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Olympische Winterspiele : Großbritannien und Australien machen bei politischem Boykott mit

Das Logo der Winterspiele in Peking Bild: Reuters

Die beiden Länder wollen keine Regierungsvertreter nach China schicken – so wie Amerika. Andere Nationen wohl auch nicht, aber wegen der starken Einschränkungen während der Olympischen Winterspiele.

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          Nach den Vereinigten Staaten haben auch Großbritannien und Australien angekündigt, keine Regierungsvertreter zu den Olympischen Winterspiele nach Peking zu schicken. Der britische Premierminister Boris Johnson sagte am Mittwoch im Londoner Unterhaus: „Es wird im Effekt einen diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking geben. Es wird erwartet, dass kein Minister teilnimmt und kein Regierungsvertreter.“ Zugleich sagte Johnson, er halte Sport-Boykotte für falsch.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Der australische Premierminister Scott Morrison sagte zur Begründung, China habe Australien in der Vergangenheit keine Gelegenheit zu Treffen gegeben, in denen „Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang und viele andere Themen“ hätten angesprochen werden können. Deshalb sei es „nicht überraschend“, dass im Februar keine politische Delegation aus Canberra nach Peking reisen werde. Australische Athleten würden aber an den Spielen teilnehmen. Das Wort „Boykott“ sprach Morrison nicht aus.

          Die meisten anderen Länder halten sich in dieser Frage noch bedeckt. De facto ist aber längst klar, dass nur wenige Staats- und Regierungschefs oder Sportminister an den Olympischen Winterspielen teilnehmen werden. Das liegt auch an den strikten Corona-Maßnahmen der chinesischen Regierung für die Besucher.  So hat Peking Reisen von Vorausteams für Sicherheitschecks grundsätzlich abgelehnt, was für die meisten Staats- und Regierungschefs eine Anreise unmöglich macht. Außerdem sollen die Politiker während ihres Aufenthalts nicht einmal die Sportler ihres eigenen Landes treffen dürfen. Öffentlichkeitswirksame Fotos mit Olympiasiegern fallen also aus. Persönliche Treffen mit chinesischen Ministern, Unternehmenschefs oder in China lebenden Staatsbürgern des eigenen Landes sind ebenfalls nicht vorgesehen. „Stattdessen wird zu virtuellen Treffen ermutigt“, heißt es im Regelwerk der chinesischen Regierung für ausländische Würdenträger.

          Gesundheitsinformationen in der App „My 2022“

          Inwieweit Chinas Präsident Xi Jinping oder Ministerpräsident Li Keqiang für Begegnungen bereitstehen, ist darin nicht festgehalten. Vermutlich ist das Verhandlungssache. Wie groß die Angst Xi Jinpings vor einer Ansteckung sein muss, kann man daran ablesen, dass er sich seit fast zwei Jahren mit keinem ausländischen Staatschef getroffen hat.

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          Die angereisten Staats- und Regierungschefs sollen die „Blase“, die rund um die Olympiastätten geschaffen wurde, nicht verlassen dürfen und auch keinen Ausflug zu den Olympia-Orten außerhalb Pekings unternehmen. „Kein Kontakt mit der Öffentlichkeit oder irgendjemandem außerhalb der Bubble“, steht in dem Regelwerk.

          Das wirft ein Problem auf: Reisende Regierungschefs oder Minister werden gewöhnlich vom Botschafter ihres Landes und anderem Botschaftspersonal begleitet. In Peking wird das nur möglich sein, wenn die Diplomaten sich anschließend zwei Wochen in Hotel- und eine weitere Woche in Heimquarantäne begeben. Nur wenige Botschafter dürften darauf Lust haben.

          Eine weitere Einschränkung: Vorgesehen sind nur Besuche von Staats- und Regierungschefs oder Ministern, die für Sport zuständig sind. Weder Stellvertreter oder Ehepartner von Staats- und Regierungschefs noch Wirtschaftsminister sind während der Olympischen Spiele erwünscht. Ein Arrangement wie bei den Sommerspielen in Tokio, bei denen die amerikanische First Lady Jill Biden ihren Ehemann vertrat, ist also nicht möglich. „Andere prominente Regierungsvertreter“ sollen nur die Paralympischen Spiele besuchen.

          Alle Delegationsmitglieder, also auch Könige, Präsidenten und Kanzler, sollen den Behörden zwei Wochen vor der Anreise täglich ihre Körpertemperatur und ihren Gesundheitszustand über eine App mit dem Namen „My 2022“ mitteilen. Sollte bei den Besuchern am Tag der Eröffnungsfeier eine Temperatur von mehr als 37,3 Grad gemessen werden, würde ihnen laut Regelwerk der Zugang zum Stadion verwehrt und sie müssten im Hotelzimmer bleiben. Quarantänefrei einreisen dürfen die Staats- und Regierungschefs nur, wenn sie bereits eine Booster-Impfung erhalten haben und vor dem Abflug einen Negativtest vorweisen können. Nach der Landung wird dann ihr Gepäck desinfiziert. Sicher ist sicher.

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