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Moon sagt Besuch in Tokio ab : Südkorea und Japan vor Olympischen Spielen im Streit

Südkoreas Präsident Moon Jae-in im Juni in England Bild: AP

Südkoreas Präsident fährt nicht zur Eröffnung der Olympischen Spiele. Es geht um alte Wunden – und die Wortwahl eines japanischen Diplomaten.

          2 Min.

          Seit vergangener Woche gilt der olympische Friede. Doch der Appell an die beteiligten Nationen, die Streitigkeiten für die Dauer der Olympischen Spiele in Tokio ruhen zu lassen, ist im nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen Japan und Südkorea überhört worden. Am Montag sagte Südkoreas Präsident Moon Jae-in seinen Besuch in der japanischen Hauptstadt zur Eröffnung der Spiele am Freitag ab. Das Präsidialamt in Seoul begründete die Entscheidung damit, dass von einem Besuch in Tokio nicht genügend Fortschritte in den bilateralen Beziehungen zu erwarten seien.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Moon hatte gehofft, dass ein Besuch mit einem Gipfeltreffen mit Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga verbunden wäre. Doch Suga signalisierte in den vergangenen Tagen nur einen adäquaten Empfang für Moon, nicht aber vertiefte politische Gespräche. Das letzte ernsthafte Gespräch zwischen den Führern beider Länder gab es im Dezember 2019, als Moon mit Sugas Vorgänger Shinzo Abe in China zusammentraf. Am Rande des Treffens der Siebenergruppe im Juni im Vereinigten Königreich begrüßten Suga und Moon sich dagegen nur kurz. Japans Ministerpräsident hat in den vergangenen Monaten kein großes Interesse signalisiert, in Gespräche mit Südkorea einzutreten.

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          Abe war 2018 zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang angereist, obwohl beide Seiten schon damals über den Umgang mit den Südkoreanerinnen stritten, die vom japanischen Militär während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsprostitution gezwungen wurden. Seither ist mit Entscheidungen des südkoreanischen Obersten Gerichts der schwelende Streit über die Entschädigung früherer südkoreanischer Zwangsarbeiter eskaliert. Japans Regierung argumentiert, dass Südkorea frühere Absprachen und Verträge bricht, und wartet auf Bewegung der Regierung in Seoul.

          Der diplomatische Streit wurde zuletzt angeheizt durch eine Bemerkung eines ranghohen Diplomaten Japans in Seoul. Er wurde mit den Worten zitiert, dass Moon hinsichtlich der Chancen eines Gipfeltreffens mit Suga „masturbiere“. Das südkoreanische Außenministerium protestierte und Seoul erwartete eine Entlassung des Diplomaten. Suga nannte die Bemerkung am Montag „extrem unangemessen“. Japanische Medien berichten, dass der Diplomat abgezogen werden soll. Für Moon aber kam das wohl zu spät.

          Auch Südkorea versteht es indes, die Japaner zu reizen. Im Olympischen Dorf in Tokio hatte die südkoreanische Delegation Plakate aufgehängt mit dem Spruch: „Ich habe immer noch die Unterstützung von 50 Millionen Koreanern.“ Das war eine Anspielung auf berühmte Worte des koreanischen Admirals Yi Sun-sin, der im 16. Jahrhundert seinem König gesagt haben soll: „Ich habe immer noch zwölf Kriegsschiffe.“ Danach gewann der Admiral eine entscheidende Schlacht gegen eine größere japanische Flotte. Das Internationale Olympische Komitee ordnete am Wochenende an, dass die Südkoreaner die Banner entfernten, weil sie gegen das Verbot politischer Propaganda in den olympischen Stätten verstießen.

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