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Scholz in Afrika : Deutschland hat aufzuholen

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzler Olaf Scholz auf dem Weg zum Truppenbesuch in Niger Bild: dpa

In den Beziehungen zu Afrika hat Deutschland anderen Ländern zu lange den Vortritt gelassen. Dabei geht es hier schon lange nicht mehr nur um Entwicklungshilfe.

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          Nach Afrika reisten auch die Vorgänger von Bundeskanzler Scholz immer mal wieder. Aber richtig ernst hat man das politische Engagement auf dem großen Kontinent vor Europas Haustür nicht genommen. Obwohl Deutschland selbst einmal Kolonialmacht war, ließ man anderen westlichen Ländern gerne den Vortritt, vor allem Frankreich. Das ist auch eine Folge davon, dass Berlin in der Außenhandelspolitik so lange auf China fixiert war. Da sind die Renditen höher.

          Diese Politik kann man sich heute noch weniger leisten als vor ein paar Jahren, wenn man eine europäische Führungsmacht sein will. Das Zerwürfnis mit Russland lehrt, dass Deutschland viel mehr Zeit und Geld in den Aufbau eines globalen Netzes von Verbündeten stecken muss, wenn es nicht wieder in problematische Abhängigkeiten geraten will.

          Härtere Bretter in Afrika

          Die großen Themen der nächsten Jahre kommen auf den drei Stationen der Afrikareise des Kanzlers alle vor: Energie, Sicherheit, Handel und Klimaschutz. Auf dem Kontinent sind da bestimmt härtere Bretter zu bohren als anderswo, aber schon bei den Investitionen fällt auf, dass Deutschland im Vergleich zu anderen westlichen Staaten deutlich zurückliegt.

          Und auch China und Russland bemühen sich intensiv um Afrika. Das hat man in Deutschland oft beklagt, aber nie richtig versucht, etwas entgegenzusetzen.

          Wie es nicht geht, hat die Bundesregierung in Mali bitter erfahren müssen. Dass die Ausbildungsmission der Bundeswehr nun nach Niger verlegt wird, ist sinnvoll; für die andere, dort schon seit 2018 laufende Operation ein Anschlussprojekt zu finden, wie es der Kanzler ankündigte, wäre auch gut.

          Die weitere Beteiligung an der UN-Mission in Mali, die der Bundestag gerade gebilligt hat, ist dagegen fragwürdig, schon weil bisher ein Ersatz für entfallende französische Kräfte fehlt. Vor allem aber wäre wichtig, dass Deutschland sich endlich umfangreich in Afrika engagierte. Um Entwicklungshilfe allein geht es schon lange nicht mehr, noch nicht mal um militärische.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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