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Ollanta Humala : Vom Vater abgerichtet

  • -Aktualisiert am

Ollanta Humala: autoritär und nationalistisch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der peruanische Präsidentschaftskandidat Ollanta Humala stammt aus einer Familie, die eine eigene Ideologie begründet hat. Der Ethnocacerismus ist eine Mischung aus rassistischen und nationalistischen Ansichten.

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          Über Nacht tauchte Ollanta Humala auf der politischen Bühne auf. Innerhalb weniger Monate entwickelte sich der frühere Militär zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten für die Präsidentschaft in Peru.

          Es wäre nicht das erste Mal, daß die Menschen des Andenstaats ihre Geschicke in die Hände eines nahezu unbekannten Politikers legen: Auch Alberto Fujimori war vor seinen zehn Regierungsjahren und dem folgenden Sturz ein Unbekannter gewesen. Das gleiche gilt für Alejandro Toledo. Er muß das höchste Amt im Staat nach der Stichwahl entweder seinem Vorvorgänger Alan Garcia übertragen oder Ollanta Humala.

          Chavez und Morales als Vorbilder

          Der drahtig und geschmeidig zugleich wirkende Humala tritt als Heilsfigur eines neuen Nationalismus auf. Fragt man ihn, ob er damit eher eine rechte oder eine linke Politik verbinde, sagt er kokett: „Ich komme von unten.“ Humalas Programm läßt sich auf wenige Formeln komprimieren: Die Bodenschätze gehören dem ganzen Land und müssen allen Bevölkerungsteilen zugute kommen. Der Einfluß ausländischer Unternehmen, vor allem aus dem Nachbarland Chile, muß zurückgedrängt werden. Die Lage der Armen muß verbessert werden.

          Das alles erinnert an das auch in anderen lateinamerikanischen Ländern prosperierende Mißtrauen gegenüber der Privatisierungspolitik der achtziger und neunziger Jahre und den Drang zurück zu mehr staatlicher Kontrolle über Wirtschaft und Finanzen. Ollanta Humala profitiert von einer neuerwachten Sensibilität in der Region für soziale Probleme, vom Ansehensverlust der bisher herrschenden politischen Kaste und vom Vormarsch der in der Vergangenheit marginalisierten oder völlig ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen ins öffentliche Leben.

          Humala hat sich viel beim venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez abgeschaut und manches bei Evo Morales, der in Bolivien so grandios gesiegt hat. Wie sie verdammt der 43 Jahre alte Präsidentschaftskandidat den Neoliberalismus. Aber auf altlinke und radikal antiamerikanische Parolen verzichtet er.

          Eigene Weltanschauung der Familie

          Gegen den Abschluß von Freihandelsverträgen mit den Vereinigten Staaten äußert er nicht grundsätzliche Bedenken. Allerdings fordert er, solche Entscheidungen müßten Volksabstimmungen unterworfen werden. Er will auf jeden Fall verhindern, daß das Vertragswerk, wie es unter Toledo ausgehandelt wurde, vom Parlament ratifiziert wird.

          Ollanta Humala Tasso kommt keineswegs von unten. Er stammt aus einer in der zentralperuanischen Region Ayacucho ansässigen, vergleichsweise wohlhabenden bürgerlichen Intellektuellenfamilie. Sein Vater, ein Anwalt, der vorwiegend mit Arbeitsrechtsfällen für Baufirmen tätig war, ist eine schillernde Persönlichkeit, die einen ganzen Clan in seinem Geist erzogen, wenn nicht regelrecht abgerichtet hat.

          Isaac Humala begründete eine eigene Weltanschauung, die sich „Ethnocacerismus“ nennt: eine krude Mischung aus rassistischen Ansichten, in denen die „kupferfarbene“ Indio- und Mestizenvolksgruppen als überlegene Kulturen gelten, und einer an Heiligenverehrung grenzenden Begeisterung für den peruanischen Marschall und späteren Präsidenten Avelino Caceres, der dem übermächtigen Nachbarn Chile bei den kriegerischen Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert die Stirn bot.

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