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Krieg im Irak : Schwieriger Kampf um IS-Hochburg Mossul

  • Aktualisiert am

Irakische Spezialkräfte im Osten der Stadt Mossul (Januar 2017) Bild: dpa

Der Angriff auf die letzte Bastion der Terrormiliz IS im Irak verläuft amerikanischen Angaben zufolge gut. Doch die Extremisten leisten heftigen Widerstand. Zudem macht die große Zahl an Zivilisten in Mossul den Angreifern zu schaffen.

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          Die Offensive der irakischen Regierungstruppen auf die IS-Hochburg Mossul kommt nach Einschätzung des amerikanischen Militärs deutlich schneller voran als noch zu Beginn der Operation. Das Ostufer der nordirakischen Millionenstadt sei bereits zu rund 90 Prozent unter Kontrolle und werde „sehr, sehr bald“ vollständig befreit sein, sagte der Sprecher des Militärs in Bagdad, John Dorrian, der Deutschen Presse-Agentur. Mit einer schnellen Befreiung der gesamten Stadt rechnet er aber nicht.

          Dorrian sagte, Luftangriffe der amerikanisch geführten internationalen Koalition hätten zudem die finanziellen Ressourcen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getroffen. „Wir haben auch ihre Fähigkeit zerstört, durch den Verkauf von Öl Geld zu machen“, erklärte Dorrian. „Wir bringen sie jeden Monat um Millionen Dollar an Einnahmen.“

          Letzte IS-Bastion

          Die irakische Armee und mit ihnen verbündete Milizen hatten die Offensive auf Mossul Mitte Oktober begonnen. Unterstützt werden sie von Luftangriffen der internationalen Koalition und von amerikanischen Militärberatern am Boden. Mossul ist die letzte Bastion des IS im Irak. Sollten die Extremisten die Großstadt verlieren, wären sie in dem Krisenland militärisch weitgehend besiegt. Allerdings kontrolliert der IS noch immer große Gebiete im Nachbarland Syrien.

          Die Terrormiliz setzt im Kampf gegen die Angreifer vor allem Selbstmordattentäter ein. Iraks Regierungsstreitkräfte stießen in Mossul auf starken Widerstand und hätten einige schwere Verluste erlitten, sagte Dorrian. Doch seit einer Umgruppierung der Truppen im Dezember hätten die Regierungskräfte schnelle Fortschritte erzielt.

          „Jeden Tag kommen sie voran und jeden Tag zieht sich der Feind zurück“, erklärte Dorrian. Der IS habe seit fast anderthalb Jahren keine Schlacht mehr gegen die irakischen Regierungskräfte gewonnen. Die internationale Koalition habe mittlerweile mehr als 70.000 irakische Sicherheitskräfte ausgebildet. „Ich kann nicht erkennen, dass der Feind die Iraker erschöpft. Ich sehe das genaue Gegenteil. Ich sehe, dass der Feind eine gewaltige Zahl an Kämpfern verliert.“

          Keine schnelle Befreiung

          Dennoch rechnet Dorrian nicht mit einer schnellen Befreiung der gesamten Stadt, die vom Fluss Tigris in ein Ost- und Westufer geteilt wird. Die große Zahl an Zivilisten und gezielte Angriffe des IS gegen diese verlangsamten das Tempo der Offensive. Zudem müssten die Regierungskräfte jedes einzelne der rund 250.000 Gebäude in Mossul nach Sprengfallen und Tunneln absuchen. „Das ist eine sehr bewusste, schwere, langsame und manchmal gefährliche Räumungsoperation.“

          Auch die Offensive auf Nordsyriens IS-Hochburg Rakka komme voran. Dort unterstützt die Koalition die Kurdenmiliz YPG und arabische Einheiten, die sich zu den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) zusammengeschlossen haben. Viele externe Operationen des IS etwa in Europa würden in Rakka geplant, sagte Dorrian. „Deswegen ist es wichtig, schnell vorzumarschieren und Rakka zu isolieren, um so viele Aktivitäten dieser Art wie möglich zu verhindern.“

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