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Klagen gegen Journalisten : Warum russische Oligarchen in London Narrenfreiheit haben

Hat gegen eine britische Journalistin auf Verleumdung geklagt: der in London lebende russische Oligarch Roman Abramowitsch Bild: dpa

Oligarchen aus dem Dunstkreis des Kremls genießen in Großbritannien einen Rechtsschutz wie nirgendwo sonst in der demokratischen Welt. Sie überziehen Journalisten mit Verleumdungsklagen – und haben damit Erfolg.

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          Offiziell wird Russland von der britischen Regierung als „feindseliger Staat“ betrachtet, dessen „bösartigen Aktivitäten zur Untergrabung demokratischer Systeme“ mit „äußerster Entschlossenheit“ zu begegnen sei. Gleichzeitig genießen Oligarchen, die von Fachleuten dem Dunstkreis des Kremls zugerechnet werden, aber im Königreich einen Rechtsschutz wie nirgendwo sonst in der demokratischen Welt. Über diesen Widerspruch und die damit verbundene Auswirkung auf die Pressefreiheit wird inzwischen in britischen Medien diskutiert – mit einer Vorsicht, die anzeigt, wie wirkungsvoll die juristische Einschüchterungstaktik russischer Milliardäre offenbar schon geworden ist.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Der jüngste Fall betrifft die frühere Moskau-Korrespondentin der Financial Times, Catherine Belton, und ihr voriges Jahr erschienenes Buch „Putin’s People“. Darin beschreibt sie Putins Netzwerk aus Geschäftsleuten und Politikern sowie deren finanzielle Verbindungen. Die Studie ist nun Gegenstand von Verleumdungs- und Datenschutzverfahren in London. Vier russische Milliardäre und der vom Kreml kontrollierte Ölkonzern Rosneft haben den Verlag Harper Collins in London verklagt – drei von ihnen auch die Autorin persönlich. Die Klageführer sind die Oligarchen Michail Fridman und Pjotr Awen sowie Schalwa Tschigirinskij und Roman Abramowitsch, der Eigentümer des Fußballclubs Chelsea. Einzelheiten des laufenden Rechtsstreits sind nicht zugänglich.

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