbereitung auf Spiele nur als Deckmantel für anderes herhalten musste, ist oft kaum zu erkennen. Verloren haben dabei nicht nur die Einwohner von Sotschi (und die russischen Steuerzahler), sondern sogar einige Oligarchen, von denen Putin – gewissermaßen als Lizenzgebühr für die Weiterführung ihrer Geschäfte – Investitionen in Sotschi verlangte, bei denen kaum jemand glaubt, dass sie je rentabel sein werden.

          Dass die Spiele für Sotschi auf Dauer positive Auswirkungen haben werden, ist unwahrscheinlich – russische Behörden sind schon jetzt mit Schadensbegrenzung befasst. Und selbst dort, wo es einen Nutzen geben sollte, steht der Aufwand in keinem Verhältnis dazu.

          Sotschi steht für das Modell, nach dem Putin Russland zu entwickeln versucht: auf Anweisung von oben. Durchsetzen kann er sich damit immer nur oberflächlich, so wie manches auch in Sotschi während der Spiele mehr Potemkinsches Dorf als Wirklichkeit sein wird. Echte Entwicklung von unten wird dadurch gebremst.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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