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Olympische Winterspiele in Sotschi : Aufräumen im Kaukasus

  • -Aktualisiert am

Das Sicherheitsaufgebot für die Olympischen Winterspiele in Sotschi ist groß Bild: REUTERS

Russland will verhindern, dass Extremisten die Olympischen Winterspiele gefährden - und wird Sotschi mit zehntausenden Polizisten in eine Festung verwandeln. Die Angst vor Anschlägen durch den islamistischen Untergrund im Nordkaukasus ist groß.

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          Mindestens 30.000 Polizisten werden Sotschi im Februar während der Olympischen Winterspiele in eine Festung verwandeln. Sie sollen helfen, das Versprechen des russischen Präsidenten von 2007 anlässlich der Bewerbung für Sotschi als Austragungsort der Spiele einzulösen, dass sie besonders sicher sein werden. Außer den Polizisten werden die russischen Geheimdienste mit Spezialkräften in Sotschi sein. Sie werden die Überwachung des mobilen Telefonverkehrs erheblich verstärken und das Internet in zuvor nicht gekanntem Ausmaß kontrollieren, um mögliche Pläne für Terroranschläge rechtzeitig aufzudecken.

          Andererseits will der bewaffnete islamistische Untergrund im Nordkaukasus, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu Sotschi, beweisen, dass er trotz aller Vorkehrungen in der Lage ist, zu destabilisieren und Putins Ansehen in Russland und im Ausland zu ruinieren. Doku Umarow, ein früherer Anführer der tschetschenischen Separatisten, rief im Juli in einer Videobotschaft seine Anhänger im Nordkaukasus, aber auch in den muslimisch geprägten Teilrepubliken Tatarstan und Baschkortostan an der mittleren Wolga auf, die Spiele zu sprengen. Jede Methode und ein Maximum an Gewalt seien erlaubt, um in Sotschi diesen „Teufelstanz auf den Gebeinen der muslimischen (also tscherkessischen) Vorfahren“ zu verhindern. Viele von ihnen waren im 19. Jahrhundert von russischen Truppen in der Nähe von Sotschi umgebracht worden. Umarow, der sich im Jahr der Bewerbung Sotschis um die Spiele zum Emir eines kaukasischen Emirats erklärt hatte, übernahm bereits die Verantwortung für schwere Terroranschläge mit jeweils Dutzenden von Toten in den Jahren 2010 und 2011 in Moskau.

          Verstärkung durch Dschihadisten

          Nun hielt Putin im September dagegen. Einst habe ein hoher Beamter des Zaren verlangt, dass im Kaukasus ein für alle Mal „aufgeräumt“ werden müsse, sagte er. Noch immer sei diese Forderung aktuell. Der islamistische Untergrund erhofft sich unterdessen Verstärkung durch einen Teil der mindestens 400 Dschihadisten aus Russland, die an der Seite der Verbände in Syrien kämpfen, die Al Qaida nahestehen und in die Heimat zurückkehren. Putin hatte dieser Gefahr Rechnung getragen, als er Dutzende Staaten und insbesondere die Amerikaner bat, bei der Identifizierung von Dschihadisten aus Russland, die im Nahen Osten kämpfen, zu helfen.

          Am 22. Oktober 2013 in Wolgograd: Eine Selbstmordattentäterin sprengte sich in einem Bus in die Luft

          Tschetscheniens starker Mann von Moskaus Gnaden, Ramsan Kadyrow, behauptete dieser Tage grimmig, dass Spezialkräfte zur Bekämpfung von aus Syrien zurückkehrenden Dschihadisten existierten. Zugleich musste der Mann, der angeblich alles und jeden in Tschetschenien kontrolliert, aber eingestehen, dass ausgerechnet die Tochter eines hohen tschetschenischen Beamten seit einiger Zeit mit islamistischen Rebellen in Syrien gegen Präsident Assad kämpft. Und Umarow konnte noch immer nicht ausgeschaltet werden.

          In Russland glaubt man nicht, dass „Emir“ Umarow tatsächlich jede Gewaltaktion, die Islamisten im Kaukasus oder an anderen Orten Russlands verüben, befiehlt oder gar organisiert. Vielmehr würden einzelne Zellen der Extremisten den Ungeist von Umarows Kampfbotschaften weitgehend selbständig in die Tat umsetzen. In der gegenwärtigen Phase gehe es auch nicht nur darum, wird vermutet, Sotschi und die Spiele direkt zu treffen, sondern auch darum, durch Anschläge an verschiedenen Orten im größten Flächenstaat der Erde, der sich ohnehin nur unzulänglich kontrollieren lässt, Angst und Schrecken zu verbreiten. Auch das könne die Spiele an den Rand einer Katastrophe bringen.

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